♀ Wintersong (S. Jae-Jones) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Wenn der Winter kommt, braucht der Erlkönig eine neue Braut,
um wieder Kraft zu schöpfen und den Frühling zu bringen.

Die Sage rund um den Koboldkönig kennen Liesl und ihr Bruder
Josef nur allzu genau, schließlich haben sie früher immer im Koboldhain im Wald
mit dem Erlkönig gespielt. Als sie jedoch groß sind und plötzlich Liesls
Schwester geraubt wird, weigert Liesl sich, das Schicksal zu akzeptieren und
macht sich auf den Weg, ihre Schwester zu retten.
Das Cover und der Klappentext machten mich von Anfang an
neugierig auf dieses Buch und ich konnte es kaum erwarten, es endlich in den
Händen zu halten.
Der Einstieg klappte dann sehr flott, auch wenn ich bereits
spürte, dass diese Geschichte anders ist als erwartet. Der Winter naht und mit
dem Oktober stirbt das alte Jahr und der Erlkönig sucht sich eine neue Braut.
Ausgerechnet an diesem Tag müssen die unscheinbare Liesl und ihre hübsche
Schwester Käthe in die Stadt, um das Instrument für ihren musikalisches-Wunderkind-Bruder
Seppl zu holen. Es folgt die erste verwirrende Szene auf dem Markt, in dem
Realität und Fantasie scheinbar vermischt sind und die Ich-erzählende
Protagonistin Liesl nicht mehr weiß, was wirklich geschehen ist. Bis ihre
Schwester dann tatsächlich verschwunden ist und es nur eine Lösung gibt: Der
Koboldkönig hat sie geholt und Liesl will, nein, MUSS sie retten.
Zunächst muss gesagt werden, dass die Geschichte in
Süddeutschland spielt und die Namen angemessen für jenes historisch angehauchte
ländliche Bayern sind und auch im Original so zu finden sind – auch wenn sie
mich anfangs doch zumindest kurzfristig irritiert haben.
Zur Protagonistin selbst konnte ich schwer eine Beziehung aufbauen, ihre
Entwicklung jedoch ist deutlich spürbar und mit der Zeit gewinnt sie auch ein
wenig an Sympathie, auch wenn die Distanz zwischen uns bis zum Ende hin vorhanden
war. Auch die Dynamik zwischen den Figuren, die Beziehung der Geschwister und
die zum Erlkönig, dem sie in die Unterwelt folgt, verändert sich im Laufe
dieses ersten Bandes.
Der Schreibstil von S. Jae-Jones ist teils sehr blumig, lyrisch
und poetisch. Oftmals gleitet man über die Seiten und bleibt dann wieder an
fantastischen Details hängen. Die Erzählweise ist sehr musiklastig (das Glossar
für die Begriffe ist im Anschluss an das Buch zu finden).
Gleich zu Beginn fällt auch auf, dass WinterSONG
wortwörtlich gemeint ist, denn das Buch beginnt mit der Ouvertüre anstatt eines
Prologs und das Thema zieht sich durch. Was für Klassikfans, Geigen- oder
Klavierspieler vermutlich das gewisse Etwas, das Besondere an diesem Buch ist,
war für mich mit der Zeit eine Qual. Episodenweise flog ich über Seiten mit
Anleitungen zum Spiel, zum Komponieren, über das Stimmen der Geige usw., was
mich deutlich von der Hauptgeschichte abhielt und die sich so teilweise
wirklich zog.
Ich als jemand, der den Erlkönig in der Schule noch lernen
musste (und ihn bis heute sogar noch einigermaßen kann, wie ich festgestellt
habe), mochte die kühle, düstere Stimmung des Buches wirklich gerne, sie passt
zu dem, was ich mit „Erlkönig“ verbinde. Was mich aber extrem störte, war das
Wort Koboldkönig, was für mich einfach nicht zu der Legende über den teils
grausamen Elfenkönig passte. Bei einem „Kobold“ fiel es mir schwer, irgendeine
Art von Beziehung aufzubauen, auch wenn die Protagonistin von seinem Aussehen
schwärmt, und so bekam ich nie ein richtiges Bild vom Erlkönig, das nichts mit
hässlichen Kobolden zu tun hat. Auch die Zofen Zweig und Distel klangen für
mich von der Beschreibung eher nach Nymphen/Waldelfen.

Die Liebesgeschichte war für mich auch nie wirklich
greifbar. Mit der Ankunft in der Unterwelt hat sich Wintersong sehr nach „Beauty
and the Beast“ angefühlt, doch war der Erlkönig viel distanzierter,
verletzender (oder so kam es bei mir zumindest über Liesl an) als das Biest und
so konnte ich auch darüber keine positiven Assoziationen wecken. So konnte mich
das emotionale Hin und Her, das Zueinanderfinden über die Musik nie wirklich
packen, wie es andere überzeugt hat und überzeugen wird. So war für mich das
Ende auch nicht so, wie es die Autorin sicherlich geplant hat, um dem nächsten
Band entgegenzufiebern.

Meine Erwartungen an „Wintersong“ waren hoch, vermutlich zu
hoch. Dem Buch liegt eine tolle Idee zugrunde, die sicherlich – vor allem –
Klassikfans lieben werden, doch für mich war es einfach nicht das richtige. Ich
konnte nur schwer eine Beziehung zu den Figuren herstellen und daher fehlte es
mir eindeutig an Emotionen beim Lesen. Für mich bedeutet das knappe drei Bücher
für Liesl und den Erlkönig. Doch ich bin überzeugt, dass das Buch sehr viele
begeisterte Leser finden wird.  
1. Wintersong
2. Originaltitel: Shadowsong

Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.
Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:
*wir haben noch keine weiteren Meinungen gespeichert*
Ihr habt das Buch ebenfalls rezensiert?
Packt uns gerne den Link in die Kommentare.

20 KOMMENTARE

  1. Hi!
    Das Buch ist mir bei den Neuerscheinungen aufgefallen, aber ich wollte erst mal abwarten, wie die Leserstimmen dazu sind. Schade, dass es dir nicht gefallen hat. Es klang sehr vielversprechend und ich denke, dass die Punkte, die dich gestört haben, mich auch runterziehen würden beim lesen.

    Viele liebe Grüße!
    Ani

    • Ich hatte halt echt sehr hohe Erwartungen an das Buch, weil ich viele Meinungen zum Original kenne. Aber ich glaube das fürs Original so “fremde” bayrische Setting wirkt im
      Deutschen einfach nicht so und da ging viel verloren :-/

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

  2. Halli hallo

    Ich weiss noch als ich damals das englische Cover gesehen habe dachte ich nur Wow <3 und der Klappentext klang auch nicht übel.
    Umso mehr freute ich mich als ich es auf deutsch bei den Neuerscheinungs- Posts entdeckte.
    Tatsächlich war bei mir nach der Leseprobe aber schon klar…nee, nicht Meins und du bestätigst mich jetzt gerade, das meine Entscheidung richtig war!

    Liebe Grüsse
    Bea

  3. Huhu Steffi,

    ich hatte das Buch kurz nach Erscheinen im Original gekauft. Mir war gar nicht klar, dass vom Setting her sogar in Deutschland spielt! Schade, dass es nicht so ganz dein Fall war. Die zunehmend schlechteren Rezis nach Release haben mich bisher auch abgehalten, es zu lesen.

    Na mal sehen, vielleicht ist mir irgendwann danach 🙂

    Liebe Grüße
    Tina

    • Ich bin mir fast sicher, dass hier so einiges durch die Übersetzung verlorenging, was im Original so "besonders" gemacht hat. Vielleicht gefällt es dir daher doch ganz gut, wenn du das Original liest.
      Bisher kenne ich die wirklich begeisterten Meinungen tatsächlich nur von Lesern des Originals, also muss da was dran sein 😀

      Lies es, jetzt bin ich doch neugierig. 🙂

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

  4. Hallo Steffi,

    gerade dazu ging meine Rezi online und als ich auf der Suche nach weiteren Rezis war, die ich verlinken wollte, bin ich auf deine gestolpert. Ich hoffe es ist für dich ok, wenn ich deine Rezi bei meiner verlinkt habe. Und ich kann dir absolut zustimmen.

    Auch ich habe mich total auf das Buch gefreut und meine Erwartungen waren ziemlich hoch. Einfach weil die Geschichte so anders klingt. Und den Einstieg mochte ich auch total. Ebenso die erste Hälfte des Buches, dann verlor aber die Geschichte an Fahrt und plätscherte für mich nur so dahin. Auch über den Erlkönig selber hätte ich mir mehr gewünscht, gerade weil er schon irgendwie ein interessanter Charakter war :/

    Sehr schade.

    Ich lass mal meine Rezension da, falls du sie verlinken möchtest 😉

    http://catas-welt.blogspot.de/2018/02/rezension-wintersong-von-s-jae-jones.html

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende 🙂
    Caterina

  5. Hallöchen 🙂

    Ich hab erst vor kurzem meine Rezension zu diesem Buch online gestellt. Mir war schon von der ersten Seite an klar, dass es wirklich ein eigenartiges Buch ist… Ich wusste echt nicht, was ich von dem Buch halten soll und hatte sogar ganz überlegt, eine Bewertung auszulassen 🙂
    Ich versteh dich, wenn du meinst, dass die Liebesbeziehung zwischen den beiden nie wirklich greifbar war.

    Liebe Grüße

    Alisia

    • Irgendwie war meine Erwartung nach den euphorischen Meinungen zum Original auch gigantisch. Entweder ist bei der Übersetzung wirklich total viel verloren gegangen oder wir haben einen ganz anderen Geschmack 😀

      Liebe Grüße

      Steffi

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here