♂ Das Rosie-Projekt (Graeme Simsion) [Rezension]

„Nachdem ich die verlorene Zeit
erfolgreich wieder aufgeholt hatte, würde ich mein Leben unter keinen Umständen
wieder dem Chaos preisgeben.“
(S.21)
„Sie schien andeuten zu wollen, dass
das Kleinschneiden der Zutaten durch eine unerfahrene Person ohne Kenntnis des
Rezepts ausgeführt werden könne.“
(S.68/69)
„Es dauerte lange, bis ich auf diese
Möglichkeit kam, denn meine Grundannahme ist die, dass Menschen ehrlich sind.“
(S.200/201)
Don ist Professor an einer angesehenen
Universität in Melbourne. Ein Problem konnte er bisher noch nicht lösen. Und
zwar hat er trotz seines hohen gesellschaftlichen Status keine Ehefrau. Aber
die richtige zu finden gestaltet sich nicht einfach. Kurzerhand ruft Don das
Ehefrauen-Projekt ins Leben. Doch die Liste möglicher Ausschlussgründe ist
lang. Die Gesuchte soll einhundertprozentig zu ihm passen.

 

Sein Freund Gene ist ihm bei der
Auswahl möglicher Kandidatinnen behilflich. Nur scheint Gene andere Ansprüche
an potentielle Bewerberinnen zu haben als Don. Und so trifft Don auf Rosie, die
so gar nicht zu seinen Vorstellungen zu passen scheint. Es beginnt für Don eine
turbulente Zeit, in der er immer wieder ins Zweifeln gerät.
„Das Rosie-Projekt“ ist eigentlich ein
Buch, das nicht wirklich in mein Beuteschema passt. Positive Meinungen und der
Hinweis auf einen ungewöhnlichen Protagonisten haben mich nun aber doch zu
dieser Geschichte greifen lassen.
Graeme Simsion stellte mich gleich zu
Beginn an die Seite seines Protagonisten Don. Dieser ist wirklich ein
ungewöhnlicher Typ. Standardisierungen, Wiederholungen und Wochenpläne
bestimmen seinen Alltag. Abweichungen davon werfen ihn schnell aus der Bahn. Als
Professor für Genetik mangelt es ihm nicht an Intelligenz, seine soziale
Kompetenz jedoch lässt mehr als zu wünschen übrig. Denn die Anzahl seiner
Freunde ist mehr als übersichtlich. Mehr oder weniger kann er lediglich Claudia
und Gene zu seinem Freundeskreis zählen. Seine Kompatibilität zu anderen
Menschen ist stark eingeschränkt.
Durch Dons Art und Lebenseinstellung
kommt oftmals ein durch den Protagonisten ungewollter Humor in die Geschichte,
bei dem ich nicht anders konnte und oftmals laut los zu lachen. Dieser trockene
Witz
bis hin zu Sarkasmus, den Don im Übrigen nicht versteht, zieht sich durch
die ganze Geschichte und bescherte mir notorisches Dauergrinsen. Gerade auch
die gemeinsamen Erlebnisse mit Rosie brachten Don immer wieder in Zwickmühlen,
die er auf seine konventionelle Art versuchte zu lösen und damit in gewisser
Weise eine Situationskomik entstanden ist, die diese Geschichte tatsächlich
außergewöhnlich machte.
Rosie war mir ab ihrem ersten Auftritt
in der Geschichte sympathisch. Sie brachte die notwendige Frische in diesen
Plot und stellt das krasse Gegenteil zu Don dar. Dennoch kann sie sich auf Dons
Art einlassen, auch wenn dieser Rosie als potentielle Ehefrau gleich
ausgeschlossen hat. Die gemeinsame Suche nach Rosies biologischem Vater bringt
sie näher zu Don, doch dieser hat nur ein Interesse an dem gemeinsamen Projekt.
Einen Einfluss auf Don scheint Rosie dennoch zu haben.
Der Autor lässt Don in Ich-Perspektive
vorrangig in Vergangenheitsform seine Geschichte erzählen. Die eingebauten
Dialoge verliehen dieser eine entsprechende Würze und ließen mich die Handlung
hautnah erleben.

 

Das Ende der Geschichte konnte mich,
wie ich erwartet hatte, nicht wirklich überraschen, passt für den Plot aber natürlich
einwandfrei, so dass ich nach Stunden voller Witz und Humor mit Don auf der
Suche nach einer passenden Ehefrau dieses Buch nun sehr zufrieden schließen
kann.
„Das Rosie-Projekt“ ist eine charmante
Geschichte voll mit trockenem Humor, bei der jedoch Hintergründe und
Zusammenhänge von Genialität, Anderssein und Emotionen nicht außen vor bleiben.
Für die schönen und witzigen Lesestunden vergebe ich deshalb an dieser Stelle
knappe 5 Bücher.

 

Für alle Leser, die gern einen etwas
anderen Protagonisten kennenlernen möchten, humorvolle Geschichten lieben und
einfach schöne Lesestunden verbringen wollen.

13 KOMMENTARE

  1. Schön, dass ihr beide euch bei diesem Buch so einig seid 😀 Irgendwie macht es mich jetzt doch neugierig, ich behalte es auf jeden Fall im Hinterkopf 🙂

    Wie immer eine super schöne und sehr aussagekräftige Rezension <3

    dickes Küsschen, Ally

  2. Puh, das klingt doch vielversprechend.
    Da bin ich fast schon etwas beruhigt. 🙂
    Das Buch ist nämlich das erste in diesem Jahr dass ganz spontan, ohne mir wirklich große Gedanken darüber zu machen, über ein "Der Plot klingt super Romantisch" hinaus, und ohne je vom Autor gehört zu haben, auf meiner Wunschliste gelandet ist.

  3. Keine Angst, es ist wirklich keine Romanze, auch wenn natürlich zwangsläufig Ansätze vorhanden sind. Viel Spaß mit diesem wirklich nicht durchschnittlichen Protagonisten, wenn es so weit ist 🙂

    LG

    Kay

  4. Auch bei deiner Rezension kann ich nur zustimmen. Ihr seid euch bei dem Buch eindeutig einig.
    Freut mich, dass es euch beiden so gut gefallen hat.

    Liebe Grüße
    Vanessa

  5. Hallo Vanessa,

    Steffi hatte dieses Uberraschungsbuch zuerst gelesen und war begeistert. Und mit ihrer Begeisterung hat sie mich total angesteckt. Hätte selbst nicht gedacht, dass es mir so gut gefallen könnte 🙂

    LG

    Kay

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