♂ Die Blutschule (Max Rhode) [Rezension]

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„Ich wollte mir die Finger in die Ohren
stecken, aber das ging nicht beim Laufen. Das war es, was ich tat, feige wie
ich war. Weglaufen.“
(S.92)
„Das Leben geht weiter.
Manchmal frage ich mich, ob diese
Tatsache nicht das Grausamste an unserem Dasein ist.“
(S.99)
Nach dem beruflichen Desaster ihres
Vaters Vitus zieht die Familie zu Beginn der Sommerferien aus Berlin ins
beschauliche Wendisch Rietz in Brandenburg. Hier wollen sie einen Neuanfang
wagen.
Die Brüder Simon und Mark freuen sich
auf die Ferien. Gemeinsam erkunden sie ihre neue Heimat und treffen dabei auf
einen vorbestraften Straftäter, der sich nahezu völlig aus der Gesellschaft
zurückgezogen hat.

Nun überschlagen sich die Ereignisse. Nach
einem Zwischenfall mit der Dorfclique ergibt sich ein falscher Verdacht. Nach
dem denkbar schlechten Start im Dorf scheint langsam Ruhe einzukehren. Doch als
Simon seinen Vater auf eine Baustelle begleitet, kommt es zu einem Unfall, der
alles verändert. Denn Simon und Mark werden von ihrem Vater zu einem Ausflug
mitgenommen. Zu einer besonderen Schule. Auf einer Insel. Zur Blutschule. Von
nun an regiert die Angst, der Tod ist nah.
Nachdem ich vor kurzem mit „Das Joshua
Profil“ meinen ersten Fitzek gelesen hatte, konnte ich „Die Blutschule“
natürlich nicht links liegen lassen. Die Verbindung, die der Autor im Joshua
Profil zu diesem Buch gezogen hatte, machte mich einfach neugierig. Nun war es
endlich so weit. „Die Blutschule“ lag lesebereit vor mir, ich konnte mit der
Geschichte beginnen.
Als Erstes ist an diesem Buch
bemerkenswert, dass Sebastian Fitzek die Geschichte unter einem Pseudonym – Max
Rhode – geschrieben hat, der im Joshua-Profil die Hauptrolle gespielt hat. So
kannte ich einen Teil der Geschichte bereits und konnte bestimmte Begebenheiten
zuordnen und eine Verbindung knüpfen.
Nachdem ich die ersten Seiten gelesen
hatte, konnte ich feststellen, dass die Geschichte sicherlich alles andere als normal
verlaufen wird. Der Start als Patiententagebuch deutet bereits schockierende
Entwicklungen an. So konnte ich nicht anders als weiterzulesen.
Der Umzug der Familie aus Berlin nach
Wendisch Rietz erfolgt nach einer beruflichen Schieflage des Vaters. Hier soll
alles besser werden. Ein Neuanfang ist geplant. Dass die Brüder Simon und Mark
von diesem Umzug nicht viel halten, ist deutlich zu spüren. Dennoch wollen sie
das Beste aus dieser Sache machen und die Sommerferien genießen. Leider läuft nichts
wie geplant. Im Gegenteil: Nach der Begegnung mit dem vorbestraften Stotter-Peter,
der sogar Angst vor Simon und Mark zu haben scheint, geraten die Brüder anschließend
in eine Situation, die einen Verdacht auf den Pädophilen lenkt. Sorgsam
eingefädelt von der Dorfclique, allen voran Juri.
Auch unter Pseudonym zeigt Sebastian
Fitzek, dass er ganz einfach gut schreiben und den Leser mitziehen kann. Auch
wenn ich mich ja eher als Fitzek-Anfänger bezeichnen würde hatte ich den
Eindruck, dass der Autor hier unter Pseudonym schreibt, um eine andere Seite an
sich auszuleben und zu präsentieren. Natürlich ist ihm mit der Verbindung von
der Blutschule und dem Joshua Profil ohnehin ein genialer Schachzug gelungen.
Die Geschichte wird durchgängig aus
Simons Sicht in Ich-Perspektive in Vergangenheitsform erzählt. Dem Alter des
Protagonisten geschuldet erlebte ich deshalb auch Probleme eines pubertierenden
Teenagers vor allem in Bezug auf das andere Geschlecht. Bis dahin fühlte ich
mich jedoch gut unterhalten, auch wenn eine Distanz zum Protagonisten, wie auch
zu den anderen Charakteren, für mich durchgehend spürbar war und sich nicht
verringern konnte.
Etwas irritiert war ich allerdings, dass
ein Auslöser mit Fantasy-Einschlag gewählt wurde, um die Geschichte in die erwartete
Bahn zu lenken. Von nun an hatte ich bei allem Unterhaltungswert doch hin und wieder
Akzeptanzschwierigkeiten mit der Handlung. Natürlich versäumte der Autor nicht,
entsprechende Spannungspunkte zu setzen, Dialoge wurden gezielt eingebaut, so
dass der Lesefluss konstant hochgehalten werden konnte. Und doch fiel es mir
nicht immer leicht, die Glaubwürdigkeit des Geschehens hinzunehmen.
Das Ende der Geschichte fühlte sich für
mich sodann an wie die Seiten davor. Folgerichtig und dennoch zumindest für
mich nicht zweifelsfrei nachvollziehbar.
Insgesamt wirkte „Die Blutschule“ auf
mich eher wie ein Experiment mit genreübergreifenden Ansätzen. Auf jeden Fall
gut für Zwischendurch zu lesen mit erwarteten guten Ansätzen. Es wird auch definitiv
nicht mein letztes Fitzek-Buch gewesen sein. Hier habe ich ja eine große
Auswahl.
Die Blutschule“ wartet mit einem Mix
aus dem Teenageralltag und Gewaltexzessen auf, der mitunter ein wenig überzogen
wirkt, mich aber an den Seiten halten konnte. Für meine Lesestunden im eigentlich
beschaulichen Wendisch Rietz vergebe ich deshalb auf jeden Fall gute 3 Bücher.
Für alle, die sich von unerwarteten
Entwicklungen nicht schockieren lassen, dabei immer an das Gute glauben und
unter keinen Umständen aufgeben.

Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.

12 KOMMENTARE

  1. Huhu,
    das ist eine echt tolle Rezi…die Blutschule steht noch auf meiner Wunschliste und jetzt bin ich noch neugieriger auf dieses Buch 🙂

    liebe Grüße
    Vanessa

    • Hallo Vanessa,

      dankeschön :-)Die Geschichte lohnt sich wirklich. Vielleicht rutscht das Buch von deiner Wunschliste ja ganz schnell in dein Regal…Wünsche dir dann ganz viel Spaß mit der Blutschule 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

  2. Hallo Kay,

    mir hat das Buch unheimlich gut gefallen, das fällt genau in mein Beuteschema. Ich finde es witzig, dass es gerade "Fitzek-Anhängern" nicht so gut gefällt und ich mit seinen anderen Büchern nicht so viel anfangen kann. 😀 Ich hoffe, dass war jetzt einigermaßen verständlich ausgedrückt. Jedenfalls, mit diesem Buch hat sich der Autor bei mir ein goldenen Naserl verdient und jetzt wäre ich auf weitere Werke dieser Art gespannt.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    • Huhu Nicole,

      das Interessante ist ja, dass ich bisher kaum Fitzek gelesen habe. Das "Original" hat mir zwar deutlich besser gefallen, aber die Anhänger der Blutschule kann ich auch absolut verstehen 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

  3. Danke für deine aufschlussreiche Meinung Kay! Ich möchte das "Joshua-Profil" sehr, aber hatte irgendwie von Anfang an keinen Reiz dieses Buch zu lesen. Obwohl es sicherlich interessant ist, die Zusammenhänge zu erfahren. An sich ist es auch ein toller Marketing Gag 😀 aber rein inhaltlich hat mich das Buch nie angesprochen und ich denke, dass ich nicht soo viel verpasse. Ist auch recht kurz für das Geld.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Liebe Tina,

      ich hatte irgendwie den Drang, die Blutschule lesen zu müssen. Ich habe es auf keinen Fall bereut, aber vollkommen überzeugen konnte es mich auch nicht. Als Fazit kann ich sagen, dass es auf jeden Fall kein Fehler ist sowohl "Das Joshua Profil" als auch "Die Blutschule" zu lesen 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

    • Huhu Petra,

      da muss ich gleich mal schauen kommen…Das Joshua Profil fand ich ja auch absolut spitze. Und viele lieben ja auch Die Blutschule. Dachte ja fast, dass ich mit meiner Meinung so gut wie allein bin…

      Liebe Grüße

      Kay

  4. Hallöchen,
    dass du eine tolle Rezension geschrieben hast, muss ich wahrscheinlich nicht sagen, das tut ihr beide eigentlich immer.
    Auf meinem SuB liegen beide Bücher noch, aber ich war jetzt gerade über den Fantasy-Einschlag etwas irritiert. Aber gut, dass ich es jetzt vorher weiß, andernfalls hätte mir das wahrscheinlich die Lust während des Lesens verdorben.

    Alles Liebe, Nelly

    • Huhu Nelly,

      das ist nur ein klitzekleiner Teil, lass dich also bloß nicht abschrecken. Für mich war es halt nicht unbedingt passend, diese Schiene zu bedienen, aber es ist und bleibt trotzdem eine tolle Geschichte. Viel Spaß dann beim Lesen 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

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