♂ Stigmata – Nichts bleibt verborgen (Beatrix Gurian) [Rezension]

„Ich war nur noch ein atmender Haufen
von Haut und Knochen, und das war auch gut so.“
(S.17)
„Das Leben ist ein Sterben. Es sind
die vielen kleinen Tode, die dem Leben einen Sinn geben.“
(S.46)
„Ich höre ein merkwürdig rasselndes
Geräusch, irgendetwas zwischen einem Wimmern und Röcheln, und in dem Moment, als
ich registriere, dass es von mir kommt, wird mir schwarz vor Augen.“
(S.76)
Nach dem Unfalltod ihrer Mutter gibt
sich Emma die Schuld. Wie undankbar sie doch gewesen war. Emma zieht sich total
von der Welt zurück und resigniert. Doch dann bekommt sie dieses Fotoalbum
zugeschickt. Dem Album ist eine Nachricht beigelegt. Um die Mörder ihrer Mutter
zu entdecken, soll sie sich zu einem Camp der Transnational Youth Foundation anmelden.
In Emma wächst die Hoffnung. Ist ihre Mutter womöglich gar nicht tot?

 

Im Camp trifft sie auf drei weitere
Jugendliche. Und jeder scheint ein Geheimnis in sich zu tragen. Doch auch bei
den Betreuern kann man sich nicht sicher sein. Plötzlich geschehen seltsame
Dinge. Emma befindet sich in großer Gefahr.
In letzter Zeit habe ich einige sehr
positive Meinungen über „Stigmata“ gelesen. So langsam wurde ich wirklich
neugierig auf die Geschichte. Und irgendwie hatte das Buch dann tatsächlich zu
mir gefunden. Es war also so eine Art Vorhersehung. Natürlich habe ich mich auch
sofort in die Seiten gestürzt.
Gleich zu Beginn traf ich auf eine
ziemlich traumatisierte Emma. Erst kürzlich ist ihre Mutter bei einem Unfall
gestorben. Und kurz vorher hatte sich Emma noch mit ihrer Mutter gestritten.
Seit dem Unfall hat sich Emma zurückgezogen. Sie lässt niemanden an sich ran,
kommt nicht aus der Wohnung heraus. Zu groß sind ihre Selbstvorwürfe und
Selbstzweifel. Emma ist total am Boden.
Von der ersten Seite an fühlte ich
mich in dieser Geschichte wirklich gut aufgehoben. Ich fand hier bereits am
Beginn einen guten Mix an Erfolgszutaten für einen guten Plot. Ich erlebte eine
bedauernswerte Protagonistin, die nicht mehr weiter weiß, kurz darauf plötzlich
doch noch Hoffnung schöpfen kann. Und schon ging es mit Tempo in dieses
eigenartige Camp. Gleich nach dem Ankommen konnte man spüren, dass hier
wahrscheinlich etwas nicht stimmt. Und dieses Etwas musste gewaltig groß sein.
Insofern fühlte ich zwischen den Zeilen immer einen gewissen Nervenkitzel, der
mich nicht mehr von den Seiten ließ.
Emma ist definitiv eine Protagonistin,
an deren Seite ich mich wohlfühlte und ihre Erlebnisse genießen konnte. Sie
zeigt Mut, kann Zusammenhänge begreifen und hält an ihren gradlinigen
Entscheidungen fest, ohne sich beirren zu lassen. Emma geht ihren Weg,
konsequent und kompromisslos. Sie ist ein Charakter, wie man ihn einfach lieben
muss. Ihre teilweise wider aller menschlichen Instinkte wirkenden Handlungen
konnte ich letztendlich akzeptieren, weil sie die Geschichte immer wieder voranbrachten.
Beatrix Gurian vermittelt ihre
Geschichte in unterschiedlichen Handlungssträngen. Auf der einen Seite haben
wir hier die Hauptgeschichte, die mir in Ich-Perspektive in Gegenwartsform von
Emma präsentiert wurde. Flankiert wird das Ganze von zwei weiteren Sichtweisen,
die mir einerseits die unmittelbare Zeit vor dem Camp-Aufenthalt, andererseits
eine Zeit, die in großem Zusammenhang mit den jetzigen Geschehnissen steht und
bereits Jahrzehnte zurückliegt, näherbrachten. Doch alles läuft zielgerichtet
aufeinander zu. Alles ergibt einen Sinn. Das letztendliche Ergebnis ließ mich die
teilweise konstruiert wirkenden Handlungsstränge nahezu ausblenden.
Mit den Charakteren hat die Autorin
einen guten Mix geschafft. Hier fand ich sämtliche Persönlichkeiten wieder, die
mir auch tagtäglich begegnen und entsprechende Gefühle auslösen. Die Gefühle
insgesamt spielen in dieser Geschichte ihre eigene Melodie. Ich war hin- und
hergerissen, traute und misstraute so manchem Charakter, um am Ende doch die
Wahrheit erkennen zu können. Beatrix Gurian tat ihr Übriges dazu, indem sie
mich das ein oder andere Mal auf falsche Fährten lockte.
Über den Seiten waberte konstant eine
ganz besondere, einschüchternde und beklemmende Atmosphäre, die mir nur selten
eine Unterbrechung gestattete. Jeder Fortschritt in der Geschichte vergrößerte
meine Neugier; meine Sucht vergrößerte sich proportional zu den gelesenen
Seiten. Untermauert wurde das Ganze noch von geschickt inszenierten eingebauten
Fotos, die den Reiz des Gelesenen steigerten.

 

Beatrix Gurian bringt ihre Geschichte
mit vielen Kehrtwendungen nach einem dramatischen Finale beruhigt zu einem erkenntnisreichen
Ende, nach dem ich das Buch nun lesebefriedigt schließen kann.
„Stigmata“ bescherte mir einige
Stunden mit erhöhtem Herzschlag aufgrund der unvorhersehbaren und spannenden
Handlungen. Traue niemandem und doch jedem, bleib deiner selbst treu und lass
dich niemals beirren. Diese Erkenntnis nehme ich aus „Stigmata“ für mich mit und
vergebe für dieses schöne Leseerlebnis sehr gute 4 Bücher.

 

Für alle, die Gänsehauterlebnisse
lieben, geschickt eingebaute Ablenkungsmanöver verkraften und Handlungen der
Protagonisten immer unterstützen können.

8 KOMMENTARE

  1. Freut mich Kay, dass es dir gefallen hat! Mir gings mit der Spannung und dem Herzschlag genauso 😉 Ein bisschen einfach fand ich das Ende an sich gehalten, aber ich dachte mir schon fast, dass es kaum eine Erklärung geben wird, die den absoluten "Wow-Effekt" hat.

    Liebe Grüße,
    Tina

  2. Hallo Tina,

    ja, aber zumindest wahr es ja schon nachvollziehbar. Auch auf die Atmosphäre im Buch konnte ich mich gut einlassen. Insgesamt habe ich es wirklich gern gelesen 🙂

    Liebe Grüße

    Kay

  3. Ich fand das Buch auch so sau gut 😀 Wäre da nicht "zu viel" Religion drin gewesen, hätte es wahrscheinlich meine Höchstwertung bekommen 😀 Tolle Rezension!!!

  4. Das klingt ja wirklich nach dem perfekten Buch für dich Kay-Schatz <3.
    Es hört sich auch definitiv sehr interessant und spannend an, im Hinterkopf behalte ich es dank deiner tollen Rezension auf jeden Fall.

    Dickes Küsschen, Ally

  5. ich habe das Buch gestern in einem Rutsch gelesen und war hin und weg vom Buch. Mir erging es stellenweise wie dir, ich fand zum Beispiel, dass die Fotos, die das ganze untermalten, vereinzelt etwas gruselig, das muss ich zugeben. Aber es ist so ein geniales Buch! Mir hat der Schreibstil total gut gefallen und auch die Idee die dahinter steckte. Übrigens sehr schöne Rezi 🙂

    Alles Liebe, Caterina

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