(L) Der Name des Windes (Patrick Rothfuss) [Rezension]

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„Einen Zettel? Du schleichst dich weg
und hinterlässt mir einen Zettel?“, zischte er. „Wer bin ich denn? Irgendeine
Hafennutte?“ (…) „Und dann war es auch noch so lausig formuliert. >Wenn du das hier liest, bin ich
wahrscheinlich schon tot
.< Da lachen ja die Hühner!“ (S. 59) „Das nimmt ihnen etwas von ihrem
Schrecken. Dinge, die wir nachvollziehen können, können wir auch versuchen zu
beherrschen. Die Chandrian aber kommen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Reine
Zerstörung. Ohne Sinn und Verstand.“ (S. 117)

Sein Name ist Kvothe, der Sohn fahrender
Spielleute. Ein normaler Junge. Oder? Als Kvothe eines Tages heimkehrt, findet
er das Lager verwüstet, Mutter und Vater sind tot. Doch wer sind diese
Chandrian, die seine Familie abgeschlachtet haben? Was soll die Aussage „Sie
haben die falschen Lieder gesungen“ bedeuten?

Kvothe will das Geheimnis ergründen und
riskiert dafür alles. Vom Straßenjungen der Hafenstadt schafft er es ins
Akanum, die Universität für hohe Magie. Diese soll ihm die Macht geben, das
Geheimnis der sagenumwobenen Chandrian zu lüften. Ein Sohn von Spielleuten, ein
Magier, ein Wissenschaftler, ein Musiker – ein Mann gegen die Dämonen der Welt.
Und sein Name wird zur Legende werden.
Ich habe dieses Buch auf Anraten meines
besten Freundes gekauft, der sehr sehr begeistert von Kvothes Geschichte war.
Allerdings sagte er, er sei sich nicht sicher, ob „das was für Mädchen ist“.
Innerhalb der nächsten zehn Minuten hatte ich mir das Buch bestellt und mir die
Leseprobe vorgeknöpft.  Bei der Widmung
hatte er mich schon, die ist einfach so wunderschön!
Wie der Klappentext schon sagt, handelt
es sich um einen Jungen oder Mann namens Kvothe. In dem Buch begegnen wir
jedoch einem gewissen Kote, ein Mann mit flammend rotem Haar und fast magischen
grünen Augen, ungefähr 24 Jahre alt zu sein scheint. Er ist der Wirt des
kleines Gasthauses zum Wegstein in
einem Ort namens Newarre, in dem nicht viel los zu sein scheint. Die Gäste
kennen einander gut und lange und kommen regelmäßig zum Essen, Trinken und
Geschichten erzählen hier her.
Schon auf den ersten Seiten wird klar,
dass Kote keineswegs nur ein einfacher Wirt ist. Bis Seite 50 hat er sich schon
zwei Geschichten über seine Herkunft ausgedacht und bittet seinen Gefährten
Bast diese unauffällig an die Menschen weiter zugeben, um seinem Verhalten
einen glaubhaften Hintergrund zu geben. Immer wieder gibt es versteckte
Hinweise, auf seine Vergangenheit und darauf, dass der Beruf des Wirtes, eher
wie eine sehr frühe Rente wirkt, von einem Leben, das weitaus mehr beinhaltet
hat.
Er wird „der Blutlose“, „Kvothe der
Arkane“ und „Kvothe der Königsmörder“ genannt und es wird immer wieder von
Geschichten erzählt, in denen er genannt wird.
Bast wird als junger Typ beschrieben. Er
nennt Kote in der Öffentlichkeit seinen Herrn, aber untereinander sind sie eher
wie Schüler und Lehrer, wobei Kote ja selber noch total jung ist. Bast nennt
Kote Reshi und er weiß über Kotes Vergangenheit Bescheid. Außerdem lässt er hin
und wieder so seltsame Bemerkungen fallen, dass ich echt ins Grübeln gekommen
bin. Irgendwas ist mit ihm, ich bin mir gar nicht so sicher, ob er wirklich ein
Mensch ist.
Dann ist da noch der Chronist, der eigentlich
Devan Lochees heißt und der Name sagt Kote auch direkt etwas. Der Chronist
taucht in dem Gasthaus auf, er war auf der Suche nach Kvothe und erkennt Kote
auch direkt als diesen und bittet ihn ihm seine Geschichte zu erzählen.
Vermutlich, damit er sie aufschreiben kann, er hat wohl auch schon die
Geschichten von anderen berühmten Männern erzählt bekommen. Der Chronist selber
scheint sehr gutmütig und ziemlich pfiffig, aber eben ein Mann der Tinte und
nicht des Schwertes zu sein.
„Ich bin ein Mythos“, sagt Kvothe von
sich selber zu dem Chronisten und anscheinend ist es auch so, dass man ihn für
tot hält. Außerdem wird eine unglückliche Liebe angedeutet.
Es wird unheimlich viel angedeutet und
ich war zwischendurch richtig aufgeregt, weiterzulesen. Das Buch hat mich total
gepackt. Erzählt wird von einem allwissenden Erzähler und die Kapitellängen
sind unterschiedlich. Allerdings gibt es Trennungszeichen innerhalb der
Kapitel, für Bahnfahrer wie mich, die es verabscheuen mitten drin aussteigen zu
müssen, also sehr gut.
Der Schreibstil ist einfach und doch
irgendwie sehr komplex. Er hat eine gewisse Melancholie, die super gut zu Kote
passt und zwischendrin gab es so Sätze, wo ich einfach Gänsehaut hatte.

„Im Herbst ist alles müde und bereit zu sterben.“
(S. 51)

Kote stimmt schließlich zu, dem
Chronisten seine Geschichte zu erzählen und so erfahren wir alles von Anfang
an, mit Kote, wie ein ganz „normales“ Buch. Hin und wieder kommt ein kurzes
Kapitel, wo man dann wieder im Wirtshaus im Jetzt ist, die Reaktionen des
Chronisten und auch von Bast erfährt und dann taucht man wieder in Kotes Leben
ein. Die Erzählung ist sehr komplex. Es gibt Geschichten innerhalb der
Geschichten und viele Informationen. Die Chandrian, scheinen die Bösen zu
seinen, in meinem Kopf sind sie irgendwie wie die Reiter der Nazgul. Ich bin
total gespannt, ob und wie Kvothe sie stellen wird!
Was ich noch sagen muss ist, dass es in
diesem Buch auch einiges an Wissenschaft ist. Kvothe besucht die Uni und lernt
dort jede Menge, ich kann die Begriffe nicht mal aussprechen geschweige denn
genau definieren, was damit jetzt gemeint ist. Hin und wieder ist es sehr
theoretisch, sehr wissenschaftlich. Mich hat das jetzt nicht groß gestört, wer
aber nach einem großen Schlachtenbuch sucht, sollte das vielleicht beachten.
Nichtsdestotrotz ist es absolut krass,
was sich der Autor hier alles ausgedacht hat. Eine neue Währung, neue Namen für
Tage und dann noch diese ganzen Lehren dazu … riesigen Respekt, das ist
wirklich irre!

Wer eine kurzweilige Ablenkung sucht,
ein Zugbuch für zwischendurch oder eine romantische Liebesgeschichte ist hier
falsch
. Der Name des Windes ist ein 860 Seiten Wälzer, der Konzentration
erfordert. Wer aber gerne in einer Welt voller Helden, Straßenmusiker, Geschichtenerzähler
und Magie eintauchen möchte, wer einen Straßenjunge über die Dächer einer
verdorbenen Stadt folgen möchte, wer die Geschichte der Chandrian ergründen
will und von Lanre dem gefallenen Helden, wer sich mitreißen lassen will und
bereit ist am Ende des Buches mit knurrendem Magen und Herzklopfen mitten in
der Nacht wieder in der Wirklichkeit aufzutauchen, der ist hier absolut
richtig!
Dieses Buch ist gigantisch und ich bin
schon seit den ersten Seiten ein totaler Patrick Rothfuss Fan. High Fantasy im
klassischen Still mit viel Humor, jeder Menge Einfallsreichtum, bild- und
sprachgewaltig. Patrick Rothfuss ist nichts für nebenbei. Man muss sich auf die
Geschichte einlassen und sich Zeit nehmen. Und dann wird sie einen völlig
mitreißen und in eine Welt voller Magie und Helden mitnehmen, aus der es schwer
fällt wieder aufzutauchen. Fünf Bücher von mir für eine geniale High Fantasy
Geschichte. Ich empfehle „Der Name des Windes“ für einen langen Tag in einer
anderen Welt, mit ganz viel Eistee und griffbereiten Snacks.
Der Name des Windes
Die Musik der Stille
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8 KOMMENTARE

  1. Hey Lizzy,

    ich bin überrascht. Ich hätte nicht erwartet hier eine Rezension von "Der Name des Windes" zu finden. Wenn ich dieses Buch mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es #Liebe
    Ich habe damals (mir kommt es zumindest vor wie eine halbe Ewigkeit, dabei sind es nur ein paar Jahre) meine Schwester dazu genötigt es auch zu lesen. Sie hasst mich bis heute dafür. Wir sind Kvothe beide schamlos verfallen, und warten Tag für Tag auf den "3. Tag" 😉
    Das Hörbuch zu allen Bänden ist übrigens auch genial gesprochen!
    Danke für dieses schöne Rezi, und wenn du mich mal auf der Messe triffst, ich bin die mit dem "The Eolian" T-Shirt xD

    Sonnige Grüße
    Kerstin

    • Hu Kerstin♡ was, wieso überrascht? O.o weil ich hier sonst noch nix High Fantasy artiges rezensiert habe? Ich habe früher nur High Fantasy gelesen und geliebt *-* aber in den letzten Jahren hab ich leider festgestellt, dass ich mich auf solche Bücher während den Zugfahrten nicht gut konzentrieren kann, weil sie einfach so komplex sind. Vielleicht ist das Übungssache? Ich will auf jeden Fall wieder mehr davon lesen ♡ Kennst du die Ulldart Reihe von Markus Heitz? Die habe ich SO geliebt! *-*
      Aahh so ein Shirt will ich auch ! 😀
      Sternenleuchtengrüße♡
      Liz

    • Hey Lizzy,

      nein nicht weil es ein High Fantasy Buch ist, sondern weil es ja schon echt älter ist. Die Ulldart Reihe kenne ich nicht. Klingt als wäre das ein Fehler xD

      Ich beneide dich grad, weil du noch soviel Kvothe vor dir hast. Seufz.

  2. Achsoo ^-^ ich muss gestehen, dass ich es letztes Jahr schoneinmal gelesen habe, aber da hab ich noch nicht für Steffi Rezis geschrieben 😉
    Ein Buch noch *-* Die Furcht des Weisen Band 1 habe ich gestern beendet ♡
    Lies die mal, die ist gut *-* kannst du noch was im Kvothe Style empfehlen?

    • Also was Kvothe vergleichbares ist mir nie wieder begegnet. Ich bin dann aber auch eher zum "Romantasy" Genre übergegangen, das ist alltagstauglicher. Kvothe geht, so wie du sagst, nicht nebenbei.

      Das Schwert der Wahrheit, Herr der Ringe, Drachenelfen etc. das waren früher meiner High Fantasy Ausflüge. 😉

  3. Hallo Lizzy <3
    Oh, diese Rezension erinnert mich daran, dass ich auch noch eine zu "Der Name des Windes" und der Fortsetzung in petto habe. War bisher nur zu faul, sie zu schreiben 🙂

    Das Buch ist fantastisch – da hast du Recht. Gerade deswegen, weil es wirklich eine "Lebensgeschichte" ist, eine Nacherzählung. Ich liebe Kvothe wirklich sehr, vor allem im zweiten Band – auch wenn dieser meiner Meinung schwächer ist als der erste. Patrick Rothfuss kann so unglaublich toll schreiben 😀

    Viele Grüße
    Sophia

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