♂ Boot Camp (Morton Rhue) [Rezension]

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„Ich weiß längst nicht mehr, ob es Tag oder Nacht ist. Statt
zu schlafen, wenn ich denke, es ist Nacht, und wach zu sein, wenn ich denke, es
ist Tag, döse ich die ganze Zeit nur so vor mich hin. Unermessliche Berge Zeit
schweben vorbei wie Wolken.“

(S.69)


Eines Tages wird Connor einfach so abgeholt und mitgenommen.
Auf Geheiß seiner Eltern, deren Idealbild eines Kindes er nicht entspricht,
landet er in Lake Harmony, einem Boot Camp. Hier geschehen tagtäglich
unvorstellbare Dinge. Connor gelangt bald an seine Grenzen, doch aus der Hölle
des Camps gibt es kein Entrinnen.
Der Name Morton Rhue ist sicherlich, nicht zuletzt auch
wegen seines Buches “Die Welle“, vielen Leserinnen und Lesern ein Begriff. Als
ich vor kurzem in der Buchhandlung dann „Boot Camp“ in der Hand hatte, musste
ich es einfach mitnehmen. Allzu lange musste das Buch dann auch nicht warten
und ich nahm es zur Hand.
Und so wurde ich auch gleich auf den ersten Seiten in die
Geschichte geworfen. Ich erlebte, wie Connor von zwei „Transporteuren“ ins Camp
Lake Harmony gebracht wurde. Erst hier bei seiner Ankunft hat Connor erfahren,
dass er in ein Boot Camp gebracht wurde. Sein Vergehen, für das ihn seine
Eltern in das Camp bringen ließen war kein Drogenkonsum oder Diebstahl. Connors
Eltern sind nicht damit einverstanden, dass er eine ältere Freundin hat. Schnell
findet er dann auch heraus, dass der Name des Camps im krassen Gegensatz zu den
Dingen steht, die hier passieren.
Morton Rhue beschreibt in „Boot Camp“ die Handlungen kühl
und sachlich, wobei es ihm mit wenigen gut gewählten Beschreibungen und
Andeutungen gelingt, entsprechende Emotionen beim Lesen hervorzurufen. Seine
Geschichte strotzt vor Gewalt, zeigt dabei stringent Konsequenzen menschlichen Handelns
auf und beschreibt eindrucksvoll die möglichen Auswirkungen von verhängnisvollen
Machtgefügen. Durch die vom Autor gewählte Ich-Perspektive in Gegenwartsform
aus der Sicht von Connor konnte ich mich außerdem direkt in die Handlung
einfühlen.
Die Geschichte wirkte von Beginn an beängstigend und
bedrückend auf mich, ein ums andere Mal musste ich förmlich aufgrund der
beschriebenen Handlungen den Atem anhalten. Eine gewisse Hoffnungslosigkeit bahnte
sich ihren Weg, ein Ausweg war weit und breit nicht in Sicht. In seiner
Geschichte beschreibt Morton Rhue das Leben in einem Boot Camp so, wie man es
sich vorstellt. Oder besser gesagt, wie man befürchtet, dass es so sein könnte.
Nicht vorzustellen, dass Eltern ihre Kinder zur Umerziehung und Anpassung in
solch ein Lager geben. Die Kinder und Jugendlichen haben, zumindest im hier
beschriebenen (fiktiven) Camp Lake Harmony keinerlei Rechte. Kann es denn
wirklich an einer maßlosen Verzweiflung von Eltern bei der Erziehung ihrer
Kinder liegen, dass man die eigenen Kinder in so ein Camp gibt? Oder an einer
gewissen Bequemlichkeit?! Mir wird dieses Vorgehen vermutlich weiterhin ein
Rätsel bleiben. Zumindest verwundert es nicht, dass diese Branche sich in
einigen Erdteilen etabliert hat und durchaus nach wie vor boomt.
Seine Charaktere beschreibt der Autor knapp, aber absolut
vorstellbar. Neben Connor erfährt man von anderen handelnden Personen kaum
Details zu ihrer Vergangenheit und auch die Blitzlichter aus Connors
Vorgeschichte halten sich in Grenzen. Dies stört hier jedoch nicht im
Geringsten und hinterlässt auch nicht den Eindruck, dass etwas Grundlegendes
fehlen würde.

Nach aufreibenden Lesestunden kommt Morton Rhue für
seine Geschichte dann zu einem Ende, das man sich durchaus vorstellen kann und
das nachvollziehbar wirkt. Ich denke, das Buch wird auf jeden Fall noch ein
wenig bei mir nachwirken. Definitiv hat Morton Rhue hier ein sehr heiß zu
diskutierendes Thema aufgegriffen.

Boot Camp“ zeigt Auswüchse und Gefahren menschlicher
Verhaltensweisen in abgegrenzten Hierarchien eindrucksvoll auf und kann auf
ganzer Linie mit den enthaltenen Handlungen schockieren. Meine Lesestunden an
der Seite von Connor honoriere ich mit klaren 5 Büchern.

Für alle, die die Hoffnung auf einen guten Ausgang nie
aufgeben, sich dabei unvorstellbaren Strapazen stellen können und ihr Selbst
dabei nicht verlieren.

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Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:

Claudias Bücherregal (Rezension)
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4 KOMMENTARE

  1. Eines der Bücher, die ich von dem Autor noch nicht gelesen habe. "Die Welle" fand ich unglaublich beeindruckend, deswegen möchte ich "Boot Camp" nun auch noch lesen. 🙂

    • Hallo Claudia,

      der Autor hat eindeutig ein Händchen für derartige Geschichten. Ich konnte mich richtig in die Handlung hineindenken. Wirklich klasse beschrieben…

      Liebe Grüße
      Kay

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