♂ Deleted (Margit Ruile) [Rezension]

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„Eigentlich beginnt damit die
Geschichte.
Sie beginnt mit Misstrauen.
Mit einer abgelegenen Straße.
Und mit Kameras.“
(S.21)
In Berlin im Jahr 2035 sind die
elektronischen Helfer nicht mehr wegzudenken. So gut wie jeder Mensch hat ein
E-brace am Handgelenk. Ebenso gehören die vielen Kameras und Drohnen zum Alltag.
Die Kriminalitätsrate ist hierdurch deutlich gesunken.
Seit vor Jahren die virtuellen Slaves, im
E-brace enthaltene personalisierte Avatare, vom Konzern Logos eingeführt
wurden, ist eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Menschen gewährleistet. Das
nicht so Offensichtliche ist jedoch, dass den Slaves damit auch sämtliches
Wissen über ihre Besitzer zugänglich wird.

Ben vertraut seinem Slave Sakar. Von
frühester Kindheit an ist dieser sein Begleiter. Doch plötzlich entdeckt Ben
eine neue Eigenschaft an Sakar, die offensichtlich nicht alle Slaves
beherrschen. Kurze Zeit später gerät er an Jan aus der geheimen Organisation
der „Falschen Freunde“. Ben vertraut den Informationen, die er von Jan erhält
und bringt ein großes Opfer, um den „Falschen Freunden“ beitreten zu können.
Doch plötzlich findet er sich in einem Geflecht aus Tricks, Lügen und falschen
Spielen wieder und ist damit in großer Gefahr.
Schon der Klappentext von „Deleted“
klang für mich nach einer interessanten Geschichte. Umso mehr habe ich mich
gefreut, als das Buch endlich bei mir eingetroffen ist. Damit war klar, dass
ich es als nächstes lesen würde.
Gleich zu Beginn konnte ich bemerken,
dass mich hier sicherlich keine typische Erzählung erwarten würde. Die in drei
Teile gegliederte Geschichte beginnt nämlich letztendlich schon mit einem
möglichen Ergebnis. Nun war ich natürlich neugierig, welchen Weg Margit Ruile
sich ausgedacht hat, um zu diesem Endpunkt zu kommen. Interessant für mich war aber
auch, ob ich wirklich an dieser Stelle landen würde oder eventuell doch noch
etwas anderes geschieht. Ich war also auf jeden Fall bereit, mich hier
überraschen zu lassen.
So traf ich auf den folgenden Seiten nun
auf Ben. Ich erfuhr, zu welchem Zeitpunkt er Sakar, seinen virtuellen Helfer,
erhalten hat und einige weitere Kleinigkeiten aus seinem Leben. Ben half mir,
mich nach und nach in seiner Welt im Jahr 2035 zurechtzufinden.
Sein größter Wunsch, oder besser gesagt
der Wunsch seiner Mutter, ist es, an der Akademie aufgenommen zu werden. Doch
hierzu ist es nicht nur notwendig, entsprechende schulische Leistungen
vorweisen zu können. Nein, auch die Benotung im Sozialverhalten ist enorm
wichtig. Und hier hatte Ben bisher immer etwas Probleme, da er eher in die
Kategorie Einzelgänger gehört.
Unbewusst eröffnet sich ihm ein Weg,
seinem Ziel näherzukommen. Natürlich ist dieser Weg nicht legal. Ben hat im
Nachhinein ein wirklich mieses Gefühl. Wenn jemand davon erfährt, geraten Bens
Ziele deutlich in Gefahr. Das wollen sich scheinbar die „Falschen Freunde“ zu
Nutze machen. Wie aus dem Nichts taucht eines Tages Jan auf und gibt Ben
verblüffende Informationen. Hat Ben denn überhaupt eine Wahl?
Der Schreibstil der Autorin war für mich
angenehm zu lesen. Die grundsätzlich gewählte Vergangenheitsform aus der Sicht
von Ben wird immer wieder mit Passagen aus seiner Gegenwart ergänzt. Hierdurch
kommt man zu dem gewollten Eindruck, dass man eine Geschichte im Tagebuchstil
liest. Wie ich später erfahren habe, war der Plot ursprünglich als Drehbuch
geplant und erst im Nachhinein als Roman aufbereitet worden.
Margit Ruile zeichnet eine beklemmende
zukünftige Welt voller Überwachung und falschen Tatsachen. Erschreckend fand
ich bei diesem Szenario ebenfalls, dass eindeutige Ansätze und Hinweise zu
bereits heutigen technischen Möglichkeiten glaubhaft dargestellt werden. Die
aktuelle Markteinführung eines am Handgelenk befindlichen (virtuellen) Helfers
dürfte uns allen ja in Erinnerung sein. Die Rechercheergebnisse der Autorin zu
den möglichen Entwicklungen der heutigen Technologie sind aus meiner Sicht definitiv
nachvollziehbar und nicht von der Hand zu weisen. Denn auch heute schon sind
unsere Daten bei vielen Firmen heiß begehrt.
Die Charaktere insgesamt kamen mir in „Deleted“
allerdings ein wenig zu kurz. Ich habe nicht viele Informationen über sie
erhalten, insofern ging mir so manche Handlung letztendlich auch nicht so nah.
Hier fühlte ich mich irgendwie nicht aufgenommen, als stiller Betrachter der
Handlungen.
Manche Szenen wirkten auf mich teilweise
etwas hakend und sprunghaft. Auch wenn durchweg eine fesselnde Anspannung zu
spüren war, hatte ich immer wieder das Gefühl nicht ganz abgerundeter
Handlungen. Dennoch hätte ich das Buch in keiner Sekunde zur Seite legen
wollen.

Ob das Ende nun tatsächlich der Version
vor der eigentlichen Geschichte entspricht, muss nun wohl jeder selbst für sich
herausfinden. Ich für meinen Teil kann mich nun zufrieden von dieser Geschichte
verabschieden und das Buch ins Regal stellen.
In „Deleted“ wurde ich mit einem
Zukunftsszenario konfrontiert, wie es beklemmender und erschreckender kaum sein
kann. Die Autorin hat es geschafft, dass ich mich sogar beim Lesen ständig
beobachtet fühlte. Meine Lesestunden im Jahr 2035 sind mir auf jeden Fall
knappe 4 Bücher wert.

Für alle, die sich von übermächtigen
Gegnern nicht einschüchtern lassen, Gefahren auch in der Zukunft bestehen
können und Gesellschaftssysteme nicht gedankenlos akzeptieren wollen.

Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.

10 KOMMENTARE

  1. Ah, eines meiner Top-Wunschbücher zur Zeit und ich bin echt froh, dass es hier so gut abgeschnitten hat! 😀 Da steht dem Kaufen und Lesen bald nichts mehr im Wege! 🙂

    Liebste Grüße,
    Nazurka

  2. Huhu Kay-Schatz,

    wow, das Buch klingt ja echt sehr interessant. Ich hatte es bisher so gar nicht auf dem Schirm, dank dir ist das jetzt anders. Schade ist allerdings, dass du den Charas nicht nahe kommen konntest, das ist mir bei einem Buch schon auch sehr wichtig.

    Viele Küsschen, Ally

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