(L) Die Furcht des Weisen Band 1 (Patrick Rothfuss) [Rezension]

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„Zur Antwort schenkte ich ihr einfach
nur mein allerreizendstes Lächeln. Ich hatte ihr bereits gesagt, wie es sich in
Wirklichkeit verhielt: Ich war kein Gentleman. Ich war ein Dieb.“
(S.229)

 „Wer von euch hat den genäht?“„Ich“, sagte Sim und verzog das Gesicht.
„Und ich weiß, ich hab´s verbockt.“
„Verbockt wäre noch sehr freundlich
ausgedrückt“, erwiderte Mola. „Es sieht aus, als hättest du versucht, deinen
Namen hineinzuschreiben und hättest dich dabei mehrfach verschrieben und wieder
neu angesetzt.“
(S.253) 

Endlich, die Fortsetzung von „Der Name
des Windes“ ist da! Da „Die Furcht des Weisen“ so umfangreich wurde, machte der
Verlag zwei Bücher daraus.

Kvothe hat Schwierigkeiten an der
arkanischen Universtät und entschließt sich eine Auszeit zu nehmen. Die Suche
nach den Chandrian, den Mördern seiner Eltern, führen Kvothe an den Hof des
Maer Alveron, wo er dem Maer helfen soll eine Frau zu erobern. Doch die
Intrigen bei Hof wollen nicht nur dem Maer an den Kragen, sondern auch dem geheimnisvollen
rothaarigen Fremden…
Ich denke, ich habe in meiner Rezi zu
Band 1 ziemlich klar gemacht, wie unfassbar gut mir mein erstes Patrick
Rothfuss Buch gefallen hat. Ich habe mich sehr auf den zweiten Band gefreut und
ihr solltet, wenn ihr den ersten Band nicht kennt jetzt aufhören zu lesen und
gleich zum Fazit springen, denn hier werden sich Spoiler zu Band 1 logischerweise
nicht ganz vermeiden lassen.
Band 1 hat ja damit geendet, dass der
erste Tag zum Geschichten erzählen vorbei war und sich alle ins Bett begeben
haben, gefolgt von der seltsamen Szene mit Bast. Ich habe mich da übrigens
richtig erschrocken und war nochmal mehr auf den nächsten Band gespannt!! Basts
Motiv ist also klar, er will seinen alten Reshi wieder, den Zauberer, den
Kämpfer, den Helden. Wofür genau, bleibt noch unklar. Vielleicht ahnt er, dass
sie sich nicht ewig (vor wem auch immer) verstecken können? Ich bin sehr
gespannt, ob in diesem Band beschrieben wird, wie Bast und Kvothe sich kennen
lernen! 
„Die Furcht des Weisen“ beginnt wieder
mit einem schwermütigen, beinahe poetischen Prolog, der wieder damit endet,
dass es um einen Mann geht, der bald sterben wird. Ich hoffe wirklich sehr,
dass der Autor nicht zum George R.R. Martin mutiert und meinen
Lieblingscharakter sterben lässt. Ich glaube, da wäre mein Herz endgültig
hinüber.
Im ersten Kapitel findet sich der Leser
im Gasthaus „Zum Wegstein“ wieder und
ich war gleich heimisch. Über Gasthaus und Anwesenden liegt der Schatten des seltsamen
Angriffs vom Vorabend, wobei einer der Dorfbewohner zu Tode kam und recht bald
beginnt Kvothe den beiden Zuhörern seiner Geschichte weiter zu erzählen.
Er ist immer noch an der Uni, immer noch
mittellos, immer noch begabt, verliebt und in einer tiefen Feindschaft mit
Ambrose. Seine Freunde Sim und Will stehen ihm weiter zur Seite, so treu, wie
Sam seinem Frodo und gleichzeitig voller Humor und Witz. Ich mag die zwei
wirklich gerne! Kvothe will sein Studium vertiefen, allerdings darf er immer
noch nicht in die Bücherei. Auch die Suche nach einem Schirmherrn läuft nicht
gut, da Ambrose ihn überall in Verruf gebracht hat. Aber Kvothe gibt nicht auf
und kämpft sich weiter durch.
Denna, die geheimnisvolle Sängerin und
naja, man könnte sie fast Vagabundin nennen, taucht auch wieder auf. Ich bin
bei ihr ja ehrlich gesagt etwas skeptisch. Sie hat ständig irgendeinen neuen
Kerl am Arm, der ihr erst etwas schenkt und dann doch wieder abgeschossen wird.
Ja, sicher sie hat es auch nicht leicht und es ist ja nicht so, dass sie mit
denen allen ins Bett steigen würde, aber trotzdem … Ich traue ihr nicht so ganz
über den Weg. Kvothe stürzt sich für sie in ziemliche Schwierigkeiten, denn
Ambrose hat Dennas Ring und will ihn ihr nicht zurückgeben. Als Kvothe bei ihm
einbricht, wird er schwer verletzt und außerdem kommt Ambrose an etwas Blut von
ihm, was Kvothe fast das Leben kostet. Aber nur fast.
Auril, das seltsame Straßenmädchen und
Devi, die toughe Geldverleiherin kommen auch wieder vor. Devi wird sogar
zweimal in einem ganz anderen Licht gezeigt, ihr Charakter ist jetzt viel
vielfältiger und gefällt mir richtig gut!! Sie hat Biss und herrlichen
Sarkasmus, ist gefährlich, aber irgendwie auch verwundbar. Mola und Fela sind natürlich
als weibliche Freundinnen wieder dabei und bilden mit Sim und Will so etwas wie
Kvothes Unifamilie.
Außerdem beginnt dieser verrückte Yoda
Meister Elodin ein Seminar mit wenigen Auserwählten, unter denen auch Fela und
Kvothe sind. Es soll um Namenskunde gehen, aber erstmal ist das alles ganz ganz
anders, aber das müsst ihr selber lesen.
Ich weiß, ich habe jetzt nicht
wahnsinnig viel gesagt und das ist auch wirklich nicht so einfach, denn wenn
man es ganz grob beschreiben will, dann geht Kvothe in diesem Buch einfach nur
zur Uni und schlägt sich nicht, wie in Band 1, durch die halbe Welt. Aber in
dieser Geschichte ist noch so viel mehr was sich ereignet, ihn formt, seine
Freunde zeichnet, die Magie erklärt, die Welt malt und die Geschichte ins
Rollen bringt. Ich habe gelacht, hatte Tränen in den Augen und Gänsehaut auf
den Armen.
Ich weiß jetzt, wie er ein Zauberer
wurde und warum man ihn den Blutlosen nennt. Ich weiß von seiner Musik und der
Frau, die wahrscheinlich seine große Liebe ist. Aber warum heißt er der
Königsmörder? Warum gibt er sich die Schuld an dem Krieg? Wie traf er auf Bast?
Und was ist aus dem Typen geworden, der die Geschichten im Wirtshaus erzählt
hat? Lieber Herr Rothfuss, ich habe so viele Fragen, bitte, ich brauche mehr Geschichte!
Was ich ein bisschen vermisst habe,
waren die magischen Sätze, die mich in Band 1 so begeistert haben. Das Buch ist
immer noch sehr bildgewaltig, ich kann mir alles vorstellen. Aber diese krassen
Sätze, die ich mir in Band 1 markiert habe, weil sie mir einfach so ins Herz
gingen, die haben mir gefehlt.
Außerdem gibt es nicht so viele
Einschnitte zurück in die „echte Welt“ wie in Band 1, das fand ich auch ein
klein wenig schade, weil ich mich im Wegstein,
so wohl fühle. Andererseits müssen sie auch wirklich passen und etwas einfach
nur einzuzwängen, wäre nicht gut gewesen.

Was ich dagegen sehr gut
finde ist, dass für Kvothe nicht alles ganz einfach wird. Er ist zwar super
schlau, hat dafür aber gar kein Geld und weiß oft nicht, wie er z.B. die
Semestergebühren zahlen soll, was ihn dann wieder in Schwierigkeiten bringt,
weil er sich auf zwielichtige Geschäfte einlassen muss. Es ist kein
Kinderspiel, dem Helden fliegt nichts zu, im Gegenteil. Er hat ebenso viele
Rückschläge wie Erfolge.

Ich liebe dieses Buch! Ja, es ist ein
klein bisschen anders als Band 1, hat mich nicht so sehr in Atem gehalten
(sprich ich durfte zwischendurch tatsächlich mal Luft holen), aber nichtsdestotrotz
ist es genial und die Welt, die Patrik Rothfuss hier aufbaut, begeistert mich
mehr und mehr. Ich schnappe mir jetzt direkt ein Sandwich und den nächsten
Band. Dicke 5 Bücher für dieses Meisterwerk der High Fantasy.
1. Der Name des Windes
2. Die Furcht des Weisen Band 1
3. Die Furcht des Weisen Band 2
Außerdem von Patrick Rothfuss in dieser
Welt erschienen:
Die Musik der Stille –
Aurils Geschichte
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