♀ Blue Screen – Mirador #1 (Dan Wells) [Rezension]

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Das Los Angeles des Jahres 2050 hat sich
zu einer gigantischen Megacity entwickelt, in der rund um die Uhr Nulis
herumschweben. Kleine Roboterdrohnen, die so ziemlich alles erledigen, was
früher Menschen tun mussten. Genauso sieht es in den Fabriken aus. Auch dort
ist alles roboterisiert/automatisiert.
Die Arbeitslosenquote ist in einer Welt,
in denen Roboter alles erledigen, gigantisch und die Schule nicht unbedingt ein
Weg, der zum Erfolg führt.
Marisa lebt in dieser Welt. 24 Stunden
am Tag mit ihren Freunden vernetzt über das implantierte Djinni in ihrem Kopf. Mit
ihm steuert man einfach alles, wird von Werbepopups belästigt oder immer und
überall aufgespürt.

Doch Marisa ist nicht nur Teil einer Gamer-Gruppe, sie ist auch eine Hackerin. Daher
erkennt sie auch ziemlich schnell, dass das, was den Kids als Droge „Blue
Screen“ als Möglichkeit zum „Abschalten“ dient, weit mehr ist. Und plötzlich
sehen sich Marisa und ihre Freunde einem übermächtigen Gegner gegenüber, der
nichts Gutes im Sinn hat.
Der Klappentext versprach ein
interessantes Zukunftsszenario, das nicht allzu abwegig klingt. So ist schon
Eva Siegmunds „Pandora“ auf denselben Schluss zur Weiterentwicklung des
Smartphones (als Implantat) gekommen und in „The Evil Me“ wird ebenfalls genau
das thematisiert.
Dennoch liegt der Fokus in jedem dieser
Bücher auf einem anderen Part. So auch in der von Dan Wells erschaffenen Welt,
die insbesondere von den äußeren Umständen und den enormen Schattenseiten der
Technisierung erzählt. Das Stadtbild des Los Angeles‘ der Zukunft wird von fliegenden
Robotern, den Nulis, geprägt. Sie machen einfach alles, während die Menschen
sich in autonomen Fahrzeugen durch die Gegend kutschieren lassen – sofern sie
denn das Geld aufbringen können, ein solches zu besitzen. Denn durch die Automatisierung
aller Fabriken gibt es kaum Jobs und Einnahmequellen – außer der ‚Anstellung‘
bei diversen Gangs.
All die Technik wird mit einem Blinzeln und
Aktivieren der in den Kopf implantierten „Djinnis“ gesteuert. Gespielt wird in
virtuellen Welten, die das Geschehen dank vernetzten Sinnen hautnah miterleben
lassen.
Insbesondere am Anfang war mir das ganze
Spiele/Gamer-Szenario, Marisas Hobby, etwas zu viel. Ich spiele nicht und daher
konnte ich nur hoffen, dass Marisa und ihre Freunde bald weniger Zeit in der
Spielwelt verbringen. Und mein Wunsch wurde erhöht.
Als eine neue Droge ins Spiel kommt, die
für die Nutzer äußerst gefährlich wird.

Zug um Zug erhöht Dan Wells die Spannung, während seine ausgedachte Welt nebenbei
immer detaillierter wird – und schockierender. Rivalisierende Gangs,
Schutzgelder wie zu Mafiazeiten und „Familien“, die bis zum Tod hintereinander
stehen.
Während der Leser bis zu den letzten Kapiteln
nicht wirklich weiß, wer dahintersteckt, gibt der Autor häppchenweise
Informationen, mutet der Stadt Zerstörung und seinen Figuren Schmerz und
Verlust zu und konnte mich so durchweg bei der Stange halten.
Der Schreibstil ist eher an
Jugendlicheren orientiert und ich hatte auch nie das Gefühl, ein Buch für
Erwachsene zu lesen. Einzig die vielen spanischen Begriffe und auch Flüche, die
man teilweise mangels Erklärung einfach so stehen lassen muss, sind untypisch
für ein Jugendbuch. Das Alter der Protagonistin und deren Freunde deuten jedoch
ebenfalls darauf hin.

Der erste Band der „Mirador“-Reihe hätte bis kurz vor Schluss als Standalone
gelten können, doch mit seinem letzten Kapitel hat Dan Wells noch einmal alles
verändert und die Basis für die Fortsetzung geschaffen, auf die ich schon sehr
gespannt bin.
Mit „Blue Screen“ schafft Dan Wells ein
düsteres und bedrückend realitätsnahes Zukunftsszenario, das zum Nachdenken
anregt. Die anfangs durch – für meinen Geschmack – zu viele Gamer-Szenen und –Gespräche
etwas zähe Handlung nimmt im Laufe der Geschichte immer mehr an Fahrt auf und wird
zu einem gelungenen Kampf gegen die moderne Technik. Sehr gute 4 Bücher für den
ersten Band der „Mirador“-Reihe.
1. Blue Screen
2. Originaltitel: Ones and Zeros
?

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2 KOMMENTARE

  1. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich anfangs kurz dachte "Ohje, das wird so gar nicht mein Fall", aber nachdem die ganze Spielerei dann erst einmal in den Hintergrund getreten ist, konnte ich das Buch echt nicht mehr weglegen. Super Anfang der neuen Serie!

    Ganz liebe Grüße an euch beide,
    Svenja

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