♂ Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken (John Green) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.

„In die Augen kann man jedem schauen. Aber jemand zu finden,
der dieselbe Welt sieht, ist ziemlich selten.“

(S.14)

Aza und ihre beste Freundin Daisy unternehmen schon die
ersten Schritte, sich zu orientieren, wo sie später einmal studieren werden.
Daisy arbeitet neben der Schule her und versucht, Geld zur Seite zu legen. Als
ein Milliardär verschwindet und eine hohe Belohnung ausgesetzt wird, entscheiden
die beiden Freundinnen, auf die Suche zu gehen und die Belohnung zu bekommen.
Aza kennt den Sohn des Milliardärs, Davis, von früher. Aza und Daisy nehmen mit
einem Trick Kontakt zu Davis auf und in der Folge kommen sich Aza und der
Milliardärssohn näher. Aza versucht nun fortan, ihre Gedanken und Gefühle in
den Griff zu bekommen, muss dabei aber immer wieder erschreckt feststellen,
dass es schier unüberwindbar ist, ihrer Gedankenspirale zu entkommen.
Der Name John Green ist sicherlich vielen Leserinnen und
Lesern ein Begriff. Nachdem nun „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ erschienen
war, konnte auch ich mich nicht mehr entziehen und war neugierig, was mich
erwarten würde.
Schon nach kurzer Zeit im Buch konnte ich dann erfahren,
dass die Protagonistin Aza riesige Probleme hat. Sie war zwar gut in der
Schule, hatte eine beste Freundin, scheinbar ein fast normales Leben. Ihren
Vater hatte sie allerdings vor Jahren verloren und so lebt sie nun allein mit
ihrer Mutter. Soweit kommen die beiden also im Leben klar. Und doch sind da
diese immerwährenden Gedanken und Zwangshandlungen, denen sie sich einfach
nicht entziehen kann. Angefangen von der Marotte, eine Wunde an der Fingerkuppe
immer wieder zu öffnen bis zu ihrer Phobie vor Bakterien usw. Dass es sich in „Schlaft
gut, ihr fiesen Gedanken“ nicht um eine normale Geschichte handeln würde, hatte
ich erwartet. Doch hier wurde ich allein schon vom Einstieg entsprechend
überrascht und konnte nicht erahnen, was noch folgen sollte.
John Green wählte für die Darstellung seiner Geschichte die
Ich-Perspektive von Aza in Vergangenheitsform. Und doch gelang es ihm hiermit
nicht vollends, mir durchgehende Nähe zu Aza zu verschaffen. Eine gewisse
Distanz zwischen mir und der Protagonistin zog sich damit durch die gesamte
Geschichte.
Zugegeben, mit den für Aza gewählten Eigenschaften sollte
womöglich keine 0815-Protagonistin geschaffen werden, was im Endeffekt auch
gelungen ist. Doch die sie überwältigenden Zwangsneurosen und Gedanken waren
mir stellenweise schlichtweg too much. Dazu kommt, dass die Geschichte in
großen Teilen einfach nicht voranschreiten wollte und ich das Gefühl bekam,
Entwicklungen nicht mehr verspüren zu können.
John Green verwendet bei in der Geschichte enthaltenen
Handlungen zum Teil wirklich wunderschöne Metaphern, lenkt dabei die
Aufmerksamkeit aber auch oftmals auf Nebensächlichkeiten, die dann nicht nur im
Ansatz Längen entstehen ließen. Die Charaktere sind grundsätzlich vorstellbar
beschrieben und hinterließen entsprechende Bilder. Dennoch fühlte sich auch
hier so manche Charakterhandlung etwas unecht an. Herausstechend und prägnant
empfand ich hierbei noch Azas beste Freundin Daisy, die grundsätzlich eine
natürliche und erlebbare Haltung entwickelte. John Green ist es aber definitiv auch
gelungen, den Alltag der psychisch kranken Aza erlebbar zu beschreiben.

Der Schreibstil von John Green ist flüssig und
überwiegend gut zu lesen, wobei ich mir vorstellen könnte, dass neben mir ggf.
auch andere Leserinnen und Leser Gewöhnungsprobleme bekommen könnten. Die
Geschichte selbst konnte ich in großem Maß genießen und einige Eindrücke
wirkten auch noch über das Ende der Geschichte hinaus nach, das wie erwartet
auch alles andere als einfach und gewünscht „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“
abschließt.

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist alles andere als eine
normale Geschichte, beschreibt dabei psychische Probleme und Zwänge nahezu
erlebbar. Meine Lesestunden mit der Geschichte sind mir auf jeden Fall sehr
gute 3 Bücher wert.

Für alle, die ihren inneren Zwängen widerstehen wollen,
dabei meist Hilfe akzeptieren und doch ihren Weg im Endeffekt allein finden
müssen.

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Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:

Papier und Tintenwelten (Rezension)
Ruby-Celtic testet (Rezension)
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12 KOMMENTARE

  1. Guten Morgen Steffi,

    hach. Nach deiner Rezension bin ich doch irgendwie erleichtert. Ich hab in den letzten Tagen auf Twitter immer mal wieder mitbekommen, dass der ein oder andere wohl einige Probleme mit dem Buch hat.
    Ich denke das liegt oftmals an den eigenen Erwartungen, schließlich hat John Green ja schon wirklich tolle Geschichten veröffentlicht.
    Hm.. ich denke das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, trotz seiner Ecken und Kanten, die du hier beschreibst.

    LG
    Anja

  2. Hallo lieber Kay,

    ich habe das Buch auch gelesen und vergebe ebenso 3 Sterne. Es ist ein komplexes Buch, welches ein sehr wichtiges Thema anspricht. Ich bin leider nur sehr schwer reingekommen, wenn ich auch trotz allem sehr viel mit rausgenommen habe. 🙂

    Liebe Grüße, Ruby

    • Hallo Ruby,

      du hast mit deinen Worten meine Empfindungen wirklich gut zusammengefasst. Es hat mir schon gefallen, aber es war für mich nicht richtig rund. Dennoch eine tolle Erfahrung ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

  3. Guten Morgen 🙂
    Schade, dass es dich nicht zu 100% überzeugen konnte. Ich werde das Buch auf jeden Fall auch noch lesen und bin schon sehr gespannt darauf!
    Schönen Sonntag euch <3

    • Hallo Binzi,

      auf jeden Fall konnte ich einiges aus der Geschichte mitnehmen, sie hat nachgewirkt. Ich wünsche dir dann ganz viel Lesespass mit Aza, bin auf deine Meinung gespannt <3

      Liebe Grüße
      Kay

  4. Hallo Kay,
    schade, dass dir das Buch nicht so gut gefallen hat. Deine negativen Aspekte, insbesondere, dass du dich nicht so gut mit Aza anfreunden konntest, kann ich verstehen. Ich hatte, zumindest am Anfang, auch arge Schwierigkeiten mit ihr, was im Gegensatz zu dir, aber bei mir zum Glück irgendwann verschwand.
    Allgemein hallt die Geschichte echt noch ziemlich lange nach und ich empfinde sie auch als etwas Besonderes.

    Ich hoffe, es ist okay, dass ich eure, bzw. deine Rezension bei mir verlinkt habe?
    Alles Liebe
    Kitty

    • Hallo Kitty,

      es freut mich, dass du dich mit der Geschichte mehr identifizieren konntest, sie hat es auch verdient ☺️ Du hast auch recht, sie ist etwas besonderes. Und ich hoffe, dass sie noch viele weitere Leserinnen und Leser begeistern kann. Verlinkung ist ok 👍🏻

      Ganz liebe Grüße
      Kay

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