♀ Das Lied der Krähen (Leigh Bardugo) [Rezension]

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„Sechs Menschen, aber eintausend Möglichkeiten, wie
dieser wahnwitzige Plan schiefgehen könnte.“
(S. 452)

Kaz Brekker wird von allen nur Dirtyhands genannt. Unter
diesem Namen ist er berühmt geworden, berüchtigt für seine Unbarmherzigkeit als
rechte Hand des Bandenchefs der Dregs, einer der vielen üblen Gangs im Barrel
von Ketterdam. Nachdem er wieder einmal sein taktisches Geschick und seine
Genialität unter Beweis gestellt hat, wird ihm ein Angebot unterbreitet, das
sein Leben ändern könnte: Er soll einen Gefangenen aus der bestgesichertsten
Anlage der bekannten Welt befreien.
Ein solches Unterfangen gelingt nicht einmal Dirtyhands
allein – und so stellt Kaz eine explosive Gruppe zusammen. Jeder von ihnen mit
ganz eigenen Intensionen und Hintergründen, Träumen und Ängsten. 
Leigh Bardugo begeisterte mich vor Jahren mit ihrer
russisch-angehauchten High Fantasy-Welt der Grischa und ich war natürlich sehr
gespannt, wie mir die Rückkehr in diese Welt gefallen würde.
Vorweg: Zum Lesen von „Das Lied der Krähen“ sind
keinerlei Vorkenntnisse über die Grischa-Reihe notwendig. Die Einführung in die
Welt fällt dann natürlich etwas knapper aus und könnte im ersten Moment
befremdlich wirken, aber bei einem Fantasy-Roman kann man ja auch beim Leser
etwas Fantasie erwarten.
Der erste Blick in die Welt wirft dann auch sofort die
Bedrohung auf: die gefährliche Droge Jurda Parem, die – Grischas verabreicht – deren
Macht enorm steigert, sie aber auch gleichzeitig auszehrt. Daraufhin führt
Leigh Bardugo Zug um Zug ihre sechs Hauptfiguren ein: 

„Ein Spieler, ein Sträfling, ein missratener Sohn, eine
verlorene Grischa, ein Suli-Mädchen, das zur Mörderin geworden war, und ein
Junge aus dem Barrel, der noch Schlimmeres geworden war.
(S. 423)

Dabei wechselt sie Kapitelweise die Erzählperspektive, was
einen sehr guten Rundumblick verschafft. Der Leser lernt jede Figur in ihrer
Außenwirkung kennen, dringt während der Geschichte jedoch immer mehr in die
Tiefe. Die Figuren sind allesamt meisterhaft entwickelt. Durch gekonnte
Auslassungen schafft es die Autorin, Geheimnisse und Hintergründe erst Stück
für Stück aufzudecken, während der Aktionsteil der Geschichte voranschreitet.
So befinden sich irgendwann sechs Gestalten an Bord eines
Schiffes, die unterschiedlicher nicht sein könnten
und von denen jeder ein
Verräter sein könnte – was das Unterfangen noch unmöglicher machen würde, als
es ohnehin schon ist.
Das Buch wurde eindeutig nicht umsonst als „Ocean’s
Eleven“ in der Welt der Grischa beschrieben. Bardugo schaffte es jedoch
meisterhaft, ihre ganz eigene „Mission: impossible“ zu inszenieren
und viel Action, Kampfkraft aber auch Geschick und Intelligenz einzubauen. Niemand
der sechs Figuren ist entbehrlich, jeder trägt seinen eigenen Teil dazu bei.
Und auch wenn nach außen hin all die Ganoven für die hohe Belohnung anheuern,
erfährt der Leser immer mehr, wofür der Anteil benötigt wird, Gründe jenseits
der primitiven Gier Krimineller.
So sehr ich die Figurentiefe auch lobe, so ist sie doch
gleichzeitig mein einziger Kritikpunkt. Denn durch das Gedankenschwelgen und
die vielen Rückblicke, um die Hintergründe zu erläutern, kommt das Hier und
Jetzt
natürlich entsprechend langsamer voran. Hier hätte ich mir persönlich ein
bisschen weniger Tiefe und mehr Handlung gewünscht, aber das ist natürlich
Geschmacksache.

So bestand die Spannung im größten Teil des Buches darin,
hinter die Geheimnisse zu kommen, die Andeutungen von zuvor verstehen zu
können. In der zweiten Hälfte des Buches zog die Geschichte dann kontinuierlich
an, bis man es zuletzt unmöglich aus der Hand legen kann. Hier gibt es dann
doch einige Stolpersteine, die die Handlung vorantreiben, ehe das Buch ruhiger
endet
– jedoch mit einem klaren Ziel für die Fortsetzung.

„Das Lied der Krähen“ lebt von absolut
fantastischen Figuren mit viel Tiefgang und deren spürbare Entwicklung. Dabei
gerät die Handlung, die durchaus auch zu überzeugen weiß, leider etwas in den Hintergrund.
Sehr sehr gute 4 Bücher für eine „Mission: impossible“ in einer
gelungenen High-Fantasy-Welt.
1. Das Lied der Krähen
2. Originaltitel: Crooked Kingdom

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16 KOMMENTARE

  1. Hey Steffi,

    ich bin ja auch am überlegen, ob ich in diese Geschichte eintauchen möchte. Ich denke sie könnte mich durchaus auch begeistern und deine Rezi macht definitiv Lust darauf. Ich denke, dass ich mal in die Leseprobe reinschnupern werde. 🙂

    Liebe Grüße, Ruby

  2. Hey Steffi,

    du machst mich sehr neugierig auf dieses tolle Buch <3 Von Grischa habe ich den dritten Band noch ungelesen hier stehen. Kann ich "Das Lied der Krähen" trotzdem lesen oder Spoiler ich mich dann für Teil 3?

    Liebe Grüße,
    Anja

    • Guten Morgen 🙂

      Es spoilert nicht wirklich, nur den groben Ausgang und was jetzt aktuell passiert (ich muss aufpassen was ich hier schreibe, damit das nicht spoilert *g*)

      Du kannst es getrost lesen, weil der Teil, über den du nicht gespoilert werden willst, wird nicht erwähnt 🙂

      Liebe Grüße

      Steffi

  3. Hallo Steffi,

    kann man das Buch auch lesen ohne vorher die Grischa-Trilogie zu kennen? Bzw. Spoilert man sich so sehr, dass es sich hinterher nicht mehr lohnt diese zu lesen? Habe alle Bände hier und möchte sie unbedingt noch lesen, aber ständig schieben sich andere (neuere) Bücher dazwischen 😉

    LG Vivien

    • Man spoilert lediglich grob den Ausgang der Trilogie (der Rebellion), wobei das ja eigentlich nicht wirklich ein Spoiler ist, weil man sich das in einer Jugendbuch-Reihe ja denken kann.
      Das Problem ist glaub eher, dass es „schwieriger“ ist, in die Welt des Buches reinzufinden – weil die Magie so nebenbei erwähnt wird und das rrussisch angehauchte HF-Setting ungewohnt ist.
      Aber wenn man sich gerne in andere Welten einfindet, geht das 🙂

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

  4. Kunstbücher mit einer sehr symbolischen Handlung sind eig das, was ich lese aebrich habe dem Buch eine Chance gegeben und es nicht bereut. Das Lied der Krähen habe ich zusammen mit meiner Tochter von 13 Jahren gelesen und kann es nur empfehlen, fanden es beide gut.

  5. Liebe Steffi,
    ich habe dich gerade in meiner Rezension verlinkt. Leider (oder mal wieder) falle ich mit meiner Lesermeinung aus dem Rahmen. Ich fand das Buch auch gut, aber den Schreibstil mehr als anstrengend. Ich hatte den Eindruck, dass ich dir zwar ein Bild vom Hafen malen könnte, aber in der Geschichte nicht weiterkam. Das hat mich sehr genervt! Du hast ja auch keine "5" Sterne gegeben. Dafür bin ich schon mal dankbar! Du weißt, wie ich das meine! Dir ein schönes Wochenende! LG Verena
    Meine Rezension erscheint heute noch!

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