♀ Das Herz von Jandur (Mara Lang) [Rezension]

„Im Herz von Jandur. Das ist eine
riesige Höhle in den Steinernen Gängen des Erythgebirges. Dort entspringt der
Quell des Lebens, ehe er in Eznar an die Oberfläche tritt.“
(Pos. 715/4914)
„Wer ist Tolkien“, fragte Lith. „Dein
Freund?“
Jetzt stimmten auch die Eltern in
Matteos Lachen ein. „Nein, J. R. R. Tolkien war ein Schriftsteller“, erklärte
Brizio. „Er hat Bücher über eine Fantasy-Welt geschrieben, die deiner ähnlich
ist.“
„Vielleicht war er ja mal in Jandur“,
meinte Lith.
(Pos. 728/4914)
Über ein Jahr ist seit Matteos
Rückkehr in unsere Welt vergangen. Er hatte geglaubt, er würde in seinem
eigenen Körper ankommen, wie Lith ihm versichert hatte. Das war jedoch nicht
der Fall. Denn sein Körper, Matteos Körper, war kurz nach seinem Aufbruch nach
Jandur gestorben. Nun steckt er in Khors Körper, besitzt einen Puls, sieht
etwas anders aus und versucht mit ganzem Herzen, das neu begonnene Leben mit
seinen Eltern zu genießen.
Doch etwas zieht ihn nach Jandur, Matteo
fühlt sich gespalten.

 

Der Kontakt zur anderen Welt lässt
aber nicht mehr lange auf sich warten. Zuerst wird Matteo von einem sehr
seltsamen Mann an seinem Grab angesprochen, dann wird er von ein paar Russen
verfolgt. Das kann nur eines bedeuten: Dylora hat ihn gefunden.
Mit dem „Puls von Jandur“ konnte mich
Mara Lang absolut positiv überraschen und so hoffte ich, dass es bald
weitergehen würde.
Der Einstieg in den Dilogie-Abschluss
„Das Herz von Jandur“ gelang ausgesprochen einfach, obwohl in der Zwischenzeit
einiges passiert ist. Matteos Körper ist damals, kurz nachdem er ihn verlassen
hatte, gestorben und wurde begraben. In Khors Körper besitzt er keine echte
Identität. Seine Familie musste mit ihm umziehen, er musste auf eine neue
Schule, was nur mithilfe der „unsauberen“ Kontakte seiner Mutter möglich war.
Das Schlimmste ist aber: Matteo sehnt sich nach Jandur. Egal, wie sehr er
versucht hat, sein Leben zu leben, es funktionierte mit seinem zerrissenen
Herzen nicht.
Als Matteo eines Abends von seltsamen
Typen verfolgt wird, und er sich mit dem Puls retten muss, ist schnell Lith zur
Stelle – doch ihr wurde die Weltenspirale weggenommen, als sie abreiste – so
ist eine Rückkehr nach Jandur unmöglich, oder? Es gibt eine weitere
Weltenspirale, von der Matteo weiß. Die von Sebastján, des Arztes aus Kirasa,
der ursprünglich aus München gekommen war und in Jandur bleiben musste. Doch
auf was die beiden stoßen, ist eine Verschwörung der Extraklasse.
Mara Lang konnte ihren Weltentwurf
konsequent fortführen. In kurzen Erzählungen schildert sie, was seit dem
letzten Kampf in Jandur geschehen ist. Dass Dylora moderne Waffen aus der
Splitterwelt benutzt, Lord Nador sich nicht mehr lange behaupten können wird.
Nur der Lichtpuls und die Prophezeiung können ihn retten. So werden beiläufig
auch die Ereignisse aus Teil 1 wieder gegenwärtig und man kann sich als Leser
direkt in die Geschichte saugen lassen.
Das erste Drittel spielt dieses Mal in
der Splitterwelt, auf der Suche nach der Weltenspirale und dem Aufdecken der
Machenschaften von Kaiserin Dylora, die weit über die Grenzen ihres Reiches
hinaus arbeitet. Nach wie vor will sie sämtliche Macht an sich reißen, hat
Bündnispartner in der realen Welt und ein zuträgliches Geschäft, das auf den
Geschöpfen Jandurs basiert.
Mir hat dieser Ausflug in die
„Realität“ sehr gut gefallen, zu welchen Dingen Dylora und ihre Handlanger
fähig sind. Dennoch habe auch ich mich nach Jandur gesehnt und war froh, als
ich durch Matteos Augen einen Blick auf Lev-Chi erhaschen konnte.
Die Geschichte wird weiterhin von
einem personalen Erzähler aus der Sicht von Matteo geschildert. So erfährt der
Leser von seinen Emotionen und dem inneren Zwiespalt, in dem er sich befindet,
sowie von seinen Gefühlen für Lith.
Die Autorin geht noch weiter in die
Tiefe, gibt Antworten auf die Fragen, die in Band 1 unerwidert blieben. Mara
Lang bleibt ihrem leichten und flüssigen Schreibstil treu, lockert die
Düsternis und ernstere Atmosphäre dieses zweiten Teils mit den humorvollen und
schlagfertigen Gedanken von Matteo auf. Dennoch verzichtet sie nicht auf
tiefgehende Emotionen und ernstere Themen. Der Leser muss sich auch auf den
Verlust des ein oder anderen Buchcharakters einstellen.

 

Mein Interesse am Ausgang der
Geschichte war nahezu von der ersten Seite an spürbar. Die Spannung stieg
konsequent an, verlor sich zwischendurch jedoch immer wieder, als ich kleinere Längen verspürte.
Mara Lang liefert ihren Lesern einen magischen Showdown inklusive der Erfüllung
einer alten Prophezeiung, die sich jedoch ganz anders äußerte als geplant.
Anschließend lässt sie die Dilogie ruhig und mit einem melancholischen Ton, der
das Glück einläutet, ausklingen.
Mein zweiter Ausflug, direkt ins „Herz
von Jandur“
, bot erneut Spannung, viele Geschöpfe, starke Charaktere und große
Emotionen. Die wenige Längen trübten meinen Lesespaß kaum. Mara Langs
Schreibstil tat sein übriges und so konnte ich die Reise absolut genießen. Sehr
gute 4 Bücher
für Matteo und Lith.

 

Wer auf der Suche nach High Fantasy in
jugendgerechter Verpackung ist, einer Mischung der Welten nicht abgeneigt ist
und wissen will, woher Tolkien die Inspiration zu Mittelerde hatte, sollte
unbedingt zu „Jandur“ greifen.
1. Der Puls von Jandur (Rezension)
2. Das Herz von Jandur

2 KOMMENTARE

    • Meins ja auch nicht – umso überraschter war ich ja von Band 1. Alles, was mich an HF "stört" (die ausufernden Beschreibungen, …) gibt es bei Mara Lang nicht 🙂
      Es liest sich wie Urban Fantasy, also solltest du mal Luft haben, musst du dir den "Puls von Jandur" genauer anschauen 🙂

      Liebe Grüße

      Steffi

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