♂ Aquamarin (Andreas Eschbach) [Rezension]

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„Alle starren mich an. Auf einmal
scheint die ganze Welt aus Augen zu bestehen. Ich weiß nicht, was ich sagen
soll, also sage ich gar nichts.“
(S.39)
Seahaven ist eine neotraditionalistische
Stadt in Australien. Alle Einwohner lieben das Meer. Und jeder ist mit dem
Ozean auf irgendeine Art verbunden.
Auch Saha lebt mit ihrer Tante in
Seahaven. Doch ihre Wunden verbieten es ihr, im Meer zu schwimmen, dem Wasser
nah zu sein. Genau das macht sie natürlich zur absoluten Außenseiterin. Sie
leidet, sie versucht, sich größtmöglichst im Hintergrund zu halten. Und doch
wird sie immer wieder zum Opfer. Später entdeckt sie das Geheimnis, das in ihr
schlummert. Doch wenn jemand davon erfahren sollte, wird sie aus Seahaven
verbannt.
Von „Aquamarin“ habe ich das erste Mal auf
der Buchmesse 2015 in Leipzig erfahren und fand die Idee sehr interessant. Umso
mehr, als ich von Andreas Eschbach bereits einige Bücher gelesen und diese für
gut befunden hatte. Also war ich schon sehr gespannt auf diese neue Geschichte
des Autors.
Und so fand ich mich im Jahr 2151
wieder. Die Welt hatte sich deutlich verändert und war mittlerweile in Zonen
aufgeteilt. Selbst die Energiekriege hatte die Menschheit überstanden. Und alle
gefährlichen Tiere, ob nun vom Aussterben bedroht oder nicht, wurden
vernichtet.
Saha lebt zusammen mit ihrer Tante in
einer neotraditionalistischen Zone. Ihre Mutter ist schon lange tot, ihren
Vater kennt sie nicht einmal. Alte Gebräuche und Traditionen wurden in Seahaven
bewahrt. Bestimmte Dinge, wie Genmanipulationen oder einige technische
Entwicklungen, die die Menschen von Maschinen und Robotern abhängig machen
würden, sind verboten. Doch auch hier lauern so einige Tücken. Denn die Kluft
zwischen Arm und Reich ist selbst in Seahaven erkennbar. Auf den ersten Blick
erscheint Saha daran angepasst. Und doch fühlt sie sich eingeengt. Trotz der
Sicherheit, trotz des vermeintlichen Glücks, das ihre Tante in dieser Zone
gefunden hat. Um nichts in der Welt würde Saha dieses Leben riskieren wollen.
Als Saha ihr Geheimnis endlich entdeckt,
ist der Schock erstmal groß. Wie kann sie das Geheimnis bewahren? Zu viel steht
auf dem Spiel! Und doch kann sie nicht widerstehen und bringt sich womöglich in
Gefahr.
Andreas Eschbach hat hier eine wirklich
interessante Welt entworfen. Mit diesem Weltentwurf konnte mich der Autor auf
jeden Fall zu großen Teilen überzeugen. Die Geschichte selbst erlebte ich aus
der Ich-Perspektive Sahas in Gegenwartsform. Ihre Gedanken waren mir dadurch
immer sehr nah und ich konnte oftmals verstehen, warum sie in einigen
Situationen gerade so reagierte. Eingebaute Dialoge rundeten den Plot gut ab.
Die Handlung an sich bleibt zum größten
Teil eher ruhig. Ab und an flackerten Spannungsspitzen auf, verebbten dann doch
relativ schnell. Die Erklärungen zu Hintergründen waren für mich sehr
interessant, dennoch hätte ich diese nicht immer unbedingt benötigt. Ich
erlebte Lektionen zu zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen. Der
Fokus der Geschichte lag für mich eindeutig auf der Entwicklung der Charaktere,
so dass der Actionfaktor zwar ansatzweise vorhanden war, jedoch immer wieder in
den Hintergrund gedrängt wurde.
Die Entwicklung von Saha ist nämlich
wirklich sagenhaft. Man könnte fast die Geschichte vom hässlichen Entlein zum
schönen Schwan als Beispiel nehmen. Saha war für mich durchgehend ein
sympathischer Charakter, dessen Stärke von Seite zu Seite gewachsen ist. Trotz
aller Einschüchterungen zum Anfang erkennt sie ihre wahre Stärke und gewinnt
zunehmend an Selbstbewusstsein.

Das Ende der Geschichte
wurde von Andreas Eschbach sehr treffend entworfen. Genau so habe ich mir das
Finale gewünscht. Denn obwohl noch nichts gewiss und sicher ist, könnte ich mir
eine Anknüpfung, sprich einen Folgeband, durchaus vorstellen.

„Aquamarin“ glänzt nicht mit
atemberaubender Spannung. Es ist dennoch eine Geschichte, bei der man immer
wissen will, was als Nächstes geschieht. Charakterliche Entwicklungen in einem
wirklich schwierigen Umfeld lassen mich auf jeden Fall gute 3 Bücher vergeben.
Für alle, die sich vor Entdeckungen
nicht fürchten und Geheimnisse wahren können, viel Wert auf die Entwicklung von
Charakteren legen und das Heft des Handelns nie aus der Hand legen wollen.

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2 KOMMENTARE

  1. Ich lese Aquamarin gerade, mein erster Eschbach ��
    Der Rezension kann ich bis zum jetzigen Zeitpunkt voll zustimmen, bin dreiviertel durch ��
    Ich kann es auch gar nicht erwarten weiter zu lesen , so sehr hat mich die Geschichte in ihre Bann gezogen.
    Ich bin jetzt, nach dem Lesen der Rezi, noch neugieriger auf das Ende.
    Danke dafür
    LG Meli ����

    #CLOCKWORK

    • Hallo Meli,

      Eschbach-Bücher kann man eigentlich immer lesen 🙂 Probier mal "Black Out", "Hide Out" und "Time Out" von ihm. Die Reihe hatte mir wirklich richtig gut gefallen. Vielleicht wäre das ja auch was für dich 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

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