♂ Scythe – Der Zorn der Gerechten (Neal Shusterman) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„Der Gedanke, dass die weisesten und mitfühlendsten aller
Menschen auch diejenigen sein sollten, die Leben beendeten, um die Unsterblichkeit
zu kompensieren, war eine perfekte Idee für eine perfekte Welt.“

(S.146)


Citra, die nun eine ausgebildete Scythe ist und sich
Anastasia nennt, hat eine eigene Art entwickelt, ihre Nachlesen durchzuführen.
Sie gibt den Menschen noch Zeit, letzte Dinge zu erledigen, bevor sie
nachgelesen werden. Nicht bei allen Scythe stößt sie damit auf Verständnis,
doch im Endeffekt wird ihr Vorgehen akzeptiert.
Rowan ist die Flucht gelungen. Auch wenn er die Ausbildung nicht
erfolgreich beendet hat, nennt er sich nun Scythe Luzifer. Er hat es sich zur
Aufgabe gemacht, Scythe nachzulesen, die am Töten zunehmend Freude empfinden
und fragwürdige Methoden für die Nachlese anwenden. Und dafür wird er vom Scythetum
gejagt. Bisher konnte es jedoch keinem Scythe gelingen, ihn zu fangen. Zum
ersten Mal gibt er nun einem Scythe die Chance, sein Handeln zu ändern. Doch
war diese Nachsicht ein Fehler?

 

Als sich Anastasia zusammen mit Scythe Curie auf dem Weg zu
einer Nachlese befindet, entgehen sie nur knapp einem Anschlag. Doch wer
trachtet nach ihrem Leben? Wem sind die beiden im Weg? Steckt vielleicht sogar
der abtrünnige Scythe Luzifer hinter diesem Terrorakt? Eines ist zumindest
klar. Das Scythetum verändert sich zusehends und die Kluft zwischen den Lagern
wird immer breiter.
Der erste Band der Reihe „Scythe – Die Hüter des Todes“
hatte mir hervorragend gefallen und ich empfand die umgesetzte Idee als neu und
vielversprechend. Es war also keine Frage, dass ich „Scythe – Der Zorn der
Gerechten“ deshalb auf jeden Fall weiterlesen musste. Meine Freude war deshalb
groß, als das Buch nun endlich bei mir einziehen konnte. Und so stürzte ich
mich dann auch gleich in die Seiten.
Und was soll ich sagen. Man hat ja immer wieder so seine
Befürchtungen, dass man bei einer Fortsetzung vielleicht nicht wieder in die
Geschichte findet. Doch diese Befürchtung war hier bei dieser Fortsetzung
völlig grundlos. Sofort war ich wieder in der Geschichte von Neal Shusterman
gefangen. Die Charaktere und die vorangegangenen Handlungen waren direkt wieder
präsent, so dass ich mich ohne Ablenkung auf die vor mir liegenden Seiten
konzentrieren konnte.
Sowohl Sympathien als auch Antipathien zu handelnden
Personen waren bei mir wieder vorhanden und wurden im weiteren Verlauf mitunter
vertieft. Beeindruckt war ich definitiv von Citra, die sich nun Scythe
Anastasia nennt, dass sie sich ihrer Aufgabe stellt und mehr noch, bei dieser
schwierigen Arbeit noch Menschlichkeit zulassen kann und richtige
Entscheidungen trifft. Dass in Zeiten von Unsterblichkeit ein Gegengewicht in
Form der Scythe vorhanden sein muss, um Überbevölkerung zu vermeiden und damit
Ressourcen zu verknappen, dürfte jedem klar sein. Und doch hinterlässt gerade
das Scythetum einen ethischen Beigeschmack. Denn natürlich sind die Scythe auch
Menschen. Und diese Menschen treffen eine Auswahl zur Nachlese. Doch welche
Kriterien setzt der einzelne an, die einem anderen den Tod bescheren? Und eines
darf man dabei nicht außer Acht lassen – auch Menschen machen Fehler. Doch
trotz dieses Beigeschmacks ist die Idee selbst meines Empfindens nach faszinierend.
Und darüber hinaus hat Neal Shusterman dieses Szenario in einzigartiger Weise
umgesetzt und fesselte mich mit seiner Art, seine Geschichte zu erzählen.
Ich erlebte „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ aus
verschiedenen Perspektiven, erzählt in dritter Person Vergangenheit. Ein
weiterer Punkt, der diese Geschichte aus der Masse heraushebt ist, dass Neal
Shusterman eine künstliche Intelligenz, den Thunderhead, herausragend
präsentiert. Der Thunderhead, ein Supercomputer, der die Geschicke der Menschheit
lenkt, kommt auch immer wieder gezielt zu Wort. Zu beachten ist hierbei, dass
es eine klare Trennung von Scythetum und Thunderhead geben muss, damit das
Gleichgewicht nicht ins Wanken kommt. Doch genau hier liegt ein großes Dilemma.
Auch wenn der Thunderhead spürt, dass ein Eingreifen in die Handlungen der
Scythes einen günstigeren Verlauf ergeben würde, darf dies auf gar keinen Fall
geschehen. Denn damit würde der Thunderhead die Gesetze verletzen. Und doch ist
es dem Autor gelungen, den Thunderhead, also mehr oder weniger eine Maschine,
zunehmend menschlicher wirken und Emotionen zuzulassen. Denn es war mehr als
spürbar, in welcher Sackgasse der Thunderhead steckte.
Wieder einmal hat es Neal Shusterman geschafft, mich mit
seinem Weltentwurf zu fesseln und überraschende Handlungsstränge zu entwerfen.
Auch in ruhigeren Passagen war nicht einmal ein Ansatz von Längen zu entdecken,
vielmehr fühlte ich mich an die Geschichte gebunden und war von den
eingeworfenen Entwicklungen gebannt. Der Autor hat definitiv mit dieser
Fortsetzung ein umwerfendes Gesamtkonstrukt entworfen, dem ich mich kaum
entziehen konnte. Eindeutig konnte „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ das Niveau
des Vorgängers mindestens halten.

 

Natürlich erwartete zum Ende hin ein Showdown gewaltigen
Ausmaßes, der der Geschichte nochmal die Krone aufsetzen konnte. Mit dem von
Neal Shusterman sodann gewählten Ende spielte der Autor dann nochmals kurz auf
dem Emotionsnerv und lässt mich nun mehr als gespannt auf das Finale zurück. Vielen
Dank, lieber Neal Shusterman, für diese meisterhaft umgesetzte Idee!

 

Scythe – Der Zorn der Gerechten“ brilliert mit einer
meisterhaft umgesetzten Idee und einem spannenden Handlungspaket, so dass ich
mich der Sogwirkung der Seiten keinesfalls entziehen konnte. Ich komme deshalb
nicht einmal ansatzweise umhin, für das erlebte Spektakel an der Seite von
Citra die Höchstpunktzahl zu vergeben – verdiente 5 Bücher.
Für alle, die den Tod als Endkonsequenz akzeptieren, dabei
auf Gerechtigkeit vertrauen und sich von Ungerechtigkeiten nicht aus der Bahn
werfen lassen. Für alle Fans des ersten Bandes ist diese Fortsetzung ein
absolutes Must-Read!
1. Scythe – Die Hüter des Todes (Rezension)
2. Scythe – Der Zorn der Gerechten
3. The Toll (Arc of a Scythe #3) – OT

 

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6 KOMMENTARE

  1. Das klingt gut!!
    Ich muss mein aktuelles Buch noch zu Ende lesen und dann mache ich mich an diesen "Schinken". Ich bin sooo gespannt, da ich Band 1 genial fand!
    LG Claudia

  2. Eine sehr gelungene Rezension, die vor Begeisterung sprüht. Wenn ich das Buch nicht schon gelesen hätte, würde ich es sicher an dieser Stelle nachholen.^^ Band 1 fand ich schon gelungen, doch Band 2 hat dies für mich noch getoppt. Der Autor selbst konnte mich mit seiner "Vollendet"-Reihe schon für sich gewinnen und ich bin sehr gespannt, was er noch so für uns schreiben wird. 😉
    Liebste Grüße, Hibi

    • Hallo Hibi,

      dankeschön für dein tolles Lob ☺️ Auch mich konnte der Autor schon mit Vollendet voll für sich einnehmen. Und hier hat er aus meiner Sicht wieder eine Idee klasse umgesetzt 👍🏻

      Ganz liebe Grüße
      Kay

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