♂ Ödland – Der Keller (Christoph Zachariae) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„Sie freute sich auf die Ruhe, auf die Kühle ihres Bettes,
auf das Alleinsein. Auf die Welt, in der sie grausame Herrscherin und letzte
Verdammte war. Die Welt ihrer Träume.“

(S.63)
Die Katastrophe hat alles verändert. Die Zivilisation
existiert praktisch nicht mehr. Hunger und Entbehrungen lassen die Menschen
verrohen, marodierende Söldner ziehen durchs Land. Vergewaltigungen und Morde
gehören zum Alltag. An jeder Ecke lauert der Tod.

Doch es gibt sie. Kleine Gemeinschaften – Enklaven – inmitten
einer Welt aus Gewalt. Auch hier ist das Überleben schwierig, es mangelt an
allem. In so einer Enklave lebt auch Mega. Als kleines Mädchen fand man sie vor
der Tür, die Gemeinschaft hat sie aufgenommen. Mittlerweile ist Mega zu einer
jungen neunzehnjährigen Frau herangewachsen. Die Ressourcen in der Enklave
schrumpfen zusehends. Es ist Zeit zum Handeln, der Kontakt zu anderen
Gemeinschaften ist unbedingt erforderlich, um Notwendiges eintauschen zu
können. Mega wird mit der Suche beauftragt. Bisher ist jeder daran gescheitert.
Doch sie stellt sich der Aufgabe, nichtahnend, welchen Schrecken sie auf ihrem
Weg ausgesetzt sein wird.

Auf „Ödland“ bin ich durch einen Hinweis des Autors gestoßen.
Nachdem ich mir das Buch dann etwas genauer im Internet angeschaut hatte, wurde
ich neugierig auf die Geschichte. Und so habe ich das Buch kurzerhand bestellt
und nach etwas Liegezeit in meinem Regal griff ich dann nach der Geschichte.
Die ersten Seiten versprachen dann auch gleich spannende
Unterhaltung. Auch wenn nicht speziell geklärt wurde, welche Katastrophe zu den
nun herrschenden Zuständen führte, doch die Umstände konnte ich gut
akzeptieren.
Kurze Zeit später traf ich dann auf Mega, die seit ihrer
Kindheit in einer Enklave in den Kellern unter einer Universität lebt. Die
Protagonistin war mir auch von Beginn an sympathisch, man spürte gleich, dass
sie einen starken Willen hatte. Natürlich war die Umgebung in den Kellern
hinsichtlich ihrem Naturell kontraproduktiv, doch hatte sie sich gut in die
Gemeinschaft eingegliedert. Die Gemeinschaft konnte sich auch bisher recht gut
selbst versorgen. Doch langsam gehen die Ersatzteile aus. Die
Wiederaufbereitung des Wassers ist in Gefahr. Wenn es nicht gelingt, diese dauerhaft
zu bewerkstelligen, ist das Leben aller in der Gemeinschaft in Gefahr. Die
einzige Möglichkeit, diese Gefahr zu bannen, ist der Handel mit anderen
Enklaven. Aber diese muss man erst einmal finden, der Weg durch das Ödland ist
gefährlich.
Christoph Zachariae steckt spürbar Herzblut in seinen
Weltentwurf, nutzt für die Erzählung verschiedene Sichten in dritter Person
Vergangenheit. Oftmals hatte ich beim Lesen aber auch das Gefühl, dass der
Autor mit Macht zu viel wollte, dabei mitunter ungewollt den Weg einer
statischen Erzählweise beschritten hat. Gewöhnen musste ich mich daran, dass
zumindest anfangs Handlungen nicht immer spürbar ineinanderflossen und so die
aktuelle Perspektive nicht unbedingt auf Anhieb erkennbar war. Dazu ist mir aufgefallen,
dass immer mal wieder Vergleiche mit Dingen angestellt werden, die manchen
gerade handelnden Charakteren aufgrund ihres Alters nicht bekannt sein dürften.
Ansonsten empfand ich den Schreibstil grundsätzlich flüssig. Auch die dem Genre
entsprechenden Gewaltszenen waren eindeutig kein Stolperstein, sondern rundeten
das Gesamtwerk entsprechend ab.
Im Laufe der Geschichte habe ich mich dann an die
Eigenheiten gewöhnt und es gab keine Ablenkung mehr. Jetzt hatte mich der Autor
auf seine Seite gezogen. Gespannt las ich die Seiten, wollte mehr erfahren. Nach
anfangs noch zeitweilig aufkommenden Längen, war ich nun gefangen in den
Entwicklungen, der Spannungspegel stieg deutlich an. Ich bin mir ziemlich
sicher, dass Christoph Zachariae nun, nachdem der Einstieg in die Geschichte gemeistert
war, in den Folgebänden sicherlich eine konstante Linie finden wird, die
begeistern kann. Ein entsprechendes Potential ist in der Idee des Autors
eindeutig vorhanden, auch wenn dies in diesem ersten Teil noch nicht
vollständig entfaltet werden konnte.

Mit dem hier gewählten Ende macht der Autor definitiv Lust
darauf, sofort zur Fortsetzung zu greifen. Auch ich bin nun schon gespannt
darauf, welche weiteren Abenteuer auf Mega warten werden, ob und wie sie die
Gefahren überwinden wird. Definitiv sollte man der Geschichte eine Chance
geben.
Ödland“ ist ein solider Auftakt der Reihe, der trotz
kleiner Schwächen durchaus zu begeistern weiß. Die sympathische Protagonistin
in Verbindung mit einer gut verarbeiteten potentialträchtigen Idee sind mir auf
jeden Fall wirklich gute 3 Bücher wert.

Für alle, die sich von den Schrecken einer
postapokalyptischen Welt nicht abhalten lassen, dabei Entbehrungen ertragen
können und ihr Handeln zum Wohle der Gemeinschaft ausrichten.
1. Ödland – Der Keller
2. Ödland – Das Versteck im Moor
3. Ödland – Die Fabrik am Fluss

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