♀ Ein Meer aus Tinte und Gold – Das Buch von Kelanna (Traci Chee)[Rezension]

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„Dies ist ein Buch.“
(S. 52, 53, …) 
In Kelanna kann niemand lesen, es gibt
keine Bücher, niemand weiß, dass es das Wort „Buch“ überhaupt gibt.
Doch für den eckigen Gegenstand, den
Sefia in ihrem Rucksack hat, sind schon sehr viele gestorben.
Nun ist Sefia allein, verfolgt die
Entführer ihrer Tante und lernt nebenbei, wie man liest.
„Dies ist ein Buch“ sind die
ersten Worte in dem viereckigen Ding, die sie entziffern kann. Und in diesem
Buch steht eine ganz besondere Geschichte, die sie auch mit dem gefolterten
stummen Jungen teilt, den sie vor Verbrechern gerettet hat und Archer nennt.

Lon hat eine Gabe, mit der er seinen
Lebensunterhalt verdient, bis seine Eltern hoffentlich zurückkehren. Er weiß
Dinge, die er nicht wissen sollte. So trifft er eines Tages auf einen Mann, der
ihm ein Angebot macht. Sie würden gemeinsam Großes vollbringen. Er nimmt Lon
mit an einem Ort namens Bibliothek.
Nur sehr selten fiel mir ein Einstieg in
eine Welt so schwer wie in die aus „Tinte und Gold“.
Schon zu Beginn wird man in eine so
fremde Welt geworfen und mit kleinen Informationshäppchen und zu vielen Details
abgespeist, die schwer zu erfassen sind. Hinzu kommen die wechselnden
Handlungsorte, eigene Handlungsstränge, die später alle zum großen Ganzen
gehören, zu Beginn jedoch, insbesondere wenn man nicht am Stück lesen kann,
mehr verwirren – und leider auch Langeweile verursachen – als Spannung zu
schüren.
Das einzige, das mich diese Durststrecke
hat durchhalten lassen, war das Buch selbst. Denn es steckt von Beginn an
voller wundervoller Details, die mich neugierig auf mehr – und auf einen
späteren Sinn – gemacht haben.
Details wie die geschwärzte Stelle auf
Seite 37, 
Fingerabdrücke unter anderem auf Seite 52, 
die optisch angepassten
Seiten des „Buches im Buch“… All das faszinierte mich ebenfalls wie die teils
großgedruckten, handschriftlichen Wörter, das Verschwinden von ihnen, 
oder die ganz besonderen
Seitenzahlen, die für sich auch eine Geschichte ergeben.
Als die Handlungsstränge sich dann
verflochten, war ich zunächst begeistert über die kreative Idee und den Aufbau
der Geschichte, wurde dann in meiner Freude ausgebremst, weil von diesem Moment
an doch sehr viel vorhersehbar war. Traci Chee konnte gut umschreiben,
offensichtliche Nennungen verhindern, doch ab jenem Moment war tatsächlich
alles durchschaubar. Meine Neugierde auf Weiteres trübte sich zwar ein wenig,
aber sie war dennoch da. Ich musste einfach wissen, wie es wirklich mit den
Figuren weiterging und ob ich Recht hatte.
Im weiteren Verlauf konnte mich die
Autorin dann tatsächlich noch fesseln, die Charaktere waren mir inzwischen
bekannt und teils auch ans Herz gewachsen, dass ich mit ihnen etwas mitfiebern
konnte, was mir anfangs einfach nicht hatte gelingen wollen, da es nicht gerade
wenige sind und sie auch – insbesondere vom ersten Eindruck her – nicht alle wirkliche
Sympathieträger sind. Eine wirkliche, echte Bindung konnte ich jedoch zu keiner
einzigen Figur entwickeln.
Der Stil der Autorin ist eher
literarisch, sie umschreibt mit für meinen Geschmack zu ausgefallenen
Vergleichen und so konnte mich die von ihr gewünschte Atmosphäre nicht vollends
packen. Auch schwingt zwischen den Zeilen neben der im Buch direkt erwähnten Magie
auch kühle Brutalität mit: Blut, Kampf ums Überleben, Tode, die vielleicht
durch jene spezielle Atmosphäre schlimmer wirkten als sie waren.
Zwischen all dem gibt es jedoch auch
Hoffnung: eine Rettung, eine Freundschaft und vielleicht sogar irgendwann mehr…
ich mochte die Momente zwischen Sefia und Archer, dem stummen Jungen, der so
Grausames mitgemacht hat. Durch den sehr langsamen Fortgang der Geschichte
konnte ich mich an der Entwicklung der beiden entlanghangeln, sie zogen mich
mit sich, mit in ihre Geschichte.

Das Ende war dann für einen kurzen
Moment doch überraschend. Ob ich wirklich zur Fortsetzung greifen werde, kann
ich jedoch noch nicht mit Bestimmtheit sagen.
Traci Chee machte es mir nicht leicht,
mich in ihrer Welt zu verlieren. Ich empfehle, sich insbesondere für den
Einstieg ins „Meer aus Tinte und Gold“ Zeit zu nehmen, einzutauchen
und sich von den goldenen Lichtwellen überrollen zu lassen. Für meinen
Geschmack jedoch lag der Fokus zu sehr auf der Sprache als auf dem Fortgang der
Geschichte. Spannung war für mich kaum vorhanden. Die wundervollen optischen
Details im Buch entschädigen jedoch für die zu häufig auftretenden Längen. Drei
Bücher
für „Das Buch von Kelanna Band 1: Ein Meer aus Tinte und Gold“
1. Ein Meer aus Tinte und Gold
2. ? Titel auch im Original noch nicht
erschienen
3. ? Titel auch im Original noch nicht
erschienen

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23 KOMMENTARE

  1. Guten Morgen! 🙂
    Schade, dass dich das Buch nicht ganz überzeugt hat. Die Aufmachung ist allerdings absolut wundervoll, da stimme ich dir zu. Ich hab "Ein Meer aus Tinte und Gold" auch noch ungelesen hier stehen und bin schon sehr gespannt, wie es mir gefallen wird.
    Schöne Rezension!
    Liebe Grüße,
    Binzi

    • Es darf dank der Aufmachung auch tatsächlich im Regal bleiben. Und bei der Fortsetzung warte ich auf die ersten Rezensionen.

      Ich drücke dir die Daumen, dass es dich mehr begeistern kann.

      Liebe Grüße

      Steffi

  2. Leider geht es mir bisher ähnlich. Ich hänge schon seit Wochen auf Seite 100 herum fest und kann mich nicht so richtig aufraffen weiterzulesen (bei der englischen Ausgabe). Auch im Original ist die Aufmachung sehr hübsch. An sich ist die Buchidee auch schön gemacht, aber am Gesamtpaket für ein überzeugendes Buch hapert es. Aber ich werde demnächst noch einen Anlauf starten.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Mir tut es um das wunderschöne Buch ja auch leid.
      Aber man kann ja auch nicht erwarten, dass jemand komplett am Stück liest.
      Ich bin so froh, dass es nicht nur mir so erging.
      Hast du rezensiert?

      Ganz liebe Grüße

      Steffi

  3. Hey meine Liebe,

    das Buch klang insgesamt sehr interessant, aber ich habe jetzt schon von ein paar Leuten gehört dass es nicht soo gut sein soll. Daher werde ich wohl von diesem Buch Abstand nehmen 😉

    Aber die Aufmachung ist natürlich echt klasse.

    Liebe Grüße,
    Ruby

  4. Hallo Steffi.
    erst gestern war ich etwas traurig gestimmt, dass ich noch nicht dazu gekommen bin, mir das Buch zuzulegen. Aber der Oktober und der November brachten so viele Neuerscheinungen mit sich, dass ich gar nicht mehr nachkomme.
    Heute wollte ich einfach mal schauen, wie das Buch bisher ankommt und so bin ich hier bei dir gelandet.
    Es ist sehr schade, dass die Geschichte nicht mit der Aufmachung mithalten kann. Und ganz offensichtlich bist du mit deinem Empfinden nicht allein, wenn ich die Kommentare hier dazu lese.
    Ganz mag ich das Buch nicht streichen, aber vielleicht warte ich einfach noch etwas ab. Bis zur Fortsetzung scheint es ja noch etwas hin zu sein.
    Danke für deine offene Rezension, bei der du Positives wie Negatives sehr gut ausgearbeitet hast.
    Liebste Grüße, Hibi

  5. Also ich hab das Buch in nur zwei Tagen verschlungen, weil es mir SO gut gefällen hat! Schade, dass es nicht jedem Leser so erging wie mir. Doch ich persönlich finde die Geschichte super und empfehle es sehr wohl weiter! Die Charaktere, die Zeit- und Ortswechsel, das bildlich beschriebene Umfeld… Alles hat mich begeistert!

  6. Ich habe das Buch auch gelesen und ich fand es schlichtweg umwerfend. Es ist endlich mal ein ganz anderes Buch. Bei den vielen Jugendbüchern heutzutage ist es schwierig etwas völlig anderes zu finden. Ich gebe zu, dass es schwierig ist alle Personen im Kopf zu behalten, aber gerade das macht es spannend und man beschäftigt sich mehr mit dem Buch, weil es kein "ich lese es mal an einem Tag durch" Buch ist. Das am Anfang unmöglich aufzulösende Rätsel über die Charaktere, Sefias Geschichte und die Magie des Lesens fügt sich Stück für Stück zusammen bis alles logisch klingt. Ein Meisterwerk, dass als Autor zu schaffen!

    • Ich bin nur vor allem ein Fan von Handlung und Überraschungen. Wenn so gar nichts vorangeht – und dazu der Text noch so vorhersehbar ist – langweile ich mich.

      Ich freue mich, dass es dir so gefallen hat 🙂

      Liebe Grüße

      Steffi

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