♂ Das Buch der Finsternis (Richard Dübell) [Rezension]

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„Sein Leben war nicht mehr als ein Stück
Blei, das zufällig das richtige Gewicht besaß, um das Gold in der anderen
Schale aufzuwiegen.“
(S.17)
Salzburg im Jahr 1486. Um das Lehrgeld
für den erstgeborenen Sohn aufzubringen, wird der dreizehnjährige Quirin von
seinem Vater als Hilfsarbeiter an Meister Lukas, einem angesehenen Buchdrucker
gegeben. Ein Großauftrag führt Meister Lukas in das Kloster Admont. Auch
Quirins Arbeitskraft wird benötigt und so begleitet er den Meister.

Kurze Zeit später wird
Quirin völlig überhastet von seinem Meister dazu genötigt, eine kleine Truhe zu
Bischof Johann nach Salzburg zu bringen. In der der Truhe befindet sich „Das
Buch der Finsternis“, in dem der Teufel die ihm versprochenen Seelen
verzeichnet haben soll. Ab jetzt befindet sich Quirin in großer Gefahr. Anna,
ein Mädchen aus der Gegend, steht ihm zur Seite. Doch nun hat Quirin
gefährliche Feinde. An jeder Weggabelung lauert der Tod.

Beim Ravensburger Buchverlag konnte ich
bisher schon so manche Buchperle entdecken. So wurde ich auch auf „Das Buch der
Finsternis“ aufmerksam. Allein der Umschlag dieser Hardcoverausgabe ist schon
ein echter Hingucker. Dies in Verbindung mit meinen über das Buch vorliegenden
Informationen ließ mir gar keine andere Wahl, als unbedingt zu dieser
Geschichte zu greifen.
Gleich zu Anfang der Geschichte traf ich
auf Quirin, der unmittelbar in eine seltsame Szene geraten ist. Diese Szene
legte letztendlich einen Grundstein für das spätere Verständnis der Geschichte.
Natürlich wusste ich dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht, verrate damit aber
auch definitiv nichts.
Kurz darauf begab ich mich zusammen mit
Quirin auf die Reise zum Kloster Admont, in dem sein Meister einen Großauftrag
des Abtes zu erledigen hatte. Im Kloster trifft Quirin auf Anna, einem
Bauernmädchen aus der Gegend, der er bald etwas schuldig bleiben sollte. Doch
plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Quirin erhält den eiligen Auftrag,
dem Bischof in Salzburg die Truhe mit dem „Buch der Finsternis“ zu überbringen.
Nichtsahnend, dass er damit zwischen alle Fronten gerät, versucht er seinen
Auftrag zu erfüllen. Mit Anna an seiner Seite gerät er in Gefahrensituationen,
wie er sie sich bisher nicht auszumalen vermochte.
Quirin begegnete mir anfangs als
ziemlich naiver Charakter mit einem Hang zu Selbstzweifeln. Einerseits seine
Erziehung, andererseits die Gepflogenheiten zum Ende des Mittelalters in
Verbindung mit seinen gerade erst dreizehn Jahren rechtfertigten sein Wesen.
Lesen und Schreiben gehörte zu dieser Zeit nicht zum Standardrepertoire der
Menschen. Heutzutage kann man sich das nicht mehr vorstellen. Dennoch wurde es
mir immer wieder überdeutlich vor Augen gebracht, welche Errungenschaft diese
Vorteile für die heutige Gesellschaft im Vergleich zu früheren Lebensweisen
sind.
Im Laufe der Geschichte konnte ich bei
Quirin deutliche Veränderungen spüren. Er wird aufgrund der Ereignisse
erwachsener, sein Denken wird klarer und sein Selbstbewusstsein festigt sich.
Nicht zuletzt ist es aber auch Anna, der er diese Entwicklung verdankt.
Bei Anna hatte ich eigentlich von Beginn
an den Eindruck, dass sie genau weiß, was sie will. Die Begegnung mit Quirin
ist ihre Chance, dem für sie vorausgeplanten Leben zu entfliehen. Und doch
entwickelt sich die Handlung zwischen Anna und Quirin nicht so, wie man
grundsätzlich vermuten würde. Quirin lernt, mit Enttäuschungen umzugehen und
Chancen zu nutzen, wenn sie sich ergeben und nicht einfach abzuwarten.
Richard Dübells Schreibstil ist nicht
ausufernd erzählend, dennoch gelingt es ihm mit einfachen Mitteln, die Szenerie
anschaulich und vorstellbar zu beschreiben. Die Geschichte wird zum Großteil
aus Quirins Perspektive in dritter Person Vergangenheit erzählt, andere
Sichtweisen flossen dabei immer wieder mit ein. Dabei schafft es der Autor,
immer wieder interessante Informationen über diese Zeit einzuflechten, dabei
aber nicht lehrerhaft zu wirken.
Auch wenn die Spannungsbögen nach meinem
Empfinden mitunter gestrafft werden könnten und für einen Dreizehnjährigen
nachvollziehbare naive Handlungsansätze mich mitunter die Augen verdrehen
ließen, fühlte ich mich wohl mit dieser Geschichte und war neugierig, was mich
auf den vor mir liegenden Seiten erwarten würde.
Hatte ich lange den Eindruck, dass ich
den Handlungsverlauf vorherahnen könnte, führte mich der Autor dann doch auf
falsche Fährten und zeigte mir eindrucksvoll auf, dass nichts tatsächlich so
war, wie es schien. Richard Dübell konnte mich mit dem Ablauf und den
gewonnenen Erkenntnissen tatsächlich überraschen.

Die Geschichte endet,
wie ich es nicht unbedingt erwartet hatte. Dennoch ist das gewählte Ende für
mich absolut akzeptabel und stellt mich definitiv zufrieden.

Das Buch der Finsternis“ führte mich in
eine dunkle Epoche der Menschheit, zeigte mir dabei immer wieder die Schrecken
dieser Zeit auf, konnte mich dabei aber wirklich gut unterhalten. Für meine
Lesestunden an der Seite von Quirin vergebe ich deshalb absolut solide 4
Bücher
.
Für alle, die ihnen auferlegte Bürden
schultern können, dabei ungewohnte Wagnisse eingehen und sich von
überraschenden Entwicklungen nicht einschüchtern lassen.

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