♂ Das Geflecht (Andreas Laudan) [Rezension]

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„Die Schreie jagten ihm einen Schauder
über den Rücken, denn sie waren schrill und unartikuliert, und sie wollten
nicht abbrechen. So schrie nur ein Mensch, der entsetzliche Schmerzen litt oder
dem der Schrecken die Worte verschlagen hatte.“
(S.34)
Eine romantische Abschlussparty in einem
stillgelegten Bergwerk? Für Justin ist das eine tolle Idee. Zusammen mit seinen
Freunden Dana, Finn und Laura erlebt er schöne Stunden tief unter der Erde.
Doch plötzlich läuft etwas gewaltig schief. Dana und Finn stürzen durch einen
engen Schacht weiter in die Tiefe. Vollkommen hilflos landen sie in
bedrückender Dunkelheit.

Tia Traveen, eine bekannte
Höhlenforscherin und Wissenschaftlerin wird zu Hilfe gerufen. Sie ist blind,
dafür sind ihre anderen Sinne deutlich ausgeprägter. Mitten in der
Rettungsaktion stürzt die Tunneldecke ein. Schnell wird klar, dass die
Verschütteten nicht allein sind. Denn um sie herum wächst etwas Tödliches. Alle
sind in größter Gefahr. Doch damit nicht genug. Jemand setzt alles daran, ein
Geheimnis in der Tiefe zu bewahren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
„Das Geflecht“ hat leider eine ganze
Weile in meinem Regal warten müssen. Einerseits hat mich die Geschichte
definitiv interessiert, andererseits war bisher irgendwie nicht der richtige
Zeitpunkt für dieses Abenteuer. Nun war es aber endlich soweit, meine Neugier
war jetzt zu groß geworden.
Vorweg muss ich sagen, dass ich nicht so
ganz einschätzen konnte, was mich hier erwarten würde. Ich begann deshalb ganz
unvoreingenommen und tastete mich langsam in die Geschichte. Ich muss sagen,
was ich hier vorfand, machte eindeutig Lust auf mehr. Und so versank ich immer
tiefer in die Handlung.
Justin scheut keine Gefahr, ist ein
Draufgänger. Nachdem er heimlich die Schlüssel für das stillgelegte Bergwerk
bei seinem Vater seinem Vater besorgt hat, überrascht er seine Freundin Dana
und das befreundete Pärchen Finn und Laura mit der romantischen Party im
Stollen. Dana äußert zwar wirkliche Zweifel, doch im Endeffekt schließt sie
sich der Gruppe an. Alles läuft nach Plan, die dramatische Entwicklung konnte
niemand vorhersehen. Das Desaster beginnt, nachdem Finn und Dana in diesen
Schacht stürzen und nur mit Hilfe von außen gerettet werden könnten.
Nachdem ich den Klappentext gelesen
hatte, war ich ziemlich gespannt darauf, wie mir Tia gefallen würde. Da sie ein
Handicap hat – sie ist blind – stellte ich mir ihr Handeln nicht ganz so
einfach vor. Aber ich muss sagen, ich bin hier auf einen wirklich starken
Charakter getroffen. Tia macht ihre vermeintliche Schwäche zu einer Stärke. Sie
konnte mir definitiv imponieren und hatte meine Sympathie von Beginn an.
Ihre Entdeckung behält sie vorerst für
sich. Tia will die anderen nicht beunruhigen. Doch wie lange kann sie
schweigen, wenn sie doch alle in größter Gefahr sind? Tia nimmt diese Bürde auf
sich und geht systematisch ihrem Ziel entgegen. Erst einmal müssen die
Verschütteten den Weg nach draußen finden, der Rest ist zweitrangig.
Niemand konnte damit rechnen, dass neben
der großen Gefahr im Inneren des Bergwerks auch weitere Gegenspieler
existieren, die den Erfolg der Mission in Teilen sabotieren. Denn ob allein das
Entkommen aus dem Höhlenlabyrinth die Rettung bedeutet, mag bezweifelt werden.
Andreas Laudan präsentiert seine
Geschichte aus verschiedenen Sichten, die sich kapitelweise abwechseln. Der
Autor nutzte die Erzählung in dritter Person Vergangenheitsform. Der
Schreibstil ist wirklich sehr flüssig und gut zu lesen. Mit seiner Idee konnte
mich Andreas Laudan mehr und mehr überzeugen. Kleine Längen und die teilweise
Verwendung nicht ganz umgangssprachlicher Wortkombinationen beeinträchtigten
meinen Lesefluss nur am Rande und störten mich kaum. Im Großen und Ganzen
fühlte ich mich eindeutig gut unterhalten. Auch über zeitweise Abschweifungen
in der Handlung konnte ich hinwegsehen.
Ergänzend möchte ich erwähnen, dass
Leserinnen und Leser, die hier eventuell fantastische oder magische Ansätze
erwarten, diese nicht finden werden. Andreas Laudans Entwurf basiert auf realen
Möglichkeiten, wie sie tatsächlich passieren könnten. Ihm ist es zum Großteil
gelungen, mich gefesselt an den Seiten zu halten. Geschickt gesetzte
Spannungspunkte in Verbindung mit dem gut dargestellten Umfeld, das mir in
Teilen klaustrophobische Emotionen bescherte, taten ihr Übriges für einen
schönen Lesegenuss.
Die Charaktere interagieren wirklich gut
miteinander, sind vorstellbar und ausreichend beschrieben. Die in der
Geschichte enthaltenen Dialoge runden die Handlung ab und vermitteln zielgerichtet
die vom Autor gewollten Emotionen.

Nach spannenden Lesestunden konnte
Andreas Laudan seine Geschichte zu einem für mich gelungenen Ende führen. Nun,
da ich die Geschichte kenne, könnte ich mich fast ärgern, dass das Buch so
lange ungelesen in meinem Regal gestanden hat. Auf jeden Fall kann ich hier
eine klare Empfehlung aussprechen und stelle das Buch nun zufrieden zurück.
„Das Geflecht“ vermittelte mir spannende
Lesemomente in einer bedrückenden Atmosphäre, so dass ich kaum von den Seiten
weggekommen bin. Meine Lesestunden tief unter der Erde belohne ich deshalb mit
eindeutigen 4 Büchern.

Für alle, die ihre Angst vor der Dunkelheit
überwinden können, ihre Klaustrophobie dabei im Griff und mögliche Lösungswege
immer im Blick haben.

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10 KOMMENTARE

    • Hallo Nicole,

      es ist doch völlig legitim, wenn du zu dem Buch eine etwas andere Meinung hast 😉 Manchmal kommt eine Geschichte zum falschen Zeitpunkt, und manchmal hat man auch einen anderen Geschmack oder etwas anderes erwartet. Ich finde allein den Austausch schon richtig gut 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

    • Guten Morgen, Kay!

      Ja, natürlich, das sehe ich auch so. Mir hat irgendwas gefehlt, teilweise fand ich es etwas zu "plump" (das Wort ist jetzt etwas extrem gewählt) erzählt. Die blinde Protagonistin war großartig! Das war für mich eine recht neue Idee.

      Wünsche einen schönen Tag!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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