♂ Alle Zombies (Maria Engels, David Michel Rohlmann, Piper Marou) [Rezension]

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„Für Helden war diese Welt nicht
gemacht. Man konnte kämpfen und auf einen Sieg hoffen oder man rannte und
überlebte. Vorerst.“
(Pos.272,11%)
Wenn die Scheinwelt aus einem
Online-Videospiel grausame Realität wird, steht die Menschheit am
apokalyptischen Abgrund. Ein Virus greift um sich und verseucht nach und nach
alle Menschen. „Alle Zombies“ greift diese Thematik 20 Jahre nach dem Ausbruch
der Epidemie in 11 Kurzgeschichten zusammen und beschreibt Menschen in
Extremsituationen, im Bangen zwischen Angst und Hoffnung. Denn der kleinste
Fehler hat unweigerlich nur ein Ergebnis: den Tod.
Es ist noch gar nicht so lange her, als
ich auf das Werk „Keine Zoombies“ von Maria Engels und David Michel Rohlmann
aufmerksam gemacht wurde. Im Zombie-Thema bin ich eigentlich nicht wirklich zu
Hause, doch Ausflügen in andere Genres stehe ich grundsätzlich schon
aufgeschlossen gegenüber. So kam es denn auch, dass ich nun, nachdem der
Sammelband „Alle Zombies“ erschienen ist, auch hier zugreifen musste, da mir
der Schreibstil der Autoren bereits im ersten Werk sehr gut gefallen hat.
Dieser Sammelband besteht aus drei
Anthologien. „Keine Zombies“ von Maria Engels und David Michel Rohlmann, „97,5
Zombies“ von Maria Engels, Piper Marou und David Michel Rohlmann sowie „Die
letzten Zombies“ ebenfalls von diesem Autoren-Trio.
Nochmals muss ich betonen, dass
Zombie-Welten ganz sicher nicht der Lesestoff sind, dem ich ansonsten folge.
Dennoch wollte ich mich gern auf dieses Abenteuer einlassen.
Gleich in der ersten Geschichte, auch
wenn ich sie letztendlich wie vorab erwähnt schon einmal gelesen hatte, wurde
ich in eine apokalyptische Welt katapultiert, die es in sich hatte. Nach der
ersten Erkenntnis und einer kurzen Erleichterung folgte förmlich auf dem Fuß
der Schock. Bereits der Einstieg in diesen Sammelband war also sehr gut
herausgearbeitet, führte mich teils in die Irre, ließ mich aber wieder zarte
Kontakte zu diesem Genre knüpfen.
Ich möchte eigentlich gar nicht auf die
verschiedenen Schreibstile der beteiligten Autoren bis in die Tiefe eingehen. Jeder
Stil hat seine eigenen, unverkennbaren Ausschläge, und jeden Stil habe ich
wirklich gemocht. Ich möchte behaupten, dass jede Geschichte ihre
Lebensweisheit mit sich bringt, der man glauben kann oder auch nicht. Definitiv
ist es jedoch so, dass ich hier nicht auf sinnlose Zombiegemetzel oder
Ähnliches gestoßen bin. Denn immer erlebte ich einen tieferen Kern hinter den
Erzählungen. Und doch erlebte ich in so manchen Situationen diese Gänsehaut-Dynamik,
musste meinen Magen im Zaum halten. Aber nichts wird übertrieben dargestellt.
Auf den ersten Blick hat man wirklich
viele voneinander unabhängige Geschichten vor sich, die einen Einblick in
dieses von mir teilweise wenig beachtete Genre geben. Und doch konnte ich
Parallelen zwischen diesen entdecken, Handlungsstränge, die aufeinander
zugeschnitten waren und erst im Nachhinein ein abgerundetes Ganzes ergeben.
Ich erlebte in diesem Sammelband
wirklich so einige Facetten menschlichen Bewusstseins. Zu entdecken gab es
Überlebende, die sich in einem Zoo Schutz gesucht hatten. Es gab genauso
rachsüchtige Menschen, die diese Katastrophe nutzten, um sich Genugtuung zu
verschaffen. Und es gab aufopferungsvolle Charaktere, die immer an das Wohlsein
ihrer Liebsten dachten, ohne dabei an sich selbst zu denken. All das rundete
mein Bild von diesem gut gewählten Sammelband eindrucksvoll ab.
Die Autoren spielten aus meiner Sicht in
jeder Geschichte mit der Erzählperspektive und Zeitform, fanden aber immer
einen gemeinsamen Nenner mit meinem Geschmack, so dass es hier wenig zu
kritisieren gäbe. Insgesamt zählte hier eindeutig das Zusammenspiel zwischen
Spannung und Kreativität, das hier eindeutig in einem ausgewogenen Verhältnis
zu finden ist. Immer wieder stand ich vor der Frage, wie viel Menschen bereit
waren zu opfern, wenn Liebe oder letztendlich nur der gemeine Überlebenswille
zählen. Ich finde, dass das Autorenkollegium hier eine absolut gelungene
Mischung auf die Seiten gebracht hat.

Die letzte Geschichte in
diesem Sammelband trägt den Titel „Hoffnung“, die ich auch nun, da ich das Buch
zur Seite legen konnte, immer im Hinterkopf habe. Denn gerade Hoffnung habe ich
immer beim Lesen aller Geschichten bei mir getragen, immer in dem Glauben, dass
nicht alles Positive ausgelöscht sein kann. Ich kann diesen Sammelband ohne
Vorbehalte allen empfehlen, die in diesem Genre noch nicht so trittsicher sind.
Fans dieses Themas sind hier eindeutig an der richtigen Adresse!

Alle Zombies“ erscheint allein aufgrund
des Titels wie ein schnöder Zombie-Sammelband, ist aber alles andere als sinnloses
Gemetzel und Zombie-Gestöhne. Gut durchdachte Entwicklungen gepaart mit
spannungsvollen Entwicklungen mit Tiefgang verschafften mir einen eindeutigen 5
Bücher
Lesegenuss.

Für alle, die gern ihnen
fremde Genres testen, wohl dosiert in diese Welten eingeführt werden wollen und
dabei apokalyptischen Entwicklungen nicht abgeneigt sind.

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