♂ Nomaden (Michael Schreckenberg) [Rezension]

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„Das Heulen spülte meinen Kopf leer und
ließ nichts zurück als weiße Panik, ich fiel zu Boden und schrie lautlos, denn
ich wusste, was nun geschehen würde, ich hatte es gesehen, sie würden kommen,
und ich…“

(S.55)

Die Abiparty rückt näher, doch Jo kennt
nur einen Gedanken. Sein Leben hat keinen Sinn mehr. Der einzige Ausweg scheint
ein Selbstmord zu sein. Doch er lässt sich überzeugen, zumindest bis zu dieser
Wiedersehensparty zu warten. Den Argumenten Erkans kann er nicht widersprechen.
Und tatsächlich kann er das eine oder andere Treffen mit alten Bekannten
genießen. Aber auch die Party findet irgendwann ihr Ende. Jo hat nur noch ein
Ziel: die Bahngleise. Nun ist der Augenblick gekommen, seinem Leben ein Ende zu
setzen. Zu seinem Erstaunen kommt nicht ein einziger Zug, um ihn von seinem
Schicksal zu erlösen. Auch Menschen hat er schon seit Stunden nicht mehr
gesehen. Irgendetwas läuft völlig außer Plan. Und plötzlich befindet sich Jo
nicht am Ende seines Lebens, sondern an einem gefährlichen Anfang.
„Der Finder“ war vor einiger Zeit eigentlich
eher zufällig von mir entdeckt worden. Lange habe ich auf eine Fortsetzung
gewartet. Nun endlich hatte der Autor seine „Nomaden“ veröffentlicht. Es war
natürlich nur eine Frage der Zeit, wann ich zu diesem Buch greifen würde. Ich
war einfach zu neugierig, wie sich die Geschichte fortsetzt.
Und so tauchte ich ein in die ersten
Seiten des zweiten Bandes und erlebte u. a. so manches Revival meines
Musikgeschmacks, schwelgte in Erinnerungen. Ziemlich bald hatte ich Jo an
meiner Seite, dessen Probleme ich auch sofort erkannt hatte. Ich befand mich
mit ihm in einer schier ausweglosen Situation, doch zumindest vorerst gab es
eine Lösung.
So nimmt das Schicksal seinen Lauf,
ausgelassene Freude wird von Ernüchterung verdrängt. Denn die Welt hat sich von
einem auf den anderen Augenblick verändert. Nur noch wenige Menschen gehören zu
den Überlebenden. Ein seltsames Muster scheint die Basis zu bilden. Doch für
die Erforschung der Ursachen ist es noch zu früh. Nun geht es vorrangig um das
nackte Überleben.
So sehr ich mich auf die Fortsetzung von
„Der Finder“ gefreut hatte, so groß war allerdings auch nach einigen Seiten erstmal
meine Ernüchterung. Ich muss gestehen, ich habe das Drumherum des Entstehens
der Fortsetzung nur am Rande verfolgt. Vielleicht sind mir deshalb auch einige
Informationen entgangen.
Nachdem ich nämlich doch etwas weiter in
der Geschichte fortgeschritten war, musste ich dann erstmal auf den Buchdeckel
schauen, ob ich tatsächlich „Nomaden“ in der Hand hielt, oder irgendwie auf ein
Remake von „Der Finder“ gestoßen bin. Denn Handlungen und Abläufe kamen mir irgendwann
sehr bekannt vor. Ich hatte den Eindruck, den ersten Teil nochmals mit anderen
Charakteren und etwas abgewandelten Handlungssträngen zu lesen. Eine Abweichung
davon war für mich ein Handlungsstrang mit einer Gruppe aus zwei Personen, der
jedoch unwesentlich später in großen Teilen wieder aufgelöst wurde, in
Grundzügen dennoch erhalten blieb. Insofern wiederholte sich die Geschichte für
mich und ich hatte so manches Déja-vu. „Nomaden“ wurde für mich immer mehr zu
einer Fortsetzung, die eigentlich keine ist. Denn erwartet habe ich eine
Geschichte, die auf den ersten Teil aufbaut und keine parallelen Begebenheiten
erzählt.
Trotz der langsam in mir aufkeimenden
Zweifel hatte ich dennoch so manches Erlebnis in einem immer mehr von der
starken Natur eingenommenen Deutschland, konnte die Entwicklungen spüren und
mich treiben lassen. Auch so manche Gefahr erlebte ich hautnah, war froh, wenn
die Bedrohung vorüber war. Denn dieser zweite Band ist trotz der Gleichnisse
auf jeden Fall ausgefeilter, wirkt ausführlicher und beschreibender. Irgendwann
gelang es mir dann auch, mich nur auf diese Geschichte einzulassen und den
ersten Teil auszublenden.
Die Geschichte selbst wurde aus
wechselnden Sichten in Vergangenheitsform erzählt. Hierbei wurde Jo durch die Abschnitte
in Ich-erzählender Perspektive eindeutig zum Protagonisten ernannt. Alle
anderen dargestellten Sichten berichten in dritter Person. Die Entwicklung im
Stil von Michael Schreckenberg konnte ich deutlich spüren, auch wenn dieses
Empfinden für mich durch meine bereits angeführten Anmerkungen doch einige kleine
Rückschläge erhielt.
Das Ende der Geschichte enthielt zwar
eine Erklärung, weshalb die Welt nun genauso ist, wie sie ist. So richtig
konnte ich mich damit zwar nicht abfinden, akzeptiere dies jedoch an dieser
Stelle. Die Abrundung ist dem Autor damit gelungen.

Auf jeden Fall kann man
auch zu den „Nomaden“ greifen wenn man den ersten Band „Der Finder“ nicht
gelesen hat, da der Fortsetzungsband nicht an der Geschichte des ersten Teils
ansetzt, sondern letztendlich nahezu eine Parallelentwicklung bietet. Im
Endeffekt konnte ich auch „Nomaden“ genießen und stelle das Buch nun
zufrieden in mein Regal.

„Nomaden“ war von mir heiß erwartet,
konnte meine Erwartungen an eine Fortsetzung jedoch nicht in allen Belangen
erfüllen. Endzeitgefühle und Überlebenswille verschafften mir dennoch viel
Lesefreude, die in knappen 4 Büchern mündet.
Für alle, die deutsche Landschaften in
endzeitlichen Strukturen erleben möchten, sich der Gefahren dabei bewusst sind
und den Glauben an die Zukunft nie verlieren.
1. Der Finder

2. Nomaden

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4 KOMMENTARE

  1. "Der Finder" habe ich vor exakt 4 Jahren gelesen und war begeistert. Wusste gar nicht, dass es eine Fortsetzung gibt und die werde ich mir nun näher anschauen. Danke für den Tipp!

    LG Nicole

    • Hallo Ruby,

      es lohnt sich auf jeden Fall. Allerdings ist es eben nicht wirklich eine Reihe im klassischen Stil. Die beiden Bände spielen mehr oder weniger zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten. Kann ich aber echt empfehlen 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

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