♂ Cloud (Claudia Pietschmann) [Rezension]

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„In diesem Moment erfasst ein Schluchzen meinen Körper. Es
steigt im Magen auf, kämpft sich nach oben und verlässt meinen Mund mit einem
Ton, der in der Stille meines Zimmers seltsam laut klingt und nicht wie ein
Laut, der von mir stammen könnte.“

(S.20)


Nach dem Tod ihres jüngeren
Bruders ist für Emma eine Welt zusammengebrochen. Sie lässt niemanden an sich
heran, auch nicht ihre Freunde Hazel und Matt. Emma kapselt sich total ab. Als
sie eine Freundschaftsanfrage von Paul auf Facebook erhält, nimmt sie diese
nach kurzem Nachdenken an. Und Paul scheint der Einzige zu sein, der sie
versteht. Er geht auf ihre Gefühle ein und unterstützt sie. Emma gewährt Paul
Einblicke in ihr Leben, schickt ihm Aufnahmen aus ihrem Alltag. Nach und nach
entwickelt Emma Gefühle für Paul, sie will ihn unbedingt treffen. Doch Paul
blockt immer wieder ab. Emma lässt nicht locker. Kurz entschlossen nimmt sie
das Heft in die Hand. Doch was sie herausfindet, reißt ihr erneut den Boden unter
den Füssen weg. Und plötzlich wird es nicht nur für sie gefährlich. 

Als ich auf einer Buchmesse von „Cloud“ gehört hatte, bin
ich neugierig geworden. Die Beschreibung fand ich ziemlich gut und so wusste
ich, dass ich es lesen muss. Nun, da das Buch bei mir angekommen war, habe ich
es auch gar nicht erst ins Regal meiner noch zu lesenden Bücher gestellt,
sondern habe es gleich zur Hand genommen.
Und so erfuhr ich gleich zu Beginn von Emmas Traurigkeit. Vor
nicht allzu langer Zeit ist ihr Bruder Ethan gestorben. Emma versteht die Welt
nicht mehr. Noch dazu fühlt sie sich unwohl im neu bezogenen Haus. Sie wohnt
nun mit ihren Eltern in einem SmartHome, alles wird mehr oder weniger über Apps
gesteuert, vom Licht bis zur Heizung. Ihre Eltern haben nach dem Unfall ihres
Bruders darauf bestanden, das Haus strotzt vor Sicherheit. Doch die verbliebene
Familie hat mit der Situation nach Ethans Tod zu kämpfen, nichts wird mehr so
werden, wie es einmal war.
Als Emma eine Freundschaftsanfrage auf Facebook von Paul
erhält ist sie erstmal skeptisch. Aber er scheint ihr wirklich gut zu tun. Er
versteht Emma und ihre Situation wie kein anderer. Er hilft ihr, wo er nur
kann. Mit Emma geht es wieder aufwärts, selbst zu ihren Freunden, von denen sie
sich nach dem Tod ihres Bruders ziemlich abgegrenzt hatte, findet sie nun
wieder einen Draht. Nur treffen will er sich nicht mit ihr. Hat er etwa ein
Geheimnis?
Claudia Pietschmann führte mich wirklich gut in die
Geschichte ein. Wusste ich anfangs nur Ausschnitte von dem Ereignis, das Emmas
Leben so einschneidend verändert hatte, so erfuhr ich dann aus den Chats
zwischen Emma und Paul mehr und mehr Einzelheiten aus der Vergangenheit. Umso
besser konnte ich den Zustand der Protagonistin zunehmend verstehen. Außerdem
spürte ich durch die gewählte Erzählform aus Emmas Ich-Perspektive in
Gegenwartsform eine ungeheure Nähe zu ihr. Emma war mir von der ersten bis zur
letzten Seite unwahrscheinlich sympathisch und für mich ein authentischer
Charakter. Für eine Sechzehnjährige ist es definitiv nicht leicht, ein dermaßen
traumatisches Ereignis zu verarbeiten.
Auch die anderen Charaktere konnten mich regelrecht begeistern.
Von der besten Freundin Hazel angefangen, über den fürsorglichen besten Freund
Matt bis hin zu Paul. Ich verfolgte neugierig die Chatverläufe zwischen Emma
und Paul und lauerte auf das, was irgendwann definitiv geschehen musste. Und so
gelang es Claudia Pietschmann, mich zunehmend in ihre Geschichte zu ziehen.
Irgendwann war es dann so weit, dass ich das Buch nicht mehr zur Seite legen
wollte. Die Handlungen und Entwicklungen fesselten mich durchweg. Auch die Idee
eines SmartHomes konnte mich richtig faszinieren.
Eindrücke sich leicht anbahnender Längen vertrieb Claudia
Pietschmann umgehend mit dem Einbau neuer Entwicklungen, so dass keine
Langeweile aufkommen konnte. Gut strukturiert und mit wohl dosierten
Beschreibungen führte mich die Autorin durch ihre Geschichte. Mehr noch,
Claudia Pietschmann ist es gelungen, ihre Idee an mich heranzutragen, für mich
spür- und erlebbar zu machen.

Zum Ende hin führt die Autorin den Spannungspegel
nochmal in berauschende Höhen. Ich fieberte mit, litt mit den Charakteren und
hoffte auf einen Ausweg. Definitiv kann ich sagen, dass ich vom Ende der Geschichte
dann auch nicht enttäuscht wurde und einen folgerichtigen Ausklang erleben
durfte.

Cloud“ punktet mit authentischen Charakteren,
nachvollziehbaren Handlungen und einer faszinierenden Idee hinter der
Geschichte, zeigt dabei auch eindrucksvoll die Gefahren einer hohen
Technisierung und medialen Vielfalt auf. Meine Erlebnisse an der Seite von Emma
sind mir deshalb klare 5 Bücher wert.

Für alle, die auch nach Schicksalsschlägen nicht aufgeben,
sich medialer Vernetzung nicht erwehren, dabei bestehende Risiken dennoch nicht
außer Acht lassen.
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8 KOMMENTARE

  1. Huhu Kaychen, 🙂

    ich war so unschlüssig ob mir "Cloud" gefällt, sodass ich es doch erst mal nicht angefragt habe. Deine Rezi macht aber nun doch wahnsinnig neugierig und ich glaube, dass ich das Buch doch noch haben muss. Die Idee der Geschichte ist zwar nicht neu, da sich im Netz ja viele Spinner und Leute verbergen, die vorgeben jemand anderer zu sein etc. aber dennoch scheint Claudia diese ja perfekt in ihre Geschichte eingebaut zu haben.

    Liebe Grüße,
    Ally

    • Huhu meine liebe Ally,

      da hast du recht, dass sich im Netz ne Menge Spinner tummeln, leider…Claudia hat das aber wirklich gut umgesetzt und neue Nuancen eingebaut. Da machst du mit dem Buch sicher keinen Fehler ☺️

      Liebste Grüße
      Kay

  2. Hallo und vielen Dank für diese schöne Rezension! Ich bin sehr neugierig auf das Buch und es ist definitiv auf meiner Wunschliste gelandet.

    Liebe Grüße
    Katja

    kavo0003[at]web.de

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