♀ Wo ein bisschen Zeit ist… (Emil Ostrovski) [Kurzrezension]

„Wo ein bisschen Zeit ist…“ hat
überraschend den Weg zu mir gefunden und obwohl mir „unfantastische“
Geschichten nur selten liegen, wurde ich neugierig.
Im Prolog wurde ich mit dem Heute
konfrontiert. Eine Rahmenhandlung, die mir zeigte, dass alles ein nicht ganz so
schlechtes Ende nehmen konnte. Erst danach erfuhr ich, wie es Protagonist Jack
damals ergangen ist.
Jack ist kurz davor, sich fast
umzubringen, um Aufmerksamkeit zu erregen, als seine Ex-Freundin Jess anruft
und ihm mitteilt, dass sie soeben seinen Sohn zur Welt bringt.
Anstatt seinen trübsinnigen Gedanken
zu folgen, fährt Jack ins Krankenhaus und schließt seinen Sohn sofort ins Herz.
Um noch ein wenig Abschied nehmen zu können, bevor er von den Adoptiveltern
mitgenommen wird, entführt er den Kleinen und setzt sich in den Kopf, gemeinsam
mit ihm seine senile Großmutter zu besuchen.
Kurzerhand begleiten ihn auch sein
bester Freund Tommy und die Kindsmama Jess. Zu seinem Sohn, den er für sich
Sokrates nennt, baut Jack eine ganz besondere Beziehung auf, indem er mit ihm
„redet“ und philosophische Fragen über das Sein ausdiskutiert. Ihm ist bewusst,
dass lediglich sein Unterbewusstsein diese Diskussion führt – er ist ja
schließlich nicht verrückt – dennoch gefällt es ihm, mit seinem Sohn derartiges
zu bereden, ihn auf die Zukunft vorzubereiten.
Ich muss gestehen, dass gerade diese
Diskussionen für mich fehl am Platz waren. Der „lockere Roadtrip“ wird für jene
Passagen definitiv durchbrochen und man läuft Gefahr, etwas Existentielles zu verpassen.
Die Situationskomik war wesentlich mehr nach meinem Geschmack. Durch den Umgang
der Jugendlichen mit einem Neugeborenen (das erstaunlich gut mitmacht für ein
Neugeborenes – und hier rede ich nicht von den philosophischen Gesprächen)
kommt es zu komischen Situationen, auch die vielen seitenfüllenden Dialoge
bieten mehr als Umgangssprache und brachten mich teilweise zum Auflachen.

 

Wirkliche Spannung besteht trotz der
stetigen Verfolgungsjagden und der „Bedrohung“ durch die Polizei nie wirklich,
viel zu einfach entkommen die Jugendlichen den Gesetzeshütern, ganz gleich, wie
nah dran diese sind und so stellte ich niemals infrage, wie es ausgehen wird
(es steht ja auch auf dem Schutzumschlag des Buches). Mit dem Ende rundet Emil
Ostrovski seinen besonderen Roadtrip dann perfekt ab – auf emotionale und
philosophische Art.
„Wo ein bisschen Zeit ist…“ ist ein philosophischer Roadtrip der mit
seinen humorvollen Einschlägen Leserherzen begeistern wird. Mir liegt das
„unfantastische“ Genre nicht und ich hatte mit dem flachen Spannungsbogen und
den platten Jugend-Dialogen zu kämpfen. Die Erörterungen der vielen großen
Fragen der Menschheit und der oftmals daraus resultierenden Situationskomik
genoss ich jedoch und so war der Ausflug über meinen Tellerrand doch nicht ganz
so falsch. 3 Bücher für „Wo ein bisschen Zeit ist…“

2 KOMMENTARE

  1. So, dann ist meine Rezi auch mal online 🙂
    Ich habe das Buch auch mit 3 Herzen bewertet und ähnliche Punkte wie du aufgeführt. Etwas schade, ich hatte mir von dem Buch mehr versprochen. Allerdings konnte der Autor mich nicht wirklich "abholen".

    Liebste Grüße,
    SaCre

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