♂ Wonderland (Christina Stein) [Rezension]

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„Ihre Worte hallen wider, bemüht, eine
Antwort zu finden, lausche ich in mich hinein, aber da ist nichts, nur ein
großer leerer Raum.“
(S.47)
Die Villa ist ein absoluter Traumort für
eine Party. Jacob hat Liz und ihre Freunde zu diesem Abend eingeladen. Die
Jugendlichen sind begeistert. Nahezu gleichzeitig werden sie später von einer
unerklärlichen Müdigkeit übermannt und schlafen ein.
Am nächsten Morgen jedoch gibt es ein
böses Erwachen. Denn nun befinden sie sich nicht mehr in der Villa, sondern an
einem völlig anderen Ort. Eine hohe Mauer und Stacheldraht umgibt ihr Gefängnis.
Doch es wird noch schlimmer. An jedem zweiten Tag muss jemand aus ihrer Mitte
zum Opfer bestimmt werden. Wer als letztes übrig bleibt, soll reichlich
entlohnt werden.
Die Verzweiflung wächst stetig. Und
auch, wenn Jacob mit ihnen zusammen gefangen ist. Was hat er mit ihrer Situation
zu tun? Denn Jacob hat sie zu dieser unglückseligen Party eingeladen! Doch es
hilft alles nichts, nur ein Opfer macht frei!
Bereits als ich das erste Mal von „Wonderland“
gehört hatte, wusste ich, dass in diesem Buch eine Geschichte für mich stecken
könnte. Neugierig wartete ich nun, dass das Buch den Weg endlich zu mir finden
würde. Nun war es so weit. Kaum war „Wonderland“ eingetroffen, stürzte ich mich
auch gleich in die Seiten.
Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen,
befand ich mich auch schon mitten in der Geschichte. Eine Warmlaufphase
benötigte ich nicht. Ich machte Bekanntschaft mit den wichtigsten Charakteren,
war mitten in einer Party, zu der Jacob eingeladen hatte. Die Party fand an
einem extrem schönen Ort statt. Eine riesengroße Villa mit mehreren Pools und
einem direkten Zugang zu einem eigenen Strandabschnitt am Meer. Und das alles
im sonnenverwöhnten Thailand. Einen besseren Ort hätte man nicht finden können.
Und doch schwelte bei aller
Ausgelassenheit von Beginn an eine spürbare unterdrückte düstere Stimmung mit
hinein. Ich wartete auf den Punkt, an dem die Handlung umschlagen, das
Schicksal seinen Lauf nehmen würde. Allzu lange Wartezeit kostete diese
Entwicklung dann nicht, schnell und unvorhersehbar für sie fanden sich die
Jugendlichen plötzlich eingesperrt wieder, umgeben von einer unbezwingbaren
Mauer. Ein Entkommen war aussichtlos, sie befanden sich nun im absoluten
Gutdünken ihrer Peiniger. Die erste Forderung versetzt sie dann auch in einen
unglaublichen Schockzustand. Sie sollen abstimmen, wer aus der Gruppe geopfert
wird. Und dies soll sich an jedem zweiten Tag wiederholen.
Kaum kann ich beschreiben, welche
Achterbahnfahrt der Emotionen ich beim Lesen dieser Geschichte durchgestanden
habe. Die Handlungen und Entwicklungen wurden von Christina Stein unglaublich
gut beschrieben, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Ihr Schreibstil ist angenehm
und flüssig zu lesen ohne dabei auf die unbedingt erforderlichen harten
Einwürfe zu verzichten. Durch die Erzählung der Geschichte aus wechselnden Ich-Perspektiven
der Protagonisten Liz und Jacob in Gegenwartsform hatte ich immer einen kleinen
Wissensvorsprung vor den Charakteren, der jedoch nichts an der durch die Seiten
wogenden Spannung ändern konnte, zumal hierdurch meine Phantasie zusätzlich
extrem angeheizt wurde. Auch der Einbau einer weiteren Perspektive, der ein
kurzes Intermezzo erlaubt wurde, steigerte das Leseempfinden.
Beim Lesen hatte ich unterbewusst immer
das Gefühl von Verzweiflung, Resignation und Machtlosigkeit. Ich erlebte unglaubliche
Brutalität, emotionslose Entscheidungen über Menschenleben und sah in heftige
Abgründe menschlicher Perversionen. Immer wieder erlebte ich dabei Phasen, in
denen mir einfach die Luft weggeblieben ist, ich fast vergaß zu atmen.
Christina Stein konnte mit ihrer Geschichte einen Bann auf mich ausüben, der
mich absolut an die Handlungen fesseln konnte und mitfiebern ließ. Geschockt
über so viel von Menschen ausgehender Grausamkeit flog ich förmlich durch die
Seiten, konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Immer wieder ließ Christina Stein Rückblicke
aus der Vergangenheit der Charaktere in die Handlung einfließen, die mitunter
Raum für weitere Spekulationen meinerseits entfachten. Die Charaktere wurden
von der Autorin auch wirklich gut ausgearbeitet, die Protagonisten selbst wurden
mir mit jeder Seite sympathischer. Der Protagonistin Liz war ich sowieso von Anfang
an zugetan. Nicht genug, dass sie aufgrund eines Herzfehlers tagtäglich um ihr
Leben kämpfen muss, befindet sie sich nun auch noch in dieser unwirklichen
Situation wider. Die Befürchtungen über die Absichten ihrer Peiniger sind neben
dem zu erwartenden Tod noch widerlicher, als man sich in den schlimmsten
Albträumen ausmahlen kann. Doch gerade Liz behält einen kühlen Kopf, will nicht
ohne weiteres aufgeben.
Jacob, der von Beginn an erstmal Rätsel zu
seinem Handeln aufgibt, offenbart nach und nach die Hintergründe hierzu. Verständlich,
dass die Gruppe ihm gegenüber misstrauisch auftritt.
Die Interaktionen der Charaktere waren
für mich definitiv realistisch und nachvollziehbar dargestellt. Keine Handlung
wirkte überzogen oder unglaubwürdig. Nein, schlimmer noch, die Geschichte
wirkte auf mich, als wenn so etwas tatsächlich real passieren könnte oder
vielleicht sogar schon passiert ist. Eine erschreckende Vision, die mich so
einiges an Nerven gekostet hat, je weiter ich vorgedrungen bin. An dieser
Stelle möchte ich allein deshalb darauf hinweisen, dass die vom Verlag genannte
Altersempfehlung ab 16 definitiv nicht zu Unrecht gegeben wurde.

Den Abschluss der
Geschichte gestaltete Christina Stein für mich dann folgerichtig und lässt sie
so ausklingen, dass man auch, nachdem das Buch dann zugeschlagen ist, weiterhin
einen Hauch von Traurigkeit verspürt und das Gelesene nochmals in Ruhe auf sich
wirken lassen muss.

Wonderland“ beschreibt eine Aneinanderkettung
erschreckend realistisch wirkender Visionen menschlicher Abgründe, die spürbare
Emotionen wie Verzweiflung, Resignation und Machtlosigkeit hervorrufen und
dabei unglaublich echt wirken. Meine Lesestunden an der Seite von Liz, Jacob
und den anderen todgeweihten Jugendlichen belohne ich mit eindeutigen 5
Büchern
.
Für alle, die sich unerschrocken
aussichtslosen Situationen stellen können, dabei nicht die Nerven und die
Hoffnung auf den richtigen Augenblick vertrauen und an sich glauben.

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9 KOMMENTARE

  1. Hey ihr beiden,

    ich glaube das ist absolut kein Buch für mich. So interessant es auch klingt, die Spannung warscheinlich von Anfang bis zum Ende mitreisen wird kann ich mir vorstellen dass es für meine Nerven definitiv zu extrem ist. 😀
    Vielen Dank für die Rezi 😉

    Liebe Grüße und schönes WE,
    Ruby

    • Huhu Ruby,

      ist so etwas nichts für dich? Extrem war es aber wirklich, zumindest an einigen Stellen…Nervenkitzel pur…Ich kann deine Einstellung aber verstehen ☺️

      Liebe Grüße, Kay

  2. Hey,

    lese dieses Genre ja nur, wenn mich ein Buch mit dem Klappentext schon direkt umhaut, weil das einfach nicht mein normales Beuteschema ist. Dark Wonderland gehört zu einem solchen Buch und diese Rezension hat mich nur noch darin bestärkt, dass ich es lesen muss. Schon allein wie die Auswahl der Opfer stattfinden wird und was passiert, wenn sie sich weigern. Ich habe jetzt schon tausend Fragen im Kopf.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
    Isbel

  3. Hallo Kay,

    das Buch ist mir jetzt schon öfter aufgefallen, aber bisher dachte ich nicht, dass es etwas für mich sein könnte. Danke, dass du mal wieder die Wunschliste gefüllt hast!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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