♂ Pearl (Julie Heiland) [Rezension]

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„Alles in meinem Dasein ist auf die
Liebe ausgerichtet, und dennoch weiß ich so gut wie nichts über sie. Weiß
nicht, wie sie sich anfühlt. Kann es nur ahnen. Mir in meiner Phantasie
ausmalen.“

(S.11)

 „Ich ertrage den Anblick des Himmels
nicht mehr. Wünschte, die Sterne würden zu Staub zerfallen, wünschte, der Mond
würde erlöschen.“

(S. 252)

Pearl ist nun schon über zweihundert Jahre alt. Als junges Mädchen ist
sie gestorben und wurde wiedergeboren. Weil sie bis zu ihrem Tod keine Liebe
erfahren hat. Nun ist Pearl eine Suchende, einzig und allein die wahre
schicksalhafte Liebe kann sie von der Unsterblichkeit erlösen. Alles, was sie
aufrecht hält, ist die Hoffnung. Denn nur durch die Hoffnung hat sie eine
Aussicht auf Erlösung. Doch es droht eine weitere Gefahr. Denn die Suchenden
werden von den Jägern, ehemaligen Suchenden, gejagt. Und genau für einen ihrer
größten Feinde scheinen sich die lang ersehnten Gefühle zu entwickeln. 

Die „Bannwald“-Reihe von Julie Heiland hatte
mir schon richtig gut gefallen. Gespannt wartete ich seitdem auf weitere Veröffentlichungen
von ihr. Als dann nun „Pearl“ auf den Markt gebracht wurde, war ich mir
allerdings alles andere als sicher, ob mir die Geschichte gefallen könnte. Also
habe ich erstmal abgewartet. Nachdem ich nun die ersten Meinungen zu „Pearl“
entdeckt hatte, wollte ich es nun doch wagen und mir eine eigene Einschätzung bilden.
Kaum war das Buch nun bei mir
angekommen, habe ich auch unmittelbar mit dem Lesen begonnen. Und befand mich
gleich in der wunderschönen italienischen Stadt Venedig. Ich durfte Pearl
kennenlernen. Und ich habe mich gleich von Beginn an in Pearl verliebt.
Nachdem Pearl unmittelbar nach ihrer
Geburt von ihrer Mutter weggegeben wurde, wuchs sie in einem Waisenhaus auf.
Und sie hatte in ihrer Kindheit nicht viele Gelegenheiten zum Lachen. Bis zu
ihrem Tod hatte sie niemals das Gefühl erfahren, geliebt zu werden. Und so
wurde sie wiedergeboren. Von nun an war sie eine Suchende. Nur die wahrhaftige
Liebe kann sie von einem ewigen Leben erlösen. Allein dieser Verlauf bis dahin
führte dazu, dass ich Pearl mehr und mehr ins Herz schließen konnte.
Was sich im ersten Moment im Hinblick
auf die Unsterblichkeit ziemlich gut anhört, ist es im Endeffekt jedoch nicht.
Denn Pearl ist, genau wie alle Suchenden, von einer unendlichen Sehnsucht
erfüllt. Einer Sehnsucht nach der wahren Liebe. Manche der Suchenden haben die
Hoffnung auf diese Liebe bereits aufgegeben und sind böse geworden. Denn wenn
sich die vermeintlich wahre Liebe nicht als solche offenbart, wird der oder dem
Betroffenen die Möglichkeit zu Lieben genommen. Und hier kommen die Jäger ins
Spiel. Einst selbst Suchende wissen sie genau, welche Gefühle hier im Spiel
sind oder auch nicht. Und so wollen sie die gewöhnlichen Menschen vor den
Suchenden beschützen. Denn die Gefahr ist groß, dass sie ihrer Fähigkeit zu
Lieben beraubt werden. Doch allein die Vorstellung, dass eine Suchende oder ein
Suchender mit der Fähigkeit der Unsterblichkeit von den Jägern meterweit unter
der Erde in einen Sarg gesteckt wird und sein Leben so fristen muss, hat mir
ein Schaudern über den Rücken getrieben.
Als gut empfand ich außerdem, dass es
beim Thema Unsterblichkeit endlich einmal nicht um Vampire oder Ähnliches ging.
Julie Heiland hat mit „Pearl“ damit eine andere Idee genutzt und hervorragend
umgesetzt. Unsterblichkeit 2.0 sozusagen.
Beim Lesen der Geschichte habe ich
förmlich gespürt, wieviel Herzblut die Autorin in ihre Idee gesteckt hat. Von
überdetaillierten Beschreibungen ist Julie Heiland definitiv weit entfernt. Und
doch schafft sie es, mit gut gewählten Worten und Formulierungen Bilder im Kopf
entstehen zu lassen, die mich voll und ganz in der Geschichte abtauchen ließen.
Mein Leseerlebnis war unglaublich intensiv, ich fühlte mich stets als Teil der
Geschichte. Nicht zuletzt die gewählte Ich-Perspektive aus der Sicht von Pearl
in der Gegenwartsform trug dazu bei, eine extreme Nähe zur Handlung förmlich zu
spüren.
Die Charaktere waren genau wie die
Protagonistin Pearl selbst unglaublich vorstellbar dargestellt. Mit treffenden
Eigenschaften ausgestattet und klar beschrieben machten sie die Handlung
erlebbar und glaubhaft. Die Beschreibungen der Handlungsorte waren jederzeit
prägnant, ich fühlte mich beim Lesen so, als wenn ich ebenfalls anwesend
gewesen wäre.
Julie Heiland hat es sich nicht nehmen
lassen, der Geschichte einen gehörigen Showdown zu verpassen, der das Adrenalin
nochmals in die Höhe getrieben hat. Die stellenweise immer wieder
durchklingende Melancholie verleiht dem Ganzen dabei noch etwas Besonderes. Auch
das von der Autorin arrangierte Ende ist passend und traf damit genau meine
Erwartungen. Im Endeffekt kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, zu „Pearl“
gegriffen zu haben, denn es sticht definitiv aus der Masse hervor.
Pearl“ ist genau das, was der Name
verspricht, eine Perle in der Buchwelt, die man im Regal stehen haben sollte.
Julie Heiland konnte mich mit ihrer Geschichte verzaubern und mir unglaublich
intensive Leseeindrücke vermitteln. Meine Suche nach der wahrhaftigen Liebe an
der Seite von Pearl belohne ich deshalb mit zweifelsfreien 5 Büchern.

Für alle, die die
Hoffnung auf die wahre Liebe nie aufgegeben haben, die Sehnsucht nach dieser
Liebe in sich spüren und das Risiko, sie wirklich zu finden, jederzeit auf sich
nehmen.

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8 KOMMENTARE

  1. Hallo Kay,

    ich habe das Buch ja auch schon gelesen und fand es wirklich gut. Die Idee dahinter ist vielversprechend und die Umsetzung hat die Autorin sehr gut hinbekommen. Ich hatte auch ein paar sehr schöne Lesestunden. 🙂

    Liebe Grüße,
    Ruby

    • Hallo Ruby,

      das freut mich 🙂 Ich wusste ja erst gar nicht so richtig, was mich erwartet. Aber die Geschichte konnte mich dann wirklich richtig gut unterhalten 🙂

      Liebe Grüße
      Kay

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