♀ Vertrauen und Verrat (Erin Beaty) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„Je mehr Sage über das Verkuppeln lernte, desto mehr bekam
sie den Eindruck, dass es wesentlich zum Erhalt der Nation beitrug.“

(S. 90)

 

„Sie hatte diesen Job aus Verzweiflung angenommen und
stellte ihre Entscheidung häufig in Frage, … Jetzt erkannte sie jedoch, dass
es die beste Entscheidung seit langem gewesen war. Denn es war ein Schritt in
Richtung Freiheit.

(S. 92)

Sage ist eigentlich im heiratsfähigen Alter, aber sie ist eigenwillig, ein Sturkopf
und alles andere als eine Lady, die man vermitteln kann. Sie würde lieber eine
Lehre beginnen und für sich selbst sorgen, um nicht länger ihrem Onkel auf der
Tasche zu liegen. Dennoch bekommt sie die Chance, auf die Hohe Kupplerin
Mistress Rodelle zu treffen – doch das Gespräch endet nicht mit der Zusage,
Sage zum Concordium mitzunehmen, sondern mit einer Anstellung bei der
Kupplerin. Sage soll für diese die Eigenheiten der anderen Teilnehmerinnen
ausspionieren, während sie sich als eine von ihnen ausgibt, um für die Ladys den
perfekten Partner unter dem Adel und den anderen heiratsfähigen Männern zu
finden.
Sage willigt ein, macht sich etliche Notizen zu den Frauen – auch während der
langen Reise zum Concordium, auf der sie alle von einer Truppe Soldaten zum
Schutz begleitet werden. Auch diese sind potentielle Kandidaten für eine
Vermittlung, daher tut hier Sage ebenfalls ihr bestmögliches, mehr über die
Männer herauszufinden – während unter ihnen welche sind, die unbedingt ihre
Geheimnisse beschützen müssen.

Ich durfte dieses Buch weit vorab lesen, kannte außer einer sehr knappen
Inhaltsangabe rein gar nichts über das Buch, weder Cover noch finaler
Klappentext, noch die zahlreichen kritischen Stimmen zum Original (die ich im
Nachhinein gelesen habe), worüber ich sehr froh bin, denn so konnte ich völlig
unbefangen und ohne jegliche (durch das Marketing geschürte) Erwartung an den
Spitzentitel des Frühjahrsprogramm herangehen und war nahezu von der ersten
Seite an gefesselt.

Zu Beginn lernt der Leser Sage kennen, die so gar nicht in dieses historisch
anmutende Setting passt. Statt sich zu kleiden wie eine Lady (die sie mehr oder
weniger geworden ist, nachdem auch noch ihr Vater gestorben und sie zu ihrem
Onkel gezogen ist), trägt sie lieber Hosen, steckt ihre Nase in Bücher, anstatt
die Pflichten einer Ehefrau einzustudieren und kletterte im Kindesalter lieber
auf Bäume.
Aufgrund dieser Eigenarten sollte sie froh sein, die Chance auf einen Ehemann
zu bekommen, die die Connections ihres Onkels möglich machen. Doch das ist sie
so gar nicht das, was sie will – und was man deutlich spürt. Mit dem
Arrangement, das ihr die Kupplerin vorschlägt, kann sie jedoch leben und nimmt sich
der Aufgabe gerne an.

Zeitgleich begleitet der Leser auch eine Handvoll Soldaten, die die Frauen
beschützen sollen, weil es immer stärkere Unruhen jenseits der Grenzen gibt und
bereits einige Truppen ausländischer Soldaten aufgespürt wurden.

Die Soldaten wurden nun dazu abgeordnet werden, eine Horde Frauen zum
Concordium zu begleiten und zu schützen, wo sie endgültig vermittelt werden
sollen. Ehe jetzt Aufschreie kommen: nein, es ist weder sexistisch noch
antifeministisch, sondern durch das historische Setting sogar sehr plausibel.
Hochzeiten werden politisch arrangiert, zukunftsträchtige Verbindungen müssen
geschaffen werden, um zu verhindern, was damals zum großen Krieg geführt hat.
Doch die Arbeit von Kupplerin Mistress Rodelle geht wesentlich tiefer, wie auch
unsere Heldin Sage bald herausfindet. Sie sucht auch nach den persönlichen
besten Verbindungen für „ihre Mädchen“ und stellt es später nur so dar, dass
die Männer „die Wahl“ haben. Also keine Angst.

Während mich Sage mit ihrer Art und ihrer neuen Arbeit als Spionin unter den
Ladys schon bei der Stange hielt, konnte mich der andere Handlungsstrang zu
Beginn noch nicht ganz so begeistern (militärische Strategien und
Entwicklungen), doch das sollte sich beim Zusammentreffen von Soldaten und
Ladys bzw. beim Treffen von „Maus“ und „Star“, den von den Soldaten vergebenen
Codenamen, ändern. Schnell wird klar, dass der Leser selbst angehalten ist,
herauszufinden, wer der unter den teils sehr „berühmten“ Soldaten der Spion
ist, der seinerseits mehr über die Ladys im Erfahrung bringen soll. Dass dies
dann zu romantischen Verwicklungen kommt, kam mir dann sehr entgegen.

Die Lage des großen Trosses spitzt sich immer weiter zu und nun kommen die
wahren Stärken
von Sage zum Tragen und sie wird die Heldin, die man begleiten
möchte, kann ihre Stärken nutzen und sich endlich beweisen.

Die Spannung wird nicht zuletzt durch das Rätselraten angeheizt, das mir
zuletzt ein kleines bisschen zu gewollt wirkte (aber dennoch gut gemacht war!
Wer „Der Kuss der Lüge“ gelesen hat, wird hier ebenso mitraten und mitfiebern)
– doch die toughe Protagonistin und die Interaktionen mit Ash machten so viel
Spaß, dass dies dem Lesegenuss keinen Abbruch tut. Der Spannungsbogen spannt
sich parallel zur Bedrohung durch die Feinde des Landes an und spätestens ab
dem Showdown ist es unmöglich, das Buch zur Seite zu legen.

Das Ende ist vorerst zufriedenstellend, doch natürlich muss ich wissen, wie es
mit Sage und „ihm“ weitergeht.

Mit „Vertrauen und Verrat“ hat Erin Beaty einen gelungenen
Reihenauftakt mit einer toughen Heldin geschaffen, die absolut nicht den
gültigen Konventionen ihrer Zeit entspricht. Rätselraten, einen Hauch
kribbelnder Romantik und Spannung durch die Bedrohung von außen machen das Buch
zu einem echten Highlight, das ich mit verdienten 5 Büchern honoriere.Das Label „Fantasy“ weckt

jedoch völlig falsche Erwartungen, da es außer dem
Setting eines fiktiven Landes (bisher?) absolut unfantastisch ist, sondern sich
eher historisch anfühlt, was auch die Heiratsvermittlung plausibel macht,
weshalb diesbezüglich niemand aufschreien muss.

1. Vertrauen und Verrat
2. Originaltitel: The Traitor’s Ruin (Erscheinungstermin
2018)
3. ?
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14 KOMMENTARE

  1. Halli hallo

    Hier hat man ja schon vorab die ein oder andere Lobeshymne zur deutschen Ausgabe gehört….weshalb es auf alle Fälle auf meiner Beobachtungsliste steht 😉

    Danke für die Info ( Warnung) bezüglich der Fantasy- Aspekte, dass hat mich damals bei " Der Kuss der Lüge" ja so gestört, dass da gewisse Erwartungen geschürt wurden…..

    Trotz deiner 5 Sterne, bleibe ich noch ein wenig vorsichtig….das Buch läuft mir ja nicht davon.

    Liebe Grüsse
    Bea

    • Ich weiß ja nicht, ob in den Folgebänden noch „Magie“ oder etwas in der Art kommen wird, aber bislang war davon nicht ein Funke… ich wäre ja schon sehr neugierig, was du sagst.
      Bei KdL gab es zumindest recht früh die Legenden über Magie und Co. Das war ja zumindest etwas. 🙂

    • Halli hallo

      Hi hi am Freitag im Buchladen nicht wiederstehen können und es spontan gekauft 😉
      Ich lese es jetzt gerade, beziehungsweise kombiniere ich es mit Hörbuch und ich muss sagen bis jetzt mag ich es unheimlich gerne <3

      Irgendwie erinnert es mich vom Feeling her an Bücher wie " Der Kuss des Kjers", " Die Beschenkte" und " Nachtlilie" und bei Sage kam mir spontan Ilse aus " Der Trotzkopf" in den Sinn 😉

      Liebe Grüsse und einen schönen Sonntag
      Bea

    • Ich bin nun fertig und kann sagen es hat mir unheimlich gut gefallen obwohl man ja eigentlich nicht unbedingt durch die Seiten rast 😉
      Tatsächlich mochte ich aber einfach Sage und das ganze Drumherum <3
      Übrigens als das mit Maus aufgelöst wurde musste ich tatsächlich nochmals mehrere Seiten an den Anfang zurückblättern um zu kapieren….;) vielleicht lag es ja auch einfach an der Hörbuchvariante dass ich absolut keine Vorahnung hatte…

      Ehrlich gesagt kann für mich dieses Buch auch gut als Einzelband stehen.

      Liebe Grüsse
      Bea

    • Das stimmt absolut. Mit Maus war nicht so offensichtlich wie bei Kuss der Lüge, daher hat es bei mir auch sehr lange gedauert, bis ich überhaupt darüber nachgedacht habe, wer das sein könnte 😀

      Aber schön, dass es dir auch so Spaß gemacht hat. <3

  2. Hey Steffi,

    ich werde heute mit dem Buch anfangen und bin schon sehr gespannt. Bisher habe ich ja nur positive Rückmeldungen gelesen. 😉
    Aber es ist schonmal gut zu wissen, dass nicht sonderlich viel bis gar keine Fantasybereiche auftauchen. Auch wenn es noch kommt, ist es immer gut zu wissen. Man schießt sich sonst so auf etwas ein. 😉

    Liebe Grüße, Ruby

    • Ich habe das zum Glück erst danach gelesen. Ich hatte das PDF (kommt ja ohne Cover und weitere Dinge) im Oktober bekommen, konnte also komplett neutral rangehen.
      Als dann Inhalt und alles veröffentlicht wurde, dachte ich nur: Fantasy? Hm…

      😀

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