♂ Camp 21 – Grenzenlos gefangen (Rainer Wekwerth) [Rezension]

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„Vor den Häusern lag ein weitläufiger
asphaltierter Platz, auf dem mehrere Fahrzeuge standen. Weiter hinten vor dem
Umriss des nahen Waldes machte er einen Sportplatz aus. Mitten in der Nacht
wirkte das Gelände düster und feindselig, mehr wie ein Gefangenenlager für
Kriegsgefangene als ein Jugendcamp.“
(S.57)
Die Brüder Mike und Ricky schwänzen die
Schule und machen eine Spritztour mit dem Auto ihres Vaters. Als sie von einer
Polizeistreife angehalten werden, eskaliert die Situation.
Kayla kann ihren guten Freund Tom, von
dem sie seit Monaten nichts gehört hat, vor dem Drogentod retten. Doch indem
sie Tom getroffen und geholfen hat, hat sie das Kontaktverbot zu ihrem Freund,
das ihre Eltern ausgesprochen hatten, gebrochen. Ihre Eltern ziehen nun
entsprechende Konsequenzen und fassen einen Entschluss.
Kaum im Camp angekommen, gibt es den
ersten Ärger. Ricky wird daraufhin mit Isolation bestraft. Mike sorgt sich um
Ricky, doch die Tage vergehen ohne dass er etwas von seinem Bruder hört.
Auch Kayla befindet sich nun im Camp und
versucht, die Strapazen zu überstehen. Denn jeder muss für sich selbst kämpfen.
Und dann gibt es da noch die Gerüchte über Camp 21. Ein Camp mit besonderen
Methoden für besonders harte Fälle.
Bereits die Labyrinth-Reihe von Rainer
Wekwerth konnte mich begeistern. Als ich nun von „Camp 21 – Grenzenlos
gefangen“ gehört hatte, wusste ich, dass es eine Geschichte ist, die ich mir
näher anschauen musste. Nun war das Buch bei mir und ich konnte sofort mit dem
Lesen beginnen.
Und so befand ich mich mit den Brüdern
Mike und Ricky auf einem Trip mit dem Auto ihres Vaters, der sich auf einer
Geschäftsreise befand. Dass dieser Ausflug zu einem bizarren Ende kommen würde,
war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Doch dann taucht unvermittelt
eine Polizeistreife auf und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Den Brüdern werden
verschiedene Straftaten zur Last gelegt und so steht als Alternative zum
Jugendknast nur ein 6-monatiger Aufenthalt in einem Jugendcamp zur Auswahl.
Auch Kayla lernte ich recht schnell
kennen. Getrieben von dem Gedanken, ihrem Freund Tom zu helfen, missachtet sie
das von ihren Eltern auferlegte Verbot. Als Konsequenz daraus muss sie
ungläubig erleben, was sich ihre Eltern als Bestrafung ausgedacht haben.
Und so finden sich die Jugendlichen aus,
meinem Empfinden nach geringen oder sogar keinen, Rechtsbrüchen in einem
Erziehungscamp wider. Schnell wird klar, dass die Jugendlichen völlig der
Willkür ihrer Aufpasser ausgesetzt sind. Die Regeln werden eng ausgelegt,
Strafen sind an der Tagesordnung. Wer die Regeln verletzt, schwebt allerdings
noch in einer größeren Gefahr. Denn es kursieren Gerüchte über ein weiteres
Lager – Camp 21. Hier kümmert man sich um die wirklich harten Fälle, mit
besonderen Methoden.
Rainer Wekwerth fügte seiner Geschichte
verschiedene Sichtweisen, die jeweils in dritter Person in Vergangenheitsform
dargestellt werden, ein. Der interessante Grundgedanke und Handlungsansatz ließ
von Beginn an eine bedrohliche Stimmung aufkommen, die ich bis zum Ende hin
fühlte. Auch wenn ich mir bei den Charakteren insgesamt etwas mehr Tiefe und
Hintergründe gewünscht hätte, beeinflusste dies meinen Lesefluss nicht. Die
Handlungen waren dem Grunde nach zum Großteil nachvollziehbar geschildert. Das Martyrium
der Jugendlichen konnte spürbar nahegebracht werden.
Mike ist ein besonnener Charakter, der
sich versucht in sein Schicksal zu fügen. Das absolute Gegenteil zu Mike ist
sein Bruder Ricky, der eher impulsiv reagiert. Insofern konnte es nicht lange
dauern, bis Ricky in große Schwierigkeiten gerät. Die Sorge von Mike um Ricky
ist nachvollziehbar groß, als die beiden Brüder getrennt werden. Mike ist zum
Handeln gezwungen, wenn er seinem Bruder helfen will. Dass Kayla als
Kollateralschaden nun ebenfalls betroffen sein würde, war so nicht geplant. Ihre
Stimmung in Richtung Mike ist damit verstehbar, auch wenn ich bei der weiteren
Entwicklung zwischen den beiden ein wenig ins Stolpern geriet, weil mir einige
Handlungen zwischen den Charakteren dann doch zu schnell verliefen.
Rainer Wekwerth hat mit „Camp 21 –
Grenzenlos gefangen“ wiederum eine solide Geschichte geliefert, deren Sog man
sich kaum entziehen kann und die mir spannende Lesestunden bescherte. Auch mit
dem Ende wählte der Autor sodann einen konsequenten Abschluss, der treffender
nicht hätte sein können. Insofern kann ich mich nun absolut lesebefriedigt von
„Camp 21“ verabschieden und die Geschichte in guter Erinnerung behalten.
Camp 21 – Grenzenlos gefangen“ punktet
mit einer bedrohlichen Atmosphäre und einer soliden Grundidee, die mir
spannende Lesestunden bescherten. Für meine Erlebnisse an der Seite von Kayla
und Mike vergebe ich deshalb solide 4 Bücher.

Für alle, die sich in
ihren Handlungen nicht einengen lassen, willkürliche Bestrafungen ertragen
können und dabei ihre Menschlichkeit nicht verlieren.

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14 KOMMENTARE

  1. Ich bin ja ein großer Fan des Autors, seit ich 2013 bei einer Lesung von ihm auf der Leipziger Buchmesse mitlesen durfte 🙂
    Freue mich schon sehr auf sein neues Jugendbuch!

  2. Ich mag ja Bücher mit bedrohlicher Atmosphäre so gerne! Das ist fast ein Garant für spannende Lesestunden. Ach ja, auf der Messe war die Arena Vorstellung so wunderbar. Kann mich gar nicht entscheiden, was ich davon alles lesen will 🙂
    LG
    Damaris

  3. Hey meine Liebe,

    mich reizt das Buch durchaus und deine Rezi macht Lust auf mehr, wenn ich mir auch nicht sicher bin ob die Charaktere mich vollends überzeugen können. Dennoch werde ich mir die Geschichte mal anschauen und selber herausfinden, ob ich überzeugt werden kann.

    Liebe Grüße,
    Ruby

  4. Huhu Kay,

    danke für diese wunderbare und ehrliche Rezension! Ich hatte bisher nur "Blink of Time" von Rainer Wekwerth gelesen und fand es großartig. Seine "Labyrinth-Trilogie" steht schon ganz oben auf meiner WuLi. Nach deiner großartigen Rezi habe ich echt Lust bekommen, wieder einen Wekwerthroman zu lesen. Vielen Dank!

    Schön, dass es dir so gut gefallen hat. Wird "Camp 21" ein Einzelband bleiben? Weißt du das?

    Alles Liebe,
    Caterina

    • Huhu Cata,

      bei so viel Lob werde ich ja richtig rot…Dankeschön ☺ Hier solltest du auf jeden Fall zugreifen, die Geschichte ist wirklich gut! Und es ist als Einzelband geplant 😉

      Liebe Grüße,
      Kay

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