Hexenlied von Antonia Michaelis

Zitate

„Du weinst“, sagte sie.
„Das ist nur der Regen“, wisperte er. „Es regnet gerade jetzt hier an dieser Stelle des Zimmers, hast du es nicht gemerkt?“

Seite 113

Inhalt:

Tim ist ein ganz normaler Junge. Scheinbar. Lilith dagegen ist offensichtlich die klassische Außenseiterin. Immer im Abseits übernimmt sie plötzlich in der Theatergruppe die Hauptrolle und spielt eine Hexe, la bruja. Doch in ihrer Anwesenheit geschehen seltsame Dinge, immer wieder verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Theaterstück. Ist Lilith wirklich eine Art Hexe?

Meinung:

Als großer Fan von Antonia Michaelis, habe ich mich riesig gefreut, als ich dieses Buch in der Lovelybooks Leserunde gewonnen habe!

Ich fand den Einstieg ein bisschen schwierig. Es gibt sehr viele Figuren, die alle auf einmal auftauchten und ich brauchte eine Weile, bis ich zu jedem ein Bild hatte. Außerdem ist die Stimmung von Anfang an sehr düster, irgendetwas Schlimmes liegt in der Luft, eine Spur Hoffnungslosigkeit. Das hat mir nicht so gut gefallen und mich im Lesen auch etwas gehemmt.

Das wurde zwischendurch besser, der Leser lernte die Figuren, besonders Lilith besser kennen und aus der Hoffnungslosigkeit wurde eher etwas wie Melancholie, die ich von anderen Büchern der Autorin schon gewohnt war.

„Hast du mal versucht, bei Wind ein Ikea-Teelicht anzuzünden? Im Ikea ist es windstill. Im Leben nicht.“

Seite 109

Tim ist in einer festen Clique, doch Tim ist gar nicht so sehr wie die anderen. Etwas in seiner Vergangenheit belastet ihn sehr, er nennt es die Eiszeit, ein Ereignis, das seine Familie hart getroffen hat. Was genau seine Freunde wissen oder nicht, ist ganz klar, aber sie akzeptieren ihn auf jeden Fall als einen der ihren. Das Abitur steht bald an, noch ein letztes Theaterstück, bevor es an das große Büffeln geht. Doch dieses Theaterstück ist nicht wie sonst.

Lilith war nie Teil einer Gruppe. Mager und schlecht gekleidet, mit abgekauten Nägeln und einem seltsamen Verhalten, war sie immer eine Außenseiterin. Bis sie sich der Theatergruppe anschließt und die Hauptrolle bekommt. Dass sie Schauspielern kann ist unbestritten, ihre Anwesenheit zieht die anderen wären der Proben in einen seltsamen Bann. Doch sobald sie daraus erwachen, flammt das Misstrauen wieder auf. Auch ihre Rolle im Stück ist eine Außenseiterin, eine Hexe umrankt von schlimmen Gerüchten.

„Wenn es ein Märchen wäre, würde ich sagen, der Hund verwandelt sich ab und zu“, sagte Tim. „In einen Prinzen.“ „Aber ich bin allergisch gegen Prinzen“, erwiderte sie ernst. Tim nickte. „Möglicherweise bin ich allergisch gegen Prinzessinnen.“

Seite 323

Antonia Michaelis ist für mich eine wunderbare Autorin. Ich liebe ihren ganz besonderen Schreibstil (verstehe aber auch, warum der für manche gewöhnungsbedürftig ist) und habe mir auch in diesem Buch wieder einige schöne Zitate markiert. Sie versteht es, Momente in Worte zu kleiden und die Dinge unheimlich gut zu beschreiben. In diesem Buch verschwimmt Wahrheit und Theater auf eine super gruselige und gekonnte Art miteinander. Ich finde das Buch wirklich gut geschrieben. Aber mir persönlich ist es viel zu grausam, zu trostlos und zu düster. Ich mag die Lehre nicht, die man daraus ziehen kann, das Ende nicht und überhaupt die Handlung besonders in den letzten Kapiteln.

„Aber Gerüchte sind wie Quecksilbertropfen. Wenn sie den Boden berühren, teilen sie sich, rollen und fließen in Lücken und Spalten, vermehren sich, winzig, beinahe unsichtbar… giftig.“

Seite 36

Urteil:  Ein sehr gut geschriebenes Buch mit vielen starken Worten, das mich mit seiner Grausamkeit und Trostlosigkeit aber etwas abgeschreckt hat.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Hexenlied

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