♂ Dark Noise (Margit Ruile) [Rezension]

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„Er trat in eine Pfütze und seine
Turnschuhe sogen sich voll. Die nasse Straße war übergossen mit Farben. Grün
und rot. Das flackernde Blau eines Krankenwagens. Verschwimmendes Licht im
Wasser. Leicht zu imitieren.“
(S.16)
Zafer führt ein langweiliges und
zurückgezogenes Leben. Seine Arbeit besteht darin, Werbung aus den Staffeln
einer alten Fernsehserie zu retuschieren. Ein bisschen Abwechslung bei diesem
Auftrag findet er darin, kleine Monster, die nur für Millisekunden zu sehen
sind, in die Bilder der Serie einzubauen.

Nun erhält Zafer eine Mail mit einem
mysteriösen Auftrag. Erst soll er ein Autokennzeichen auf dem Video einer
Überwachungskamera unkenntlich machen und als nächstes einen Mann auf einen
Überwachungsfilm einer Tiefgarage einfügen. Er spürt, dass die Sache nicht ganz
sauber sein kann. Doch nun ist es zu spät. Zafer ist in etwas hineingeraten,
was er sich bisher nicht vorstellen konnte. Und auch Emily, auf die Zafer
trifft, scheint ein Geheimnis zu haben.
Von „Dark Noise“ habe ich das erste Mal
auf der Buchmesse in Frankfurt gehört. Das Thema klang spannend und so dachte
ich mir, dass die Geschichte etwas für mich sein könnte. Nun war das Buch bei
mir und begann die ersten Seiten zu lesen.
Ich schlug auch gleich im Leben von
Zafer auf und erlebte seinen tristen Alltag. Zafer ist ziemlich introvertiert
und lebt zurückgezogen. Pizza bestellt er am liebsten online, er telefoniert
nicht gern. Allgemein mag er es nicht, unter Menschen zu sein.
Als er diesen seltsamen Auftrag per E-Mail
bekommt, denkt er sich vorerst nichts dabei. Ein komisches Gefühl hat er aber
dennoch. Und so gerät er in einen Strudel von Machenschaften, die auch ihm
gefährlich werden können.
Als Zafer auf Emily trifft, werden
bisher verborgene Gefühle in ihm geweckt. Auch Emily scheint nicht abgeneigt zu
sein. Doch Zafer fehlen die zwischenmenschlichen Erfahrungen, die Dinge nehmen
deshalb ihren eigenen Verlauf.
Margit Ruile nutzt für ihre Geschichte
anfangs die konsequente Sicht von Zafer in dritter Person Vergangenheit. Ein
auktorialer Erzähler wird dabei zwischendrin immer wieder eingeblendet. Nach
einiger Zeit folgt eine Ich-Perspektive von Emily in Vergangenheitsform und
übernimmt zeitweise die Führung.
„Dark Noise“ erlebte ich in großen
Teilen als eher ruhige Geschichte, dabei jedoch mit interessanten Handlungsfäden
und Entwicklungen. Immer wieder zieht die Autorin das Tempo an, beruhigt das
Geschehen dann wieder.
Zafer spürt zusehends, dass er auf eine
Seite geraten ist, auf der er nie sein wollte. Aber er hat keine Chance mehr
auf eine Rückabwicklung. Egal welche Entscheidung er trifft, verloren hat er in
jedem Fall. Aber auch Emily ist nicht ganz ehrlich. An sich haben Zafer und
Emily mehr gemeinsam, als sie auf den ersten Blick erkennen.
„Dark Noise“ weist unterschwellig immer
wieder auf die Gefahren zunehmender Digitalisierung hin, die zwangsläufig auch
zu einem Überwachungszwang führt. Nichts ist mehr unmöglich, jeder kann jederzeit
aufgespürt werden. Alles dabei hat natürlich Vor- und Nachteile. Es kommt immer
darauf an, wie Technik genutzt wird.

Margit Ruile beendet
ihre Geschichte dann so, wie man es sich wünschen kann. Nach einem
aufflackernden Showdown führte mich die Autorin sicher über die Ziellinie. Nun
kann ich das Buch nach schönen Lesestunden zurück in mein Regal stellen.

Dark Noise“ glänzt nicht durch
spannungsgeladene Action, erzählt dennoch eine interessante und
nachvollziehbare Handlung, die mich für sich einnehmen konnte. Meine Lesestunden
mit Zafer und Emily sind mir deshalb auf jeden Fall 4 Bücher wert.
Für alle, die sich dem technischen
Fortschritt nicht verschließen, dabei die Gefahren nicht außer Acht lassen und
Risiken eingehen können.

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14 KOMMENTARE

    • Hallo Timo,

      vielen Dank für das Lob 🙂 Ja, die Geschichte hat sich schon auf der Messe interessant angehört. Da konnte ich nicht dran vorbei…Und es hat sich sowas von gelohnt 🙂

      Liebe Grüße,
      Kay

  1. Wie immer eine schöne Rezension! 🙂
    Auf den ersten Blick hat mich das Buch gar nicht angesprochen, auf den zweiten Blick habe ich jetzt doch ein wenig Lust bekommen, es zu lesen.

  2. Hallo Kay,

    wieder einmal eine schöne Rezi. Das Buch klingt zwar durchaus interessant, aber ich denke bei mir wird es wohl eher nicht einziehen. Es entspricht dann doch nicht so ganz meinem Büchergeschmack. 😉

    Liebe Grüße,
    ruby

  3. Der Schreibstil und die ganze Art der Geschichte hat mir auch sehr gut gefallen, das Thema fand ich spannend und interessant, leider hat für mich die Umsetzung etwas gehackt. Das Ende passte meiner Meinung nicht so gut in das Geschehen und war etwas übertrieben. Auch hätte ich mir etwas mehr erhofft…

    Aber im Großen und Ganzen kan ich dir zustimmen 😉

    Liebe Grüße,
    Jen

    • Hallo Jen,

      kann mir diese Gedanken auch gut vorstellen. Da kann man echt geteilter Meinung sein. Aber schön, dass dir die Geschichte im Großen und Ganzen dann doch gefallen hat 🙂

      Liebe Grüße
      Kay

  4. Dark Noise hat mich durchaus gut unterhalten und irgendwie mochte ich diese ruhigere Erzählweise. Deine Rezension habe ich auf meinem Blog verlinkt, ich hoffe es wird dich etwas freuen.

    Liebe Grüße

    Nisnis

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