♂ Babylon (Thomas Thiemeyer) [Rezension]

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„Die Welt, das Licht, die Zeit – das
ganze Universum spannte sich wie ein Regenschirm vor ihm auf. Alle Schrecken,
alle Wunder waren auf einen einzigen Moment geschrumpft. Grenzenlose Freiheit,
gefolgt von kalter schwarzer Enge.
Alles und nichts.“
(S.75)
Endlich ist Hannah zur Ruhe gekommen.
Gemeinsam mit ihrem Mann John und ihrer Tochter Leni erkundet sie den
traumhaften Ausgrabungsort auf dem Peleponnes. Doch mit der Ruhe soll es bald
vorbei sein. Ihr Geldgeber Stromberg taucht überraschend auf und hat eine neue
Aufgabe für sie. Und er hat ein gutes Argument.
Ein für Stromberg arbeitender Archäologe
hat im Nahen Osten eine Tempelanlage entdeckt, die mit Sicherheit großes
Aufsehen erregen wird. Mitten in vom Islamischen Staat kontrolliertem Gebiet,
ringsherum herrscht Krieg. Auch wenn Hannah sich gegen den Auftrag entscheidet,
befindet sie sich nun doch bald auf dem Weg dorthin. Mit dabei ist auch ihre
Tochter.

Die Auswirkungen ihres
Handelns könnten gravierend sein. Besser wäre die Tempelanlage unangetastet
geblieben. Die Warnungen waren eindeutig. Aber sie haben nun keine andere Wahl.
Und so steht eine vom Zufall zusammengestellte Gruppe von Menschen plötzlich
vor dem Abgrund zur Hölle.

Die bisherigen Bücher von Thomas
Thiemeyer haben mir immer recht gut gefallen. Er ist einer dieser Autoren,
deren Neuveröffentlichungen ich früher oder später zum Großteil immer lesen
werde. So war es an sich nur eine Frage der Zeit, wann „Babylon“ den Weg in
mein Regal finden wird. Nun, da das Buch bei mir eingezogen war, zog mich die
Geschichte unglaublich an und ich konnte mich nicht lange gegen diesen
Lesedrang wehren.
Gleich zu Beginn ließ mich Thomas
Thiemeyer Zeuge einer potentiell geschichtsträchtigen Entdeckung werden.
Gemeinsam mit Professor Hammadi und seinem Sohn verschaffte ich mir Zugang zu
einem geheimnisvollen Ort. Die durch die Seiten wabernde mystische Stimmung
hatte mich gleich für sich eingenommen. Es war unschwer zu ahnen, dass hier
etwas nicht stimmte, hinter diesen Mauern wartete etwas Gefährliches, Böses.
Und so kommt es, wie es kommen muss.
Kurz darauf folgte bereits die erste Bestätigung, dass hier Mächte am Handeln
waren, die man sicherlich nicht im Zaum halten kann. Meine Neugier wurde
angefeuert.
Bei Thomas Thiemeyer kann man sich
eigentlich immer darauf verlassen, keine 0815-Geschichte in der Hand zu halten.
Und so wurde ich auch hier nicht enttäuscht. Der Autor baut in „Babylon“
verschiedene Handlungsstränge ein, die auf den ersten Blick vielleicht nicht
unbedingt zusammen passen, dennoch zielstrebig auf einen gemeinsamen Punkt
zusteuern.
Der Autor lässt seine Geschichte aus
dritter Person in Vergangenheitsform erzählen. Dabei verschafft er den
Charakteren immer wieder eine wechselnde Präsenz, um ihre jeweiligen Gedanken
zu transportieren. Ich erhielt auf diese Weise Einblicke in menschliche Tiefen,
die ich so nicht erwartet hätte. Thomas Thiemeyer beschönigt mit Sicherheit
nichts, doch er macht auch nicht Halt vor der bitteren Realität. Der Autor gibt
jederzeit ein unverblümtes, offenes Statement seiner Weltanschauung ab. Auch
wenn ich mit dem Autor sicher nicht in jedem Detail konform gehe, mag ich
gerade das an seinem Stil. Thomas Thiemeyer ist einfach ein authentischer
Autor, der auch nicht davor zurückschreckt, seine mitunter gefühlte unangenehme
– aber wirklich gut nachvollziehbar und erklärte – Meinung kundzutun und mit
den Konsequenzen zu leben. Hut ab!
Definitiv bedient Thomas Thiemeyer mit
„Babylon“ verschiedene Genreeinschläge, wobei ich sagen muss, dass mir die Fantasie
des Autors zum Ende hin fast ein wenig zu viel geworden ist. Bis dahin fühlte
ich mich super unterhalten, konnte die prickelnde Spannung kaum zur Seite
schieben. Der stilistische Einschlag zum Ende hin war aus meiner Sicht
allerdings schon fast übertrieben, der Kontrast wirkte überproportional. Dennoch
kann man sagen, dass die Spannungsbögen in der Geschichte sehr gut gesetzt
waren und man innerlich immer dazu angetrieben war, weiter durch die Seiten zu
fliegen.
Trotz dieser Anmerkungen kann ich
ruhigen Gewissens sagen, dass Thomas Thiemeyer seiner Linie absolut treu
geblieben ist. Der Autor erklärt Hintergründe, gibt tiefergehende
Informationen. Alles wirkt bis ins Detail hinein wirklich gut recherchiert.
Seinen Charakteren verpasst der Autor
gezielt und einprägsam Nuancen, die man während der ganzen Geschichte definitiv
nicht vergisst. Der Geschichte verleiht Thomas Thiemeyer eine Note, die einem
eindeutig im Gedächtnis bleibt. Er ist kein Mann übertriebener Worte und
dennoch gelingt es ihm durchweg, die Handlungen präsent zu gestalten, nie
Langeweile aufkommen zu lassen.

Mit der Auflösung der
Geschichte konnte ich sodann wirklich gut leben. Nach einem sich Seite für
Seite aufschaukelnden Showdown lässt Thomas Thiemeyer sein Szenario beruhigt
ausklingen. Ich habe „Babylon“ wirklich sehr genießen können und stelle das
Buch nun zu meinen anderen Thiemeyer-Werken ins Regal.

Mit „Babylon“ präsentiert Thomas
Thiemeyer erneut eine Geschichte, deren Sog man sich nur schwer entziehen kann.
Gezielt eingesetzte Spannungsmomente in Verbindung mit einem Blick hinter so
manche Fassade und dazu ein unverwechselbares Thiemeyer-Setting bescherten mir
einen Lesegenuss, der mir definitiv sehr gute 4 Bücher wert ist.

Für alle, die Abenteuern
nicht abgeneigt sind, dabei große Gefahren bestehen und Risiken richtig
einschätzen und eingehen können.

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