♂ Scythe – Die Hüter des Todes (Neal Shusterman) [Rezension]

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„Er spürte nicht einmal, wie sich seine
Beine fortbewegten. Als würde der Scythe ihn an einer unsichtbaren Schnur zu
sich ziehen. Seine Präsenz war äußerst imposant.“
(S.92)

Die Menschen haben Wege gefunden,
Krankheiten und Tod zu besiegen. Nun ist die Menschheit unsterblich. Und doch
muss man der steigenden Bevölkerungszahl entgegenwirken. Noch gelingt es dem
Thunderhead, einer künstlichen Intelligenz, in erstaunlicher Weise, die
Bevölkerung mit allem Notwendigen zu versorgen. Es gibt keine Unterschiede mehr
zwischen arm und reich. Auch die Scythe, deren Aufgabe es ist, der
Bevölkerungsexplosion entgegenzuwirken, treffen ihre Entscheidung nach
sorgfältiger Abwägung. Denn das, was sie tun, ist notwendig, es ist
unabdinglich. Zielgerichtet werden Menschen nachgelesen, was in der Sprache der
Scythe heißt – getötet.
Als Citra auf einen Scythe trifft, denkt
sie, dass nun der Augenblick gekommen ist, der für sie vorgesehen wurde. Doch
dieses Aufeinandertreffen entwickelt sich anders, als geahnt. Auch als Rowan
Zeuge einer Nachlese wird, ändert sich sein Leben ab diesem Augenblick. Denn
sowohl Citra als auch Rowan werden nun zu etwas ausgebildet, was sie nie sein
wollten – Scythe. Und plötzlich befinden sich beide in einem tödlichen Spiel,
aus dem es kein Entrinnen gibt.
Spätestens seit seiner „Vollendet“-Reihe
weiß man, dass Neal Shusterman ein erstaunliches Geschick dafür besitzt,
Geschichten zu entwerfen, die einerseits schocken und andererseits sehr real
wirken können. Allein deshalb war ich nun auch auf seine neue „Scythe“-Reihe
sehr gespannt. Nun, da das Buch bei mir eingezogen war, begann ich sodann auch
gleich zu lesen.
Und so spürte ich bereits auf den ersten
Seiten, dass Neal Shusterman hier wieder etwas ganz Außergewöhnliches
geschrieben hat. Ich machte mich mit Citra bekannt, deren Leben man als
durchaus normal bezeichnen kann und verfolgte so die ersten Handlungsstränge.
Auch Rowan kam unwesentlich später ins Spielfeld, dessen Leben er selbst als
Salatblatt bezeichnet. Denn aufgrund der Vielzahl an Geschwistern erhält er
selten die Aufmerksamkeit seiner Eltern. Doch ihn verbindet eine tiefe
Freundschaft zu Tyger, der sich in einer ähnlichen Situation befindet. Und doch
kreuzen sich bald die Lebenswege von Citra und Rowan; auch wenn nicht abzusehen
war, in welcher Form.
Wieder einmal brilliert Neal Shusterman
mit einer Idee, die fasziniert und dabei nicht weit von einer möglichen
Realität – in einer zukünftigen Entwicklung – zu sein scheint. Auf der einen
Seite hat die Menschheit die Unsterblichkeit erreicht. Und doch besteht die
dringende Notwendigkeit, einen Bevölkerungsboom einzuschränken. Denn natürlich
werden nach wie vor Kinder geboren. Aber aufgrund fehlender Tode wächst die
Bevölkerungszahl zusehends. Und hier kommen die Scythe ins Spiel.
Auch wenn es keine Regierungen oder
ähnliches mehr gibt, verläuft das Zusammenleben besser denn je. Eine künstliche
Intelligenz, der Thunderhead, wacht über das Wohl der Menschen. Er koordiniert
die Versorgung und regelt das Sozialleben besser als vormals jeder Politiker. Eine
strikte Trennung gibt es lediglich zum Scythetum, das eigenen selbst
auferlegten Regeln untersteht. Hier hat der Thunderhead keinerlei
Eingriffsmöglichkeiten. Denn nur so können die Scythe ihrer Aufgabe nachkommen.
Sie müssen dafür sorgen, dass trotz Unsterblichkeit Menschen ihr Leben lassen.
Mehr oder weniger sorgfältig ausgewählt beenden sie den Lebensweg mit
unterschiedlichen Mitteln. Und doch werden die den Scythe auferlegten Regeln
mitunter unterschiedlich ausgelegt, so dass es auch im Scythetum unterschiedliche
Tendenzen und Ränkespiele gibt. Für Citra und Rowan ungeplant sind sie
plötzlich doch Teil dieser Parallelgesellschaft.
Erzählt in dritter Person in
Vergangenheitsform erlebte ich das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven.
Zwischendurch wurden mir von Neal Shusterman Tagebucheinträge verschiedener
Scythe serviert, die unterschiedliche Interpretationen der bestehenden Regeln
nahezu unterstrichen und darüber hinaus für ein noch besseres Verständnis
mancher Handlungen sorgten. Gewohnt sicher und klar geleitete mich der Autor
mit seinem flüssigen Schreibstil durch die Handlung. Auch wenn sich ab und an
kleinere Längen anbahnten, verlor ich doch nie das Interesse an den zu
erwartenden Handlungen. Und so gelang es Neal Shusterman wieder einmal, mich an
seine Geschichte zu fesseln und neugierig den weiteren Entwicklungen
entgegenzusehen. Gut gesetzte Spannungspunkte und durchaus überraschende
Entwicklungen führten dazu, mich an die Geschichte zu binden und dem Fortgang
entgegenzufiebern.

Und so schritt ich
unaufhaltsam voran und befand mich plötzlich mitten im Showdown. Auch hier
konnte Neal Shusterman nochmals eine Wendung einbauen, die so nicht zu erwarten
gewesen war. Sodann lässt er seine Geschichte absolut befriedigend ausklingen,
wobei er mich nun neugierig auf die Geschehnisse in der Fortsetzung
zurücklässt.

Scythe – Die Hüter des Todes“ basiert
auf einer wiederum exzellenten Idee von Neal Shusterman und kann mit den
enthaltenen Entwicklungen und überraschenden Wendungen überzeugen. Meine
Lesestunden in einer absolut real wirkenden Zukunftsvision belohne ich deshalb
mit knappen 5 Büchern.

Für alle, die dem Tod
ins Auge blicken können, unaufhaltsame Entwicklungen akzeptieren und sich dabei
kaum lösbaren Herausforderungen stellen.

1. Scythe – Die Hüter des Todes
2. Thunderhead (Arc of a
Scythe – OT)

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Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:

10 KOMMENTARE

  1. Lieber Kay,

    eine sehr schöne Rezension und mit dieser hättest du mich definitiv überzeugt, wenn ich das Buch nicht schon gelesen hätte 😉 Ich kann dir in allen Punkten zustimmen und mir ging es beim Lesen ganz genauso. Eine tolle Geschichte und mit den Wendungen kann ich dir auch zustimmen, ich finde, die haben das Spannungslevel noch mal angehoben. Tja und nun heißt es warten 😀

    Übrigens meine Rezi zu dem Buch ist seit heute auch online 🙂

    Liebe Grüße,
    Caterina

    • Liebe Caterina,

      vielen lieben Dank ☺️ Es war eine wirklich gelungene Geschichte, bei der ich viel Lesespass hatte. Deine Rezi schaue ich mir auf jeden Fall auch noch an! Verlinken werde ich sie auch ☺️

      Liebe Grüße
      Kay

  2. Hallo Kay,

    mir hat das Buch ebenfalls gut gefallen. Die düstere und zugleich fasznierende Welt konnte mich durchaus fesseln, wobei mir die Spannung zu Beginn etwas zu wenig war. Diese zog für mich erst ab dem zweiten Ausbildungsteil (so möchte ich es mal nennen 😉 ) an. Trotzdem fiebert man dem Ende entgegen und gerade dieses hat mir unheimlich gut gefallen.

    Liebe Grüße,
    Uwe

  3. Hey Kay,

    bei dem Buch war ich mir nicht ganz sicher, ob es etwas für mich wäre. Deine Rezension lässt mich so zurück, dass es mit Sicherheit unglaublich interessant ist zu lesen aber wahrscheinlich trotz allem nicht unbedingt etwas für mich ist. Ich denke, da hilft nur eins. Leseprobe ich komme. 😉

    Wieder sehr schön beschrieben…vielen Dank.

    Liebe Grüße, Ruby

  4. Hallo ihr zwei,

    eine tolle Rezension zu einem genialen Buch. Jaaaa, ich habe es jetzt erst gelesen, aber so muss ich nicht mehr so lange auf Band 2 warten. Zum Glück wurde der VÖ Termin ja auf März vorverlegt <3

    Ich habe eure Rezi in meiner Rezension verlinkt. 🙂

    Liebste Grüße
    Sonja

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