♂ Afterparty (Daryl Gregory) [Rezension]

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„Manche Nervenbahnen sind so alt, die
Rinnen so tief eingegraben, dass wir nicht um die Erkenntnis herumkommen, in
erster Linie Tiere zu sein. Denken, Wille, Selbstbeherrschung? Die sind alle
erst später zur evolutionären Party eingetrudelt.“
(S.105)
Jeder kann sich seine Drogen – legale wie
illegale – mittlerweile ausdrucken. Die Smart-Drug-Revolution macht es möglich.
Und in dieser Zeit arbeitet eine kleine Firma an der Entwicklung eines neuen
Stoffes – N M E 110, später Numen genannt.
Lyda war gemeinsam mit ihrer Frau Mikala
an der Entwicklung von Numen beteiligt. Nach dieser verhängnisvollen Party mit
einer Überdosis der Droge ist Dr. Gloria, ihr persönlicher Engel, immer an
ihrer Seite und Lyda in psychiatrischer Behandlung. Numen sollte nicht weiter
vertrieben werden.

Plötzlich scheint jemand
die Droge wieder auf den Markt zu bringen. Lyda versucht, die weitere
Ausbreitung zu verhindern. Doch um die Verbreitung zu stoppen muss sie den
Verursacher finden – und dafür Gesetze brechen. Die Verfolgungsjagd beginnt.
Und nicht nur Lyda ist auf der Jagd.

Einmal mehr bin ich mit „Afterparty“ auf
ein Buch gestoßen, dass ich so gar nicht auf dem Zettel hatte. Die Story hörte
sich jedoch interessant an. Und da ich nun neugierig geworden war, wollte ich
auch unbedingt wissen, welche Geschichte sich hier verbirgt.
So las ich in die ersten Seiten hinein
und fühlte mich nach kurzem so, wie man sich nach einem Drogentrip fühlen muss.
Die erste Überraschung für mich war Dr. Gloria, die ich an sich erst als reale
Person empfunden hatte. Mein Erstaunen war groß, als sie sich als imaginärer
Engel entlarvte, immer an der Seite von Lyda nach dieser verhängnisvollen
Überdosis auf dieser Party. Ab hier begann für mich dann dieses psychedelisch
angehauchte Buchexperiment.
Daryl Gregory setzt sodann auch
fortwährend auf diese psychisch dominierte Note und lässt vorrangig die nach
der Überdosis angeschlagene Lyda ihre Erlebnisse aus Ich-Perspektive in
Vergangenheitsform erzählen. Ab und an durften andere Sichten ebenfalls in
Vergangenheitsform, jedoch in dritter Person, ein kurzes Intermezzo
einflechten. Der Drogenbackground allerdings machte es mir fortwährend nicht
immer ganz einfach, Einblicke in die Absichten der handelnden Personen zu
erhalten bzw. deren Entscheidungen und Handeln vollends nachzuvollziehen.
Insofern entwickelte sich selbst zu der aus ihrer Perspektive erzählenden Lyda
eine gewisse Distanz, die sich bis zum Ende nur unmerklich verringern ließ.
Die Idee des Autors ist auf jeden Fall
wirklich gut und auch nachvollziehbar. Ich kann nur wortwörtlich sagen „Gnade
uns Gott“, wenn unsere Entwicklung tatsächlich eines Tages in diese Richtung steuern
sollte. Was wie Science Fiction klingt, ist im Kleinen sicherlich ansatzweise
auch heute schon möglich. Die Nebenwirkung von N M E 110 – Numen – ist tatsächlich
heftig. LSD und Co. scheinen wie ein Kindergeburtstag neben den von Daryl
Gregory geschilderten Wirkungen der vorhandenen Substanzen. Nach der Einnahme
fühlt man sich wie von einem göttlichen Wesen begleitet, das über einen wacht. Ein
Entzug bringt die enormsten Nebenwirkungen mit sich. Bis hin zum Selbstmord.
Der Autor nutzte die guten Ansätze
seiner Idee überwiegend und trieb die Geschichte beständig voran. Kleine
Längentäler konnte ich durchschreiten und blieb am Ball. Aus meiner Sicht hat
die Geschichte eine Menge Potential, das stellenweise leider nur zu einem
kleinen Teil genutzt wurde. Dennoch wurden Verstrickungen gut inszeniert und
meine Leseneugier war ungebrochen. Auch zog die Spannung immer wieder an
passenden Stellen an. Wirklich gut fand ich die eingebauten Rückblicke in die
Vergangenheit der Charaktere, so dass sich das eine oder andere Puzzleteilchen
nach und nach zusammensetzte.

Zum Ende hin lässt der Autor
die Spannung nochmal enorm ansteigen, baut Überraschungen in den Verlauf ein,
bevor er die Geschichte beruhigt und in sich abgeschlossen ausklingen lässt. Ein
Ende, wie man es sich nur wünschen kann.

Afterparty“ hinterließ bei mir einen
tiefen Eindruck, verursacht durch bewusstseinsverändernde Substanzen vermischt
mit psychedelischen Ansätzen, die mitunter erschreckende Ausmaße annahmen. Diesen
Eingriff in meine Psyche belohne ich mit knappen 4 Büchern.
Für alle, die keine Angst vor den Folgen
ihres Handelns haben, dabei jegliche Risiken auf sich nehmen und das eigene
Wesen akzeptieren.

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