♂ Der letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis (Zoran Drvenkar) [Rezension]

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„Ahnungslosigkeit ist hochgefährlich.
Auf die Entfernung hin wirkt sie harmlos und charmant, auf die Nähe hin kann
sie aber so vernichtend sein, dass sie Herzen zum Stillstand bringt.“
(S.90)
„In die Vergessenheit wird die
Erinnerung eingesperrt, die uns belastet, die wir nicht verarbeiten können.
Aber kein Gefängnis ist für immer, und jede Erinnerung will beachtet werden.“
(S.357)
Nach dem Verlust seiner Flügel fühlt sich
der Engel Motte unvollständig. Gemeinsam mit Esko macht er sich auf die Jagd
nach den Gräfinnen, die seine Flügel gestohlen haben. Und so sind nun zwei
flügellose Engel auf der Suche. Doch sie ahnen nicht, welche Rolle sie noch
spielen werden. Denn der Ruf ist stark, eine alte Macht könnte erweckt werden. Der
Untergang der Menschheit scheint nicht mehr fern sein.
Der erste Teil „Der letzte Engel“ von
Zoran Drvenkar hatte mir trotz kleiner Abstriche wirklich gut gefallen. So
musste folgerichtig kurzfristig der zweite Teil „Der letzte Engel – Der Ruf aus
dem Eis“ bei mir einziehen. So konnte ich die Teile nun unmittelbar
hintereinander lesen.
Ich glaube sagen zu können, dass es
absolut keine schlechte Idee war, diese Dilogie direkt durchgehend zu lesen.
Zoran Drvenkar hat hier etwas erschaffen, das man im ersten Teil erstmal
kennenlernen muss, um es dann im zweiten Teil zu genießen, weil man sich auf
seinen außergewöhnlichen Stil eingelassen hat. Außerdem gibt es viele
Handlungsstränge, die man verinnerlichen muss, damit einem der rote Faden nicht
verloren geht.
Zoran Drvenkar blieb auch in diesem
zweiten Teil seiner Linie absolut treu. Er legte mir Fährten, denen ich folgen
konnte, ohne das Ergebnis und Zusammenhänge vorauszuahnen. Verschiedene Sichten
unter Verwendung und Verschmelzung unterschiedlicher Zeitformen führten mich
mitunter in die Irre, jedoch ohne das Interesse an der Geschichte zu verlieren.
Über den Zeilen lag ein gewisser skurriler Touch, dem ich einfach nicht
widerstehen konnte.
Auch Sarkasmus, Witz und Humor konnte
ich erspüren. Hatte der Protagonist Motte auf der einen Seite das Problem,
seine Flügel wiederzufinden, gab es da noch eine andere Kleinigkeit, die einem
männlichen Teenager wie Motte ziemlich zu schaffen machen kann. Natürlich hört
es sich vordergründig gut an, dass man nun ein Engel ist. Aber wenn das „beste
Stück“ über Nacht verschwindet und man mehr oder weniger tatsächlich zu einem
geschlechtslosen Wesen wird, ist das schon ein harter Einschnitt. Auch Motte
hat damit zu kämpfen. Seine Freundin Rike scheint sich mit der Situation zu
arrangieren, aber ob so eine Beziehung auf Dauer Bestand haben wird, wage ich
zu bezweifeln.
Definitiv war ich in diesem zweiten Teil
den Charakteren näher als noch im Vorgängerband. Ich erfuhr weitere
Einzelheiten und konnte Ereignisse immer besser zuordnen. Ich verstand so einige
Handlungen immer besser, denn so manches Geheimnis wurde mir offenbart.
Wie auch schon im ersten Teil der Reihe hatte
ich Eindrücke von konfusen Handlungsstrukturen, die auf den ersten Blick
verwirrend wirken. Und wieder ist es dem Autor gelungen, dass ich seiner Idee
bedenkenlos folgen konnte. Zu gut waren teils selbständig wirkende
Entwicklungen im Endeffekt doch miteinander vernetzt.
Mein Liebling war auch in diesem zweiten
Teil definitiv Mona. Sobald sie in Szene gesetzt wird, schlägt ganz einfach
mein Beschützerinstinkt an. Sie habe ich wirklich in mein Herz geschlossen.
Aber auch alle anderen Charaktere erlebte ich in dieser Fortsetzung offener mir
gegenüber, die Distanz schmolz dahin und ich konnte so einige Taten – wenn auch
nicht verzeihen – so doch besser verstehen.
Insgesamt gesehen erlebte ich, trotz
kleiner angedeuteter Längen, etwas mehr Tempo in entscheidenden Szenen, so dass
mich nichts vom Weiterlesen abhalten konnte.
Zoran Drvenkar brachte mir ein durchaus
nicht undenkbares Szenario näher, das auf ganz besondere Weise zu fesseln
versteht und mich das Buch nicht zur Seite legen ließ.

Zum Ende der Geschichte
hin werden nochmals sämtliche Geschütze aufgefahren, um diese dann doch für
mich sehr beruhigend ausklingen zu lassen und damit das Buch zur Seite zu legen.

Der letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis
führt die Entwicklungen aus dem ersten Teil konsequent weiter, verknüpft dabei
geschickt Handlungsstränge und führt die Geschichte voran. Meine Leseerlebnisse
sind mir deshalb auf jeden Fall eindeutige 4 Bücher wert.
Für alle, die nicht nur ihr eigenes
Glück im Sinn haben, dabei dennoch den eigenen Willen behalten und sich auch
mit kleinen Erfolgen zufrieden geben können.
1. Der letzte Engel
2. Der letzte Engel – Der Ruf aus dem
Eis

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4 KOMMENTARE

  1. Hach, mir hat der erste Band eigentlich auch so gut gefallen, aber das ist nun schon wieder so lang her, dass ich mich wahrscheinlich an zu wenig erinnern kann, um nun einfach in den zweiten einzusteigen. Vielleicht sollte ich mal einen ReRead wagen, aber danke erstmal, dass du mir die Dilogie wieder schmackhaft gemacht hast ;P

    • Gerne doch. Diese Dilogie ist schon etwas eigen, man muss den Stil mögen…Am besten überfliegst du vor dem zweiten Teil schon nochmal den ersten Band. Dann bist du garantiert schnell wieder drin in der Geschichte…Ich habe ja beide Bücher mehr oder weniger hintereinander gelesen…LG, Kay

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