Niemalswelt von Marisha Pessl

In Niemalswelt landen Beatrice und ihre Freunde in einer Zwischenwelt, die sich Tag für Tag wiederholt und der sie gefangen sind.

Niemalswelt von Marisha Pessl

Wir waren Schiffbrüchige in einem tosenden Meer. Und sie zwangen mich, ihre Hände loszulassen, damit sie in den Wogen versinken und ertrinken konnten.

(S.89)

Inhalt:

Das erste Jahr am College ist für Beatrice vorbei und sie kommt zurück nach Hause. Ihre Freunde laden sie zu einer Party ein, auch wenn sie diese schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat und die Verbindung seit dem Tod ihres Freundes Jim brüchig geworden ist. Doch Bee springt über ihren Schatten und überwindet sich, zur Party zu fahren. Die Gruppe besucht ein Konzert. Auf dem Rückweg kommt es zu einem Unfall. Was auf den ersten Blick glimpflich ausgegangen ist, entpuppt sich im Nachgang dann doch als schwerwiegender. Denn die Jugendlichen sind in einer Zwischenwelt, der Niemalswelt, angekommen. Denn sie stehen an der Schwelle zum Tod. Und es wird nur einer von ihnen überleben. Wenn die Abstimmung eindeutig ausfällt.

Meinung:

Niemalswelt von Marisha Pessl konnte mich bereits mit dem Klappentext neugierig machen. Kaum war das Buch nun bei mir angekommen, konnte ich auch gleich mit dem Lesen beginnen. Gespannt stürzte ich mich also in die Seiten.

Gleich zu Beginn traf ich auf Bee, die ihr erstes College-Jahr gerade zu Ende gebracht hat. Nach wie vor beschäftigt sie der Tod ihres Freundes, der nun ein Jahr zurückliegt, sehr. Seit seinem Tod hatte sie auch keinen Kontakt mehr zu ihren ehemaligen Freunden. Umso überraschender findet sie die Einladung zu einer Party, die sie von ihnen bekommt. Will sie anfangs erst nicht dorthin gehen, überlegt sie es sich doch anders. Auch wenn das Aufeinandertreffen im ersten Moment seltsam wirkt, fährt die Clique gemeinsam auf ein Konzert. Der Unfall auf dem Rückweg vom Konzert verändert dann alles. Denn nun befinden sich die Jugendlichen in einer immerwährenden Zeitschleife in der Niemalswelt. Zumindest, bis eine Entscheidung getroffen wird.

Marisha Pessl lässt die Protagonistin Beatrice ihre Geschichte in Ich-Perspektive in Vergangenheitsform erzählen. Jeder Charakter hat ein Geheimnis, welches erst nach und nach ans Tageslicht kommt. Die Geschichte in Niemalswelt setzt vorrangig auf Erzählung, Dialoge kommen dabei aus meiner Sicht etwas knapp. Dies ist für mich auch der Grund, weswegen die Geschichte eine gefühlte Dynamik nur an wenigen Stellen erkennen lässt. Das Hauptaugenmerk lag hier für mich in Beschreibungen mit philosophischen Ansätzen, die Emotionen hervorrufen sollten, dies aber nur im Ansatz gelang. Die Geschichte entwickelte sich insgesamt in Slow Motion, dennoch war irgendwann für mich der Point of no Return gekommen, an dem ich dann unbedingt den weiteren Fortgang erfahren wollte. 

Alle Charaktere besitzen Eigenschaften, die einprägsam auf mich wirkten und ich sie so jederzeit zuordnen konnte. Dennoch schafften sie es nicht durchgängig, eine Bindung zu mir herzustellen. Jeder Charakter trägt ein Geheimnis in sich. Doch niemand ist bereit, dieses Geheimnis freiwillig zu offenbaren. Doch eine Wahl hat niemand. Sonst gibt es kein Entrinnen aus der Niemalswelt.

Für das Ende ihrer Geschichte hat Marisha Pessl einen passenden melancholischen Ausklang gewählt, der so mancher Leserin oder so manchem Leser doch eine Träne herauslocken könnte. Ich für meinen Teil hatte interessante Einblicke in die Niemalswelt und kann das Buch nun zufrieden zur Seite legen.

Fazit:

Niemalswelt entführt die Leserschaft auf eine interessante höhere Ebene, die die Elemente aller Beteiligten in sich vereint, dabei im Ansatz Emotionen hervorrufen kann und Geheimnisse hervorlockt.

Für alle, die sich auf neue Situationen einstellen können, Differenzen kurzfristig beilegen und bei denen Verdrängung ein großes Thema ist.


Titel: Niemalswelt

Autorin: Marisha Pessl

Übersetzung: Claudia Feldmann

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Verlag: Carlsen

ISBN-13: 978-3551584007

Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

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