♂ Nevernight – Die Prüfung (Jay Kristoff) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

Zitat:

„Sie nahm die angebotene Hand, und er zog sie aus dem Staub.
Ihr Mund war trocken, ihr Herz klopfte. Mordlust und Begierde pulsierten noch
durch ihre Adern.“

(S.145)

Inhalt:

Mia Corvere, ein sechzehnjähriges Mädchen, sinnt auf Rache.
Rache an den Mördern ihres Vaters, die ihn vor Jahren erhängt haben. Dieselben
Menschen haben ihre Mutter und ihren Bruder in ein lichtloses Verlies gebracht
und wollten Mia ertränken. Mia lebt nur noch für den Plan, diese Leute zu
töten. Alles richtet sie darauf aus. Doch dafür benötigt sie die Hilfe der
Roten Kirche. Hier werden die gefährlichsten Assassinen überhaupt ausgebildet.
Doch nicht jeder schafft es, die Ausbildung zu überstehen. Doch vor allem muss
Mia erst einmal den Ort finden, an dem sich die Rote Kirche befindet. Sie macht
sich auf den Weg, nimmt viele Strapazen auf sich. Unterwegs trifft sie auf
Tric, der ebenfalls auf dem Weg zur Roten Kirche ist. Gemeinsam schlagen sie
sich durch und entgehen nur knapp dem Tod. Doch damit sind die weiteren
Gefahren noch lange nicht gebannt.

Meinung:

An „Nevernight“ scheiden sich irgendwie die Geister. Einige Leserinnen
und Leser sind von der Geschichte hellauf begeistert, bei anderen war eher die
Enttäuschung recht groß. Nachdem ich auch schon um die Geschichte
herumgeschlichen bin, wurde es deshalb Zeit, mir eine eigene Meinung zu bilden.
Da das Buch bereits im Regal darauf wartete, gelesen zu werden, konnte ich nun
gleich zugreifen und stürzte mich in die Seiten.
Jay Kristoff fackelte dann auch gar nicht lange und warf
mich regelrecht in seine Geschichte. Ehrlich gestehen muss ich, dass ich mich
anfangs allerdings auch nicht unbedingt leichtgetan habe, meinen Weg in der
Geschichte zu finden. Der auf mich etwas provokant aggressiv wirkende Schreibstil,
der jedoch immer eine Prise Humor enthielt, verlangte vorerst eine gewisse
Eingewöhnungsphase von mir ab. Hinzu kamen die vielen enthaltenen Fußnoten, die
zumindest zu Beginn immer wieder für Unterbrechungen meines Leseflusses
sorgten, doch nach und nach eine immer wichtigere Rolle in der Geschichte
spielten. So erhielt ich viele Erklärungen, die zwar nicht immer wichtig für
den Fortgang der Geschichte waren, dennoch interessante Informationen für mich
enthielten. Und nach einer Weile fühlte ich mich auch nicht mehr hiervon
gestört, es gelang mir vielmehr, genau dies in meinen Leseablauf einzubauen und
die Geschichte zunehmend zu genießen. Zugegebenermaßen muss man sich mit diesem
Stil arrangieren, ansonsten könnte die Lesefreude leiden.
Ein Erzähler präsentiert Jay Kristoffs Idee in dritter
Person Vergangenheit, nutzt dabei hauptsächlich die tragende Perspektive von
Mia. Hierdurch fühlte ich mich jederzeit gut Informiert, was Mias Handeln
anbelangt und konnte sehr gut mit ihr mitfühlen. Dem Autor ist es wirklich gut
gelungen, bei der Erzählung Sequenzen der Vergangenheit mit der aktuellen
Handlung zu verknüpfen. Mehr und mehr verstand ich nun Hintergründe und konnte
sehr gut in die von Jay Kristoff kreierte Welt eintauchen.
Seine Charaktere sind dem Autor hervorragend gelungen. Vorstellbar,
unverwechselbar, prägnant. Nicht nur Mia war mir während des Lesens bildlich
präsent, auch von allen anderen hatte ich immer meine Vorstellungen. Auch die
Interaktionen untereinander wirkten glaubhaft und nachvollziehbar. Wobei man
hier anmerken muss, dass die Geschichte sicherlich nichts für leicht zu
strapazierende Gemüter ist. Sowohl Kampf- als auch Szenen mit sexuellem
Hintergrund enden nicht mit Andeutungen, sondern man ist von Anfang bis zum
Ende, mit ALLEM, was dazugehört, dabei. Dabei schafft es der Autor in
beeindruckender Weise, weder pornografische noch masochistische Eindrücke zu
hinterlassen. Konsequent behält er seine Geschichte im Lauf und entfachte ein
ums andere Mal meine Neugierde auf den weiteren Fortgang auf Neue.
Ich muss auf jeden Fall gestehen, dass Jay Kristoff mich mit
seinem Weltentwurf begeistern konnte. Langeweile kam für mich an keiner Stelle
auf und abgesehen von meinem kleinen holprigen Start konnte mich die Geschichte
förmlich einsaugen und ich fieberte den Entwicklungen entgegen.
Mia empfand ich als charakterstarke Protagonistin, die immer
ihr Ziel vor Augen hat, dennoch ihr Gewissen nicht ausschalten kann. In einer
Welt, in der sie mit gegenüber Gewalt und Mord völlig gleichgültig reagierenden
Menschen konfrontiert ist, gelingt ihr die Anpassung ohne dabei ihre Ideale
aufzugeben.

Natürlich hat es Jay Kristoff sich nicht nehmen
lassen, der Geschichte zu den finalen Ereignissen hin nochmals einen enormen
Showdown zu verpassen, der zu einem für mich definitiv nachvollziehbaren Ende
geführt hat. Nachdem ich mir nun eine eigene Meinung zu „Nevernight“ bilden
konnte und es mir wirklich gut gefallen hat, freue ich mich auf jeden Fall
schon auf die Fortsetzung!

Urteil:

In „Nevernight: Die Prüfung“ werden keine Handlungen
beschönigt, sondern von Anfang bis zum Ende mit allen dazugehörenden Dingen
beschrieben, diese wirken dabei definitiv nicht überdetailliert sondern
verleihen der Geschichte einen gefühlten Wahrheitsgehalt. Meine mit Mia
erlebten Prüfungen belohne ich nach kleinen Startproblemchen deshalb mit
wirklich sehr guten 4 Büchern.
Für alle, die sich beim Lesen von vielen Charakteren
verabschieden können, dabei gewaltsame Entwicklungen wegstecken können und
unvorhersehbare Überraschungen verkraften.

Die Reihe:

1. Nevernight: Die Prüfung
2. Nevernight: Das Spiel (ET 26.04.2018)
3. Ohne Titel (The Nevernight Chronicle #3)
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13 KOMMENTARE

  1. Hallo Kay,

    auf deine Meinung zu diesem Buch war ich ja schon neugierig, da wir es ja fast zeitgleich begonnen hatten zu lesen.

    Insgesamt kann ich deiner Meinung zustimmen und habe beim Lesen ähnlich empfunden, wie du. Allerdings mit dem Unterschied, das ich keine Einstiegsprobleme hatte 🙂

    Der Weltenentwurf und besonders Mia konnten mir hier überzeugen und ich freue mich auf jeden Fall sehr auf den 2. Band dieser Trilogie.

    Liebe Grüße,
    Uwe

    • Hallo Uwe,

      ich freue mich, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat. Es war schon eine besondere Welt, die der Autor hier kreiert hat. Ich hoffe, dass viele Leute zu diesem Buch greifen werden. Ich bin auf jeden Fall schon sehr auf die Fortsetzung gespannt ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

  2. Ach Gott, ich schleiche schon so lange um dieses Buch herum. Es interessiert mich einfach WAHNSINNNIIIIIIIIGGGGG <3 *.*

    ich musste jetzt über den Schluss Satz von dir echt lachen "Für alle, die sich beim Lesen von vielen Charakteren verabschieden können, dabei gewaltsame Entwicklungen wegstecken können und unvorhersehbare Überraschungen verkraften."

    es klingt etwas nach mir, wobei ich es manchmal nicht gut verkrafte wenn Autoren Protas sterben lassen. Aber ich glaube ich muss mir jetzt wegen dir ein paar Bücher bestellen hahahaha

    xo
    Christl

    • Hallo Christl,

      oh, danke für die Blumen 😂 Wenn man in die Geschichte gefunden hat, muss man das ein oder andere Mal auch leiden, was ich aber hier nicht negativ meine. Welche Bücher hast du denn bestellt? *neugierig*

      Liebe Grüße
      Kay

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