♀ Sturmherz (Britta Strauß) [Rezension]

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„Wie gerne hätte ich ihn noch einmal
gesehen. Tief in mir glaubte ich zu spüren, dass die Märchen wahr waren.
Vielleicht erlag ich aber auch nur
meinem Wunschdenken.
Das wahre Leben war keine
Fantasy-Romanze.
Und ich keine Heldin in einem Buch.“
(S. 55)
Mari kann den aufgelesenen verletzten
Seehund nicht alleine sterben lassen. Sie bleibt bei ihm, betrachtet seine Wunden.
Als sie kurz einschläft, kauert auf der blutgetränkten Decke ein verletzter
Junge und hält das Fell eines Seehundes in der Hand.
Er weigert sich, ins Krankenhaus zu
gehen, also versorgt Maris Vater ihn notdürftig, ehe der Junge flieht.

Sind die Legenden über die Selkies, die Seehundmenschen, wahr?
Mari verspürt eine Sehnsucht,
beobachtet das Meer und wünscht, den Jungen erneut zu treffen.

Robin möchte eine Auszeit auf der kleinen Insel Skara Brae, die angeblich
verflucht ist, nehmen. Was er dort aber zu sehen bekommt und sogar filmen kann,
gehört eigentlich ins Reich der Fantasie – und landet doch kurz darauf im Labor
des Instituts für Molekularbiologie, woraufhin zwei Forscher darin die
Möglichkeit für weltweiten Ruhm erkennen. Die Jagd auf den Mythos beginnt…
Nach so vielen begeisterten Meinungen musste
ich ebenfalls zu „Sturmherz“ greifen.
Die Idee von Britta Strauß ist
unverbraucht und dennoch bekannt. Bislang waren die Selkies jedoch lediglich
Nebencharaktere in meinen Fantasy-Büchern.
Die Autorin ließ mich nicht lange
zappeln und konfrontierte mich auf den ersten Seiten bereits mit diesem doch
sehr lebendigen Mythos. Auch wenn die Protagonistin Mari versucht, sich mit
Logik dem Offensichtlichen zu entziehen, kennt ihr Herz doch die Wahrheit.
Nachdem der geheimnisvolle Junge
verschwunden ist, forscht Mari in den alten Legenden, den Geschichten, die man
sich am Lagerfeuer erzählt. Sie muss ihren Selkie finden, ganz gleich, wie grausam
die Seehundmenschen sein sollen, egal wie leicht sie Menschen den Tod bringen
können.
Doch als Mari Louan, den Selkie in
Menschengestalt, endlich findet, beginnt die wahre Grausamkeit. Das Wissen,
dass diesem Glück mehr Hürden im Weg stehen, als Sand am Meer und selbst die
Legenden wissen, dass ein solches Glück endlich ist.
Die Charaktere von Britta Strauß sind
allesamt authentisch und tiefgründig. Insbesondere Louan, der mit seinen
Erinnerungen an längst vergangene Zeiten Stück für Stück seine Vielschichtigkeit
aufdeckt, während seine tierischen Einblicke eine ganz andere Seite zeigen: den
Jäger, der vor Jahren das Vertrauen in die Menschheit verlor.

Die Beziehung der beiden ist emotional, von Höhen und Tiefen geprägt. Mari und
Louan durchleben absolute Glückseligkeit und tiefste Trauer. Die Verbindung war
an vielen Stellen greifbar, das Kribbeln und Herzklopfen blieb bei mir jedoch trotz wechselnder Ich-Perspektive aus. Leider erreichte mich ihre Geschichte nicht.

Britta Strauß erschafft mit ihren sehr detaillierten und bildhaften
Beschreibungen
ein fantastisches Bild der Umgebung, die eine innige Beziehung
zum Meer knüpft. Irgendwann war es mir aber dann einfach zu viel, wenngleich
ich die Perspektiven der tierischen Seite sehr gelungen fand. Das Denken von
Louan mit seinen Vergleichen, die stets etwas mit dem Meer zu tun haben, sein
teils stummer Appell gegen die Verschmutzung der Meere, der profitgierigen Jagd
auf Tiere und ihre Ausrottung.

Die Spannung und das Mitfiebern stiegen mit den Seiten, auch wenn ich mehr und
mehr den Draht zu den Charakteren verlor, lediglich die Story noch zählte. Britta
Strauß zögert das Ende gekonnt hinaus und lässt einen wirklich erst nach dem
Epilog aufatmen.
 „Sturmherz“ von Britta Strauß gleicht einer bildgewaltigen
Liebeserklärung ans Meer, einem Aufruf zum Naturschutz und der Rettung
bedrohter Tiere. Die unverbrauchte Idee der Selkies schmiegt sich um diese Botschaft
herum und wird von einer emotionalen Liebesgeschichte begleitet, die mich
jedoch nicht immer berühren konnte. Der sehr detaillierte Schreibstil der
Autorin hemmte meinen Lesefluss stellenweise. Knappe 4 Bücher für Britta
Strauß‘ Selkies.

Für alle Freunde des Meeres, die eine
bildhafte Sprache lieben und die Natur aus einer ganz anderen Perspektive
betrachten wollen.

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17 KOMMENTARE

  1. hm naja. Ich werde es demnächst lesen, hoffentlich mag die Liebesgeschichte mehr. Detailreiche Erzählung ist auch nicht so meins, aber es kommt drauf an.
    Gestern: Jäger des Lichts beendet .. es war sooo cool
    Und: Cinder angefangen .. die Idee ist ja genial =) Ich hatte vorher nirgendwo den Inhalt gelesen, weil ich einfach reinplumpsen wollte^^

    • Ich drück dir die Daumen, dass es dir besser gefällt 🙂

      Mir ging es mit Cinder gleich: Hatte nur gewusst, dass es so viele begeistert und dass es um Märchen geht. Das mit Cyborg habe ich irgendwie verdrängt gehabt. Dann kam DAS – total überrumpelt und geflasht 🙂

      Die Jäger sind einfach so genial!!! <3 Hoffentlich wird Band 3 schnell übersetzt. Will wissen, "wo" die Reise hinführt 😉

      lg
      Steffi

    • Ich wusste von Cinder auch nur, dass es eine Märchenadaption ist und ich kannte das engl. Cover. Da sieht man ja irgendwie, dass mit dem Fuß/Bein irgendwas mechanisch ist. Aber diese tolle Geschichte hab ich nicht erwartet. Ich muss bald weiter lesen^^
      Ihr mit euren tollen Tipps immer 😀 DANKE <3

  2. Hey,

    das Buch steht schon langer auf meiner Wunschliste. Nach deiner nicht ganz so positiv ausfallenden Rezi muss ich mir aber noch mal überlegen, ob ich es kir wirklich kaufe..mal schauen;)

    LG
    Anne

  3. Trotz deiner wundervollen Rezi glaube ich nicht, dass das Buch jemals bei mir einziehen wird, es reizt mich einfach nicht genug.

    Dickes Küsschen <3

    • Ich kann bei solch "überdetaillierten" Sachen schwer einschätzen, ob es jemand (außer Jan) gefallen könnte. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, es wäre nichts für dich 🙂

      Liebe Grüße

      Steffi

  4. Danke Steffi, dass du mir mit dieser tollen Rezi wieder Lust auf das Buch gemacht hast, denn eines lieben Tages hatte ich so viel Lust dieses Buch zu kaufen, und als es dann endlich ankam, landete es erst einmal im Regal mit den anderen Büchern und nun steht es immer noch da. Hoffentlich jetzt nicht mehr lange.

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