(L) Die Chroniken von Azuhr: Der Verfluchte (Bernhard Hennen) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
„Ich habe einen Troll von hinten erstochen“, sagte Nandus
müde. „Was für ein Ruhm liegt darin?“
„Nur Dummköpfe versuchen einen Troll von vorne zu erstehen.“
Seite 323
Milan Tormeno ist der Sohn des Erzpriesters Nandus und
dessen Erbe. Doch Milan wehrt sich gegen
die Vorbestimmung seines Schicksals, mehr noch, als er auf die Meisterdiebin
Felicia trifft. Sie zeigt ihm die Welt aus der Sicht derjenigen, die sein
Vater mit aller Macht bekämpft. Und dann häufen sich die seltsamen Vorfälle in.
Kreaturen erwachen aus den Schatten, Legenden erhalten Körper aus Fleisch und
Blut. Die Welt Azuhr wandelt sich und die Mären erhalten eine Macht, der die
Menschen vielleicht nichts entgegenzusetzten haben.

Auf den ersten 100 Seiten war ich abgrundtief verwirrt, weil
keine der Personen vom Klappentext auftauchte. Danach versteht man aber, dass
es sich quasi um den Epilog handelte, eine Vorgeschichte, die für das Buch sehr
wichtig war. Es geht um die Stadt Arbora, in der eine schrecklich Krankheit
ausbricht, weswegen der Erzpriester diese Stadt, Lucio Tormeno, eine
schwerwiegende Entscheidung trifft, die seiner Familie noch lange nachhängen
wird.
Der Einstieg war leicht, aber brutal, denn es geht sofort
von null auf hundert und bei den lebhaften Beschreibungen und der spannenden
Handlung, hatte ich nicht nur Gänsehaut, sondern echt Tränen in den Augen!
Dann gibt es einen Zeitsprung von etwa 50 Jahren und jetzt
taucht auch der Protagonist von dem Klappentext auf, Milan Tormeno, Sohn von
Nandus und Enkel von Lucio. Weil sein Vater ihn zwingen will, ebenfalls
Erzpriester zu werden und dafür eine harte Ausbildung im roten Kloster zu
machen, weil er mit Training und Übungen erstickt, will Milan den Namen seines
Vaters in den Dreck ziehen. Als Krähenmann, eine Märengestalt, verkleidet unterbricht er die Messe seines Vaters und stielt ein wertvolles Objekt. Die
Flucht gelingt ihm nur knapp und verletzt. Ausgerechnet jetzt läuft er der
Diebin Felicia und ihrem Gefährten Rainulf in die Arme. Die Beiden kidnappen
ihn kurzerhand und nehmen ihm das Objekt ab.
Als sie aber den Hintergrund seiner Tat erfahren und wer er ist, lassen sie ihn wieder frei. Felicia gefällt der junge Priestersohn und sie
wittert eine Chance, ihre Ziele durch ihn schneller zu erreichen. Denn Felicia
ist eine Schwertherzogin und ihr Volk liegt mit dem Milans in einem erbitterten
Kampf, der jedoch schon fast verloren scheint, weil die Armee der Liga mit
Milans Vater zum letzten Schlag ausholt.
Die Charaktere sind in dieser Geschichte schwer zu
durchschauen. Für Milan ist sein Vater der unterbitterliche Böse, aber nach dem
Ende des Buches war ich mir da gar nicht mehr so sicher. Milan selbst wirkt
mal wie ein verliebter Knallkopf, dann wieder wie jemand, der das Zeug zum
Helden hat. Rainulf, der Bogenschütze, ist ein knurriger Robin Hood und dann
ist da noch Nox, eine geheimnisvolle Konkubine, die sehr viel mehr ist, als man
auf den ersten Blick glaubt.
Der Aufbau der Protagonisten macht auf jeden Fall Lust auf
mehr und in einem zweiten Band könnte das Ganze noch ziemlich grandios werden.
Was ich unheimlich cool an dieser Geschichte fand, war die
ganze Mythologie und all die Bezeichnungen und Hintergründe. Ein Schiff namens „Atem
des Himmels“, eine Spionin, die den Weißen Tigerinnen angehört, eine legendäre
Königin, die ihrem Volk in höchster Not zu Hilfe eilen soll, Märgestalten, die
plötzlich lebendig werden, eine Silberprinzessin, die ein Ungeheuer liebt.
Sowas macht für mich richtig gute High Fantasy aus!
Was mir leider gar nicht gefallen hat, war der „Game of
Thrones Einfluss.“ Damit meinte ich nicht, dass irgendwie die Story ähnlich
war, überhaupt nicht, sondern unnötige Gewalt, zu viel Sexkram und einfach abstoßende Szenen. Bei
einer Stelle ist mir wirklich einfach nur noch schlecht geworden, als eine Figur
Fäkalien essen sollte. Tut mir Leid, aber sowas brauche ich wirklich nicht in
Geschichten. Klar gehört auch Sex dazu, aber in dem Maß, wie es in dieser
Geschichte war, war es mir echt zu doof. Das ist allerdings auch mein einziger
großer Kritikpunkt, neben der Handlung zu einer Figur, die ich super schade
fand.
Ich wollte dem Buch eigentlich drei Bücher geben, aber die
letzten 200 Seiten haben mich so mitgerissen, dass es doch vier werden. Was
genau hier passiert, kann ich euch leider nicht spoilerfrei sagen, aber ich
freue mich riesig auf den zweiten Teil und bin super gespannt, was passieren wird.
„Es gibt sie! Ich weiß nicht, warum sie plötzlich da sind,
aber sie sind nicht mehr nur in unseren Köpfen. Sie sind daraus ausgebrochen“
Seite 359
„Die Chroniken von Azuhr: Der Verfluchte“ ist ein guter Auftakt zu einer Reihe, von der ich mir sehr viel
erhoffe! Interessante Charaktere und eine noch spannendere Welt, in der Mären
lebendig werden. Grausamkeit und Sexgedöns schmälern das Ganze ein bisschen,
nichtsdestotrotz gibt es von mir vier Bücher und ich hoffe sehr auf Band II.

Die Chroniken von Azuhr Band I – Der Verfluchte
Die Chroniken von Azuhr Band II – Die weiße Königin

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