♀ Bin mal kurz tot (Lance Rubin) [Rezension]

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Dank den Forschern von
AstroThanatoGenetic kann der Tod eines Menschen bis auf den Tag genau
vorherbestimmt werden. Die Gesellschaft hat sich verändert, seit die Bestimmung
in vielen Ländern obligatorisch wurde. Man „feiert“ seine letzte Woche und
nimmt letztendlich sogar an seiner eigenen Bestattungsfeier teil.
Denton Little weiß, dass er am nächsten
Tag sterben wird. Er weiß nicht wie und wann genau – der Tag hat ja 24 Stunden
– aber es wird morgen soweit sein. Ein schlechter Zeitpunkt also, um total
verkatert in einem fremden Bett aufzuwachen und den ersten Blackout seines
Lebens zu haben.

Stück für Stück versucht Denton, die
letzte Nacht zu rekonstruieren, ehe bei seiner Bestattungsfeier ein Mann auf
ihn zugeht, der etwas über Dentons verstorbene Mutter zu wissen scheint. Und
plötzlich hat Denton noch mehr nachzudenken als über seinen bevorstehenden Tod.
Der Titel, das Cover, sowie der
humorvolle Klappentext hatten mich so neugierig gemacht, dass ich sofort zu dem
Buch greifen musste.
Schon der Einstieg gelang Lance Rubin
einfach wunderbar. Der 17-jährige Protagonist Denton wacht völlig ahnungslos in
einem Bett auf, das nicht ihm gehört. Durch die gewählte Erzählung in Ich-Perspektive in Gegenwartsform ist man als Leser hautnah bei dem Kater dabei. Während Denton
versucht, sich an die vergangene Nacht zu erinnern, erklärt er immer wieder,
wie sich die Welt seit der Bestimmung des Todestages verändert hat.
Die Grundidee fand ich richtig gut
gelungen und gut durchdacht. Es wäre makaber, Leute mit aktuellem Todesdatum in
ein Flugzeug zu lassen – auch wenn die anderen vermutlich mit Verletzungen oder
Koma davonkämen. Auch den Umgang mit dem Wissen um den eigenen Tod fand ich
gut. Eine Spring-Break-artige Abschiedswoche, schulfrei, alles, was man sich
noch gewünscht hat, erledigen können… In der Theorie ist das für Denton auch
recht klar, doch die Praxis sieht anders aus.
Er wusste von klein auf, dass er zu den
„Frühen“ gehört und er wollte immer ein normales Leben führen, eine tolle
Beziehung haben und kein Idiot sein. Doch an seinem letzten Tag, den ich
gemeinsam mit ihm erleben durfte, verändern sich seine Vorstellungen doch ein
wenig.
Stück für Stück arbeitete der Autor
einen Faden ein, dem ich nur neugierig folgen konnte. Die kleinen Häppchen wie
beispielsweise über den Bekannten von Dentons verstorbener Mutter schubsten
mich immer weiter in der Geschichte, bis ich nicht mehr von den Seiten loskam.
Lance Rubins Schreibstil machte mir das
aber auch nicht schwer. Die Sprache passte einfach perfekt zu dem jugendlichen
Protagonisten und die naiv-jugendliche Art kam perfekt bei mir an. Die Dialoge
waren teilweise zum Auflachen und die Vergleiche und Beschreibungen brachten
mich ebenfalls zum Schmunzeln.
Bei all dem Humor und jugendlich-naivem
Charme werden dennoch (für Jugendliche) tiefgründige Fragen aufgeworfen und
eine Antwort gesucht. Was passiert nach dem Tod? Wie werden diejenigen, die
jetzt schon so lange mit dem frühen Todesdatum umgehen müssen, den Tod selbst
bewältigen? Was muss man erlebt haben, bevor man stirbt?

All dies ist jedoch weniger dramatisch,
wie es sich anhört, denn Denton hat auch in seiner Denkweise meist wenig
Taktgefühl und redet/denkt locker-flockig darüber nach. So wurde ich förmlich
durch die Geschichte gerissen und wurde immer neugieriger gemacht. Auch wenn
„Bin mal kurz tot“ nicht gerade von nervenaufreibender Spannung geprägt ist,
gleicht der humorvolle Schreibstil dies größtenteils aus und ich fieberte nicht
der nächsten Spannungsspitze sondern der nächsten kleinen Wendung oder dem
nächsten (unfreiwillig komischen) Witz entgegen.
„Bin mal kurz tot“ von Lance Rubin war
genau das, was ich erwartet hatte. Ein humorvolles Buch über den Tod und was es
bis dahin alles zu erledigen gibt. Wer wirklich Tiefgründiges erwartet, wird
enttäuscht werden – wer sich auf diesen besonderen Weltenentwurf einlassen und
sich durch die absolut witzigen Dialoge mitreißen lassen kann, erlebt von
Lachen durchzogene Lesestunden – ohne nervenaufreibende Spannung oder
großartiges Drama. Die Stunden an Dentons Seite belohne ich mit 4 Büchern.
1. Bin mal kurz tot
2. Originaltitel: Denton Littles
Birthdate
(voraussichtlicher Erscheinungstermin:
2016)

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11 KOMMENTARE

  1. Hallo Steffi,

    als ich das erste Mal das Cover und den Klappentext gesehen/gelesen habe, wusste ich, dass ich es sehr gerne lesen will und freue mich jetzt, auch dank deiner tollen Rezi, um so mehr darauf.

    Liebe Grüße,
    Uwe

  2. Auch dieses Buch kommt direkt auf meine Wunschliste 🙂
    Eigentlich mag ich Romane über den Tod gerne, wenn viel Drama darin vorkommt, aber das hier klingt einfach mal "anders" 🙂

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