♂ Infinity Drake (John McNally) [Rezension]

„Bildschirme erwachten zu Leben. Und
nach und nach tauchten die bekanntesten Gesichter der Welt vor ihnen auf.“
(S.51)
„Und dann…verwackelt, aber deutlich zu
erkennen, stand da plötzlich mitten auf der Lebenslinie von Als Hand eine
ziemlich verwirrte, leise meckernde, 4,5 Millimeter große Ziege.“
(S.79)
Nach dem Tod seiner Eltern lebt Infinity
– kurz Finn genannt – seit einigen Jahren bei seiner Oma. Nun soll sein Onkel
Alan eine Woche auf den Dreizehnjährigen aufpassen, weil Oma einen Urlaub
geplant hat.
Heimlich wollen Finn und sein
chaotischer Onkel die omafreie Woche in den Pyrenäen verbringen. Gerade auf dem
Weg dorthin, wird Al dringend zu einer Krisensitzung gerufen. Jemand hat einen
Scarlatti – ein ehemals als biologische Waffe entwickeltes Killerinsekt – im
Süden Englands freigelassen. Der Menschheit droht eine Katastrophe, wenn sich
das Monstrum vermehren kann. Entweder wird der Scarlatti rechtzeitig gefunden;
oder aber die Bedrohung muss mit Nuklearwaffen ausgelöscht werden. Die Zeit
läuft davon.

 

Um den Scarlatti zu finden, muss eine
Suchcrew mittels einer von Al entwickelten Maschine geschrumpft werden, um die
Spur des Insekts verfolgen zu können. Doch ganz so war es nicht geplant. Denn plötzlich
befindet sich auch der nun verkleinerte Finn zusammen mit Kelly, Stubbs und
Delta inmitten eines Kampfes gegen schier übermächtige Gegner.
Auf „Infinity Drake“ war ich schon
wirklich gespannt. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht und so freute ich
mich auf Abenteuer in der Makrowelt. Als das Buch dann überraschend schnell bei
mir angekommen ist, habe ich auch gleich mit der Geschichte begonnen.
Und so lernte ich Finn und seine
Umgebung vorerst langsam kennen und konnte mich damit vertraut machen. Anfangs
war ich aufgrund der allgemeinen Umstände schon ein wenig verwirrt, doch bald
glitt ich immer mehr in dieses Umfeld hinein. Hatte ich zu Beginn noch ein
wenig Abstand, hat sich dieser mehr und mehr verringert und ich konnte sowohl
zu Finn als auch zu Al Vertrauen fassen.
Das Buch ist in verschiedene Teile
gegliedert, bei denen jeweils die Spannung konstant wächst. Hatte der erste
Teil der Geschichte noch sozusagen einführenden Charakter – dieser Teil zog
sich für meinen Geschmack auch ein wenig – so wurde ich mehr und mehr förmlich
in die Seiten hineingezogen.
Man muss immer bedenken. Finn ist gerade
einmal dreizehn Jahre alt. Doch für dieses Alter trifft er einige sehr mutige
und vorausschauende Entscheidungen, die mitunter über Leben und Tod
entscheiden. Bereits von Beginn an konnte man erahnen, welches Potential in
diesem Jungen steckt. Und er hat es immer und immer wieder unter Beweis
gestellt. Nichts bringt ihn wirklich aus der Ruhe.
Infinity – Finn – ist eigentlich und vom
Grundsatz her ziemlich bedauernswert, weil er nacheinander seinen Vater und
seine Mutter verloren hat. Doch dies spielt in diesem Buch nicht wirklich die
Hauptrolle. Er hat sich damit abgefunden und geht seinen eigenen Weg. Finn ist
intelligent und weiß, mit Sarkasmus und Witz eine Hülle um sich herum zu bauen.
Und diese Hülle bröckelt im gesamten Verlauf der Geschichte nicht ein einziges
Mal. Das meiste hat sein Onkel Al dazu beigetragen. Denn sie haben eine stille
Abmachung. Und jeder hält sich daran, obwohl es dazu eigentlich keinen Anlass
mehr gibt. Finn ist taff und findet sich mit jeder Situation zurecht.
John McNally weiß wirklich, durch
humorvolle Dialoge und Einblendungen zu bestechen. Ich erlebte seine Geschichte
aus der Sicht eines Erzählers in Vergangenheitsform. Die Charaktere wurden mir
mit einfachen Mitteln wirklich nahegebracht; und so konnte ich jeden Einzelnen
für mich einordnen und entsprechende Sympathien oder Antipathien entwickeln.
Die Dialoge zwischen den Charakteren waren hier eindeutig das Salz in der Suppe.
Oftmals musste ich schmunzeln, einige Male in mich gehen und doch konnte ich
diesen Wortwitz ziemlich genießen.
Es war für mich definitiv, trotz aller
Bedrohung in der realen Welt, ein wirkliches Abenteuer, all diese Gefahren in
der Makrowelt, die man sonst sicherlich nicht beachtet, real geschildert zu
bekommen. Ist es im täglichen Leben die kleine Spinne, die nun wirklich – wenn
man sich im Miniaturformat befindet – eine riesige Bedrohung darstellt, oder
die allgegenwärtigen Mücken, Fliegen und Mäuse. Alle Lebewesen, die größer als
9 Millimeter sind, trachten einem dann definitiv nach dem Leben bzw. können
gefährlich werden. Dies alles wurde entsprechend gut beschrieben und hat mich
wirklich begeistert. Ein Scarlatti selbst stellte für mich das Worst-Case
schlechthin dar. So einem Wesen möchte ich nie und nimmer begegnen!
Nach der Einführung in diese real
wirkende Welt wurde ich von Spannungsspitze zu Spannungsspitze getrieben und
konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Einzige Kritik muss ich hier an
die für mich etwas langwierige Einleitung und an die oftmals gebrauchten
wissenschaftlichen Ausdrücke, überspitzt in Fußnoten dargestellt, loswerden,
die mich im Lesefluss mitunter etwas ausbremsten. Insgesamt fand ich die
Geschichte allerdings wirklich erfrischend und spannungsgeladen.

 

Auch das Ende fand ich ziemlich passend.
Der Autor ließ die Geschichte beruhigend ausklingen und ließ damit meinen
Herzschlag auch wieder in normale Werte abgleiten.
„Infinity Drake –Scarlattis Söhne“
glänzt nach einem für mich etwas langwierigem Einstieg durch Spannung und
realistischen Fortgang mit Geheimdienst-Feeling, der es mir nicht erlaubte, das
Buch zur Seite zu legen. Trotz kleiner Unwägbarkeiten fühlte ich mich mitgerissen
und konnte dem Sog der Geschichte nicht entfliehen. Meine Abenteuer mit Finn in
der Makrowelt belohne ich deshalb mit sehr guten 4 Büchern.
Für alle, die Welten aus anderen Sichten
erleben möchten, sich deren Gefahren jedoch bewusst werden und das Ziel
beständig im Auge behalten. Für die Zielgruppe definitiv ein Must-Read.
1. Infinity Drake – Scarlattis Söhne
2. ? (in Planung)

13 KOMMENTARE

  1. Hallo Kay,

    vielen Dank für eine Rezi. Ich habe noch überlegt, ob ich beim Gewinnspiel der Leserwelt zu diesem Buch mitmachen soll, aber jetzt werde ich es auf jeden Fall versuchen. Mich schreckt nur ein wenig ab, dass es sich schon wieder um eine Trilogie handelt 😀

    Liebe Grüße
    Sandra

  2. Hallo Sandra,

    ja, schon wieder ein Trilogieanfang…Wobei dieser Teil in sich schon abgeschlossen ist. Einen bösen Cliffhanger gibt es auch nicht. Du kannst das Buch also beruhigt lesen 😉

    Liebe Grüße

    Kay

  3. Das Buch habe ich letztes Jahr auch gelesen, in einer Leserunde mit eher gemischten Meinungen. Ich fand es aber total witzig und finde mich in eurer Rezension ziemlich wieder!
    Freut ihr euch auch schon auf Teil 2?

    #Clockwork

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