White Maze: Du bist längst mittendrin (June Perry)

White Maze von June Perry zeichnet ein digitales Zukunftsszenario, das fasziniert, aber gleichzeitig auch auf mögliche Gefahren hinweist.

Zitat:

„Der Mann entblößte lächelnd eine Lücke in den Schneidezähnen. Unter dem ausgeleierten T-Shirt-Kragen blitzte ein Tattoo hervor. Nullen und Einsen, die sich die Halsschlagader hinaufschlängelten.“

(S.78)

Inhalt:

Noch gestern hätte Vivians Leben nicht besser sein können, doch nun hat sich alles geändert. Ihre Mutter, die erfolgreichste Game-Entwicklerin derzeit, wird ermordet. Ihr Tod scheint in unmittelbarem Zusammenhang mit dem in Kürze erscheinenden Spiel White Maze zusammenzuhängen, das mit neuen hochleistungsfähigen Kontaktlinsen gespielt wird. Für Vivian bricht eine Welt zusammen. Als auch noch das Haus von Männern durchsucht wird, die offensichtlich für die Firma von Vivians Mutter arbeiten, flüchtet Vivian. Doch sie hat etwas Wichtiges bei sich. Den Laptop ihrer Mutter. Sie hofft, auf diesem Antworten zu finden. Um den Laptop knacken zu können, benötigt sie die Hilfe eines Hackers. Für den Job engagiert sie Tom. Gemeinsam stoßen sie auf Informationen, die gefährliches Wissen für sie bedeuten. Und doch haben sie keine Wahl, sie müssen handeln. Denn wenn sie den Wahnsinn nicht stoppen können, wird sich für die Menschheit alles verändern.

White Maze: Du bist längst mittendrin von June Perry

Meinung:

White Maze: Du bist längst mittendrin war für mich ein Spontankauf bei einem Besuch meiner Stammbuchhandlung. Die außergewöhnliche Optik des Buches ist mir dabei sofort ins Auge gesprungen. Nachdem mich der Klappentext auch noch richtig ansprechen konnte, stand die Entscheidung schnell fest und ich nahm das Buch mit.

Es dauerte dann auch gar nicht lange, bis ich mich an diese Geschichte wagen konnte. Neugierig schlug ich das Buch auf und begann mit dem Lesen. Sofort stieß ich auf Vivian, deren Leben man auf jeden Fall als das eines It-Girls bezeichnen kann. Shopping, Partys usw. bestimmen ihren Lebensinhalt. Dazu kommt, dass sie von ihrer Mutter, der angesagtesten Spieleentwicklerin überhaupt, immer vor Verkaufsstart mit den neuesten AR-Linsen versorgt wird. Viviana ist damit permanent online, kennt es gar nicht mehr anders. Nun sollen die neuen Lucent-Linsen auf den Markt gebracht werden, mit denen man dann völlig realitätsnah in das Spiel White Maze eintauchen kann. Tatsächlich bekommt Vivian die Linsen auch dieses Mal im voraus von ihrer Mutter. Doch es scheint etwas nicht zu stimmen, denn bevor Vivian die neuen Linsen einsetzen kann, werden diese von ihrer Mutter in totaler Hysterie vernichtet. Das nächste, was Vivian von ihrer Mutter hört ist, dass sie tot ist. Eine Welt bricht für sie zusammen, dabei hat sie noch nicht einmal endgültig begriffen, dass sie nun allein ist. Doch ein Verdacht erhärtet sich in Vivian: Ihre Mutter wurde ermordet. Vivian sucht Hilfe und findet diese in Tom, einem bekannten Hacker. Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach dem Mörder von Vivians Mutter und geraten dabei selbst in allergrößte Gefahr.

June Perry beschreibt in White Maze: Du bist längst mittendrin ein Zukunftsszenario, wie es denkbarer kaum darzustellen ist. Mit den gewählten Perspektiven, einmal aus Vivians Ich-Perspektive in Gegenwartsform, zum anderen aus verschiedenen Sichten in dritter Person Vergangenheit, verleiht sie der Geschichte immer wieder Temposchübe und vermag diese zeitweise ein wenig abzudrosseln, um dann noch etwas obenauf zu legen. Die von June Perry beschriebenen Charaktere wirken absolut glaubhaft und handeln nachvollziehbar. Eine Authentizität kann man hier definitiv nicht verleugnen. Die emotionale Komponente im Interagieren der Personen wurde für meinen Geschmack etwas zu nüchtern beschrieben, was die Glaubwürdigkeit einzelner Interaktionen etwas absenkte. Richtig punkten konnte die Geschichte jedoch auf jeden Fall mit den Szenenbeschreibungen in der digitalen Welt. Die Autorin fand immer die richtigen Worte, mir die Handlung nahezubringen und mich mitfühlen zu lassen.

June Perry beschreibt in ihrer Geschichte oberflächlich betrachtet ein digitales Paradies, das mich definitiv mit seinen Reizen locken könnte. Doch die Gefahren, die man meist hierbei ausblendet, stellt die Autorin eindrucksvoll dar. Auch heute leben wir schon mit einer ganzen Reihe digitaler Hilfen und beachten dabei den immer größer werdenden Einfluss auf uns nur am Rande. Geschweige denn, dass wir uns mit den dadurch entstehenden Bedrohungen auseinandersetzen wollen. Auch deshalb fand ich die Darstellung der Entwicklung von Protagonistin Vivian sehr ansprechend, welche man in Kurzform als „Back-to-the-Roots“ beschreiben könnte. Sie lernt im Verlauf der Geschichte, dass auch die Realität ihre Reize und Schönheiten besitzt, derer man sich auch ohne digitale Stimulation erfreuen kann.

Nachdem ich tatsächlich durchgängig durch die Seiten gerast bin, fand June Perry dann nach einem Showdown mit kleinen Verwirrungen für die Protagonistin dann zu einem für mich absolut akzeptablen Ende. Ich erlebte in White Maze: Du bist längst mittendrin ein Szenario, das man in der Zukunft nicht ausschließen kann und das definitiv viele Wahrheiten enthält.

Urteil:

White Maze: Du bist längst mittendrin ist ein rasantes Zukunftsszenario, das einerseits faszinierend wirkt, andererseits potentielle Gefahren mit überzeugenden Kernbotschaften enthält. Meine Lesestunden in der digitalen Zukunft sind mir auf jeden Fall knappe 5 Bücher wert.

Für alle, die digitalen Fortschritt nicht verteufeln, dabei dennoch in der Realität leben können und sich von Trugbildern und Versprechungen nicht blenden lassen.


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Buchdaten:

Titel: White Maze: Du bist längst mittendrin

Autor: June Perry

Gebundene Ausgabe: 376 Seiten

Verlag und Bildrechte: Arena

ISBN-13: 978-3401603728

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

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White Maze

1 KOMMENTAR

  1. Die Story klingt wirklich total spannend, das werde ich mir auf jeden Fall merken! Danke für den Tipp 🙂 Erinnert mich ein bisschen an Mind Games von Terry Terri.

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