♂ #rausmitderdicken (Sophia Bennett) [Rezension]

„Es war Freundschaft auf den ersten
Blick. Sie kannte Gedichte von meinem Lieblingsdichter Stevie Smith auswendig
und führte wie ich ein Album mit Bildern aller entlegenen Orte, die sie eines
Tages besuchen will.“
(S.31)
„Die Musik hebt mich hoch, hoch über die
Menge. Es ist, als würde ich fliegen lernen und wollte nie wieder landen.“
(S.63)
Sasha, Nell, Jodie und Rose sind beste
Freundinnen. Und sie haben eine Band. Allerdings treten sie nicht öffentlich
auf, sondern singen allein für sich.
Plötzlich ist das nagelneue iPhone von
Sasha verschwunden. Darauf befinden sich viele, für die Mädchen peinliche
Videos, in denen sie zusammen Songs üben und singen. Der aus einer Laune heraus
entstandene Hit „Sonnenbrille“ ist ebenfalls zu sehen. Und dann beginnt das
Desaster. Eines der Videos, gerade „Sonnenbrille“, taucht bei Killer Act, einer
Online-Casting-Show von Interface, auf. Die User scheinen es zu mögen. Es gibt
immer mehr Liker. Die Girls-Band befindet sich unter den TOP 100 und wird zum
Finale eingeladen. Doch nun müssen sie eine Entscheidung treffen, die die Jury
von ihnen verlangt. Und damit treten sie eine gewaltige Lawine los, die ihr
ganzes Leben verändern wird. Denn eine von ihnen muss die Band verlassen.
„#rausmitderdicken“ ist eigentlich nicht
unbedingt in dem Genre gelagert, das ich normalerweise lese. Doch die
sympathische Sophia Bennett konnte mich auf der Buchmesse in Leipzig durch ihre
positive Ausstrahlung davon überzeugen, dass ich diesen Ausflug vielleicht doch
einmal wagen sollte. Und irgendwie hatte ich auch gerade Lust auf diese
Geschichte. Gut, dass „#rausmitderdicken“ schon lesebereit auf meinem SuB lag.
So startete ich also in die Geschichte
und war gespannt, was mich erwarten würde. Von Anfang an wurde ich dann auch
von Sasha, der Protagonistin, abgeholt und mitgenommen. Mit ihr wagte ich meine
ersten Schritte in diese Realität und wurde neugierig auf mehr.
Ich stürzte also in eine Welt von
Teenager-Mädchen, wie ich sie mir zum Teil bisher auch immer so ausgemalt
hatte. Es war interessant, meine Meinung bestätigt zu bekommen und ich fand es
wirklich gut. Kein Wunder – Bestätigung hat immer etwas! Ich erlebte Sasha,
Rose, Jodie und Nell in ihrem Alltag. Und danach. Ganz ehrlich, ich freute mich
mit ihnen. Sie hatten viel Spaß, konnten sich miteinander über Sachen freuen
und hielten zusammen. Und dann kam dieser Tag, an dem sie, eigentlich nur
nebenbei und beim Blödsinn machen, ein Video drehen, dessen Song sie den Titel
„Sonnenbrille“ geben.
Als Sashas iPhone verschwunden ist,
denken sie sich erstmal noch nichts Schlimmes. Doch „Sonnenbrille“ taucht nun
bei Killer Act, einer Internet-Casting-Show auf und steigt unaufhörlich im
Ranking. Ich konnte die Gefühle der Mädchen nachvollziehen, die das Geschehen natürlich
beobachteten, auch wenn die Bewerbung ungewollt war. Und nun geraten sie in
einen Medienstrudel, der so nicht absehbar war. Und vor allem werden sie vor eine
Entscheidung gestellt, die sie eigentlich nicht treffen wollen. Doch das
Ergebnis macht sie letztendlich zu einer öffentlichen Zielscheibe. Denn Rose,
im Vergleich zu den anderen Mädchen kräftiger gebaut, muss die Band verlassen. Sie
haben sie sozusagen öffentlich diskreditiert. Und darauf werden die Mädchen ab
sofort reduziert. Der Shitstorm im Internet trifft sie mit ungeahnter Härte.
Sophia Bennet schreibt locker und
flüssig. Ich fühlte mich jederzeit wohl in der Geschichte und konnte die
Handlungen der Charaktere zum größten Teil nachvollziehen. Die Protagonistin
Sasha erzählt die Handlung aus Ich-Perspektive in der Gegenwart, so dass ich
immer aktuell informiert über das Geschehen war. Ernste Themen wie Cybermobbing
und erste Liebe packt die Autorin in ein gut strukturiertes Geschehen und
versucht, die Handlungen abgemildert an den Leser zu bringen. Und doch konnte
ich beim Lesen die Emotionen fühlen, die Mauer, die sich um die Mädchen bildet.
Gerade noch berühmt, sind sie nun das Ziel jeglichen Hasses. Gewinner kann es
dabei eigentlich nicht geben…
Sophia Bennet versteht es geschickt, die
alltäglichen Risiken, vor allem im Internet, glaubhaft darzustellen und darauf
hinzuweisen. Sei es im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit von Casting-Shows und
Internet- Rankings, die Realität lässt sie dabei nicht außen vor und beschreibt
zwischenmenschliche Problemstellungen, gerade in der Pubertät, vorstellbar.
Die Geschichte selbst hatte sicherlich
ein paar kleinere zähere Stellen, an denen ich nicht spürbar vorangekommen bin,
dennoch fühlte ich mich insgesamt gut unterhalten. Nachdem ich mich auf dieses Genre
dank des Schreibstils der Autorin wirklich einlassen konnte, ließ Sophia Bennet
zum Ende hin mein Herz nochmals höher schlagen, bevor ich mich von Sasha und
Co. verabschiedet habe. Dieser Ausflug hat mir auf jeden Fall sehr viel Freude
gemacht.
#rausmitderdicken“ zeigt die Risiken
der heutigen multimedialen Zeit auf, punktet zugleich mit authentisch wirkenden
Szenerien und Handlungen. Die Zeit an der Seite von Sasha konnte ich genießen
und vergebe deshalb 4 Bücher.
Für alle, die sich unbewussten Risiken
aussetzen, heftigen Situationen standhalten und einfach mehr als alles andere
auf Freundschaft vertrauen.

10 KOMMENTARE

    • Hi Yvonne,

      ich muss schon sagen, dass ich eine wirklich andere Entwicklung erwartet hatte. Stellenweise konnte mich die Geschichte auch richtig berühren…Man sollte diese Geschichte wirklich mal lesen. Kann es nur empfehlen 🙂

      Liebe Grüße

      Kay

    • Hallo wayland,

      dankeschön:-) Ich bin mir (fast) sicher, dass dir die Geschichte gefallen wird! Sie ist auf jeden Fall nicht so, wie man bei diesem Titel erwartet…

      Liebe Grüße

      Kay

  1. Ich liebe das Buch! Hatte zwar einige wenige seltsame Stellen (der kleine Hacker, ist klar, ne), aber es war so unglaublich authentisch 😀
    Freut mich, dass es bei dir auch punkten konnte 😀 Völlig verdient, meiner Meinung nach :3

    LG Heffa

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