♂ The Passage 02 – Die Zwölf (Justin Cronin) [Rezension]

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„In ihren Augen erschienen die Sterne
planlos verstreut, als würden sie jede Nacht von Neuem über den Himmel gesät.“
(S. 32)
„Alles war still wie auf einem
Schlachtfeld nach einem furchtbaren Gefecht, überflutet von der gnadenlosen
Sommersonne.“
(S. 64)
„Es war völlig windstill, als bringe
die Luft es nicht über sich, sich zu bewegen. Das einzig Lebende waren die
Vögel, Geier und Krähen, die am Himmel kreisten.“
(S. 152)
Der Abwärtsstrudel, in den die
Menschheit geraten ist, dreht sich immer schneller. Die letzten Bastionen der
menschlichen Rasse drohen zu verschwinden. Das Unheil der Zwölf ist gnadenlos.
Ursprünglich zum Nutzen der Menschheit gedacht, droht das missratene Experiment
diese nun in aller Konsequenz zu vernichten. Auch die vermeintlichen Nutznießer
können sich ihrer Unbezwingbarkeit nicht sicher sein.

 

Das einzige Heilmittel – Amy –
verliert an Stärke. Wie lange kann sie noch widerstehen? Hat sie noch die
Kraft, ihren Freunden beizustehen und Schlimmeres zu verhindern? Ein barbarischer
Wettkampf beginnt…
Ich war ja bereits vom ersten Teil der
Serie „Der Übergang“ sehr angetan. Keine Frage, dass der zweite Teil, da er ja
schließlich schon erschienen war, sofort in mein Regal wandern musste.
Natürlich konnte ich das Buch dort nicht lange stehen lassen. Die Komplexität
und die gut durchdachten Handlungsstränge hatten es mir ja bereits schon im
ersten Teil angetan.
Egal, wie gut ein erster Teil war,
irgendwie hat man dann doch eine innere Barriere, wenn das Buch, das man lesen
will, eine bestimmte Seitenzahl übersteigt. Auch wenn „Die Zwölf“ hier deutlich
hinter seinem Vorgänger hinterherhinkt, muss man doch schon einen gewissen
Lesewillen aufbringen, um sich an so ein Werk zu wagen. Doch wer mich kennt,
weiß, dass ich Herausforderungen liebe!
Bevor ich jemanden lange auf die Folter
spannen will, nehme ich es gleich vorweg. Es hat sich sowas von gelohnt, dieses
Buch wirklich nicht im Regal versauern zu lassen!
Hatte ich Bedenken, nicht mehr in die
komplexe Handlung des ersten Bandes finden zu können, wurden diese von Justin
Cronin eindrucksvoll zerstreut. Er hielt sich nicht mit allgemeinen Rückblicken
oder Ähnlichem auf, nein, der Prolog war in Form einer biblischen Chronik
aufgebaut, die mir die Ereignisse aus der Vorgeschichte äußerst vorstellbar vor
Augen geführt haben. Eine wirklich gut umgesetzte Idee! Sofort war ich damit
wieder mitten im Geschehen und musste nicht in halb vergessenen Erinnerungen
kramen, um die Handlung zu verstehen.
Und damit hat mich der Autor auch
gleich wieder von Beginn an in seine Geschichte ziehen können. Ohne langes
Geplänkel legte Justin Cronin, wie es seine Art ist, wieder los und riss mich
mit. Ich konnte eintauchen in diese hervorragend erzählte Geschichte, konnte
mich verlieren und ein Teil des Ganzen werden.
Mit seinen Charakteren geht der Autor
nicht wirklich zimperlich um. Nachdem ich einige Charaktere aus dem ersten Band
wirklich ins Herz geschlossen hatte, ließ er einige davon für den weiteren
Fortgang der Geschichte einfach sterben. Sang- und klanglos. Sofort war ich
somit emotional berührt. Um diese Entwicklungen erstmal verarbeiten zu können,
bedurfte es einiger Zeit. Ich versuchte mit steigender Seitenzahl, meine
Bindung zu den Charakteren etwas distanzierter zu gestalten, was mir allerdings
sehr schwer fiel. Zu gut und nah wurden diese beschrieben. Ich wollte einfach
keine tiefere Beziehung aufbauen. Doch meine Versuche scheiterten kläglich.
Nachdem ich mich dann doch wieder
einem Charakter sehr verbunden fühlte und auch ein gutes Gefühl hatte, hier
wirklich nichts falsch gemacht zu haben, musste ich mich eines Besseren
belehren lassen. Zwar musste ich mich von dieser starken Persönlichkeit nicht
trennen, sprich, sie blieb am Leben. Aber was sie erleben musste, sprengte
dennoch die Grenzen des menschlich Vorstellbaren. Trotzdem gehört mein Herz in
diesem zweiten Band eindeutig IHR! Mehr kann ich dazu nicht sagen, ohne zu viel
zu verraten.
Justin Cronin ist definitiv ein
Meister seines Handwerks
. Geschickt bindet er immer wieder neue Charaktere und
Handlungen in seine Geschichte ein, deren Verstrickungen meist erst später
einen Sinn ergeben, dennoch dermaßen fesselnd beschrieben werden, dass man sich
kaum von den Seiten lösen kann.
Amy selbst tritt in diesem Band
wiederum eher temporär in Erscheinung. Man bemerkt aber eindeutig eine große Entwicklung
in ihr selbst. Einerseits wird sie vom Mädchen nun zur Frau. Andererseits
scheint sie immer noch ihre Geheimnisse zu verbergen. Was jedoch für ein
Potential in ihr steckt, muss allerdings jeder selbst erfahren. Ihr werdet es
nicht bereuen!
Justin Cronin erzählt seine Geschichte
wie bereits im ersten Teil in Vergangenheitsform und überlässt dabei
verschiedenen Charakteren das Feld. Interessant ist hierbei jedoch, dass der
Autor verschiedene Erzählstile nutzt. Bis hin zum ansatzweise auktorialen
Erzählstil ist wirklich alles vorhanden. Das ist jedoch nicht alles. Er ließ
mich die Geschichte außerdem in verschiedenen Zeiten erleben, sprich, man
springt mitunter zwischen verschiedenen Zeiten der Handlung hin und her. Das
mag einerseits verwirrend klingen. War es aber nicht, denn hierdurch habe ich
die oftmals ersehnten Erklärungen erhalten. Und genau das macht die Reihe auch
so interessant. Der Autor experimentiert mit einer Vielzahl von
Darreichungsformen, die letztendlich jeden Leser ansprechen könnten.
Justin Cronin ließ mich in seine Welt
eintauchen, erzählte mir so vorstellbar und realistisch seine Version, dass ich
mich im Nachhinein frage, wie ich zukünftig ohne die mir liebgewonnenen
Personen und Landschaften bis zum dritten Band auskommen kann. Dabei hatte ich
nie das Gefühl, ausufernden Beschreibungen zu erliegen oder tatsächlich Längen
zu verspüren. Alles, jedes einzelne Wort, ergab im weiteren Verlauf einen Sinn.
Aus meiner Sicht ist Herrn Cronin hiermit etwas wirklich ganz Großes gelungen!
Nach einem großen Finale klingt die
Geschichte vorerst beruhigend aus. Zufrieden mit dem vorläufigen Ende konnte
ich das Buch nun schließen und freue mich umso mehr auf den abschließenden Teil
dieser Trilogie. Abschließend kann ich nur sagen: Traut euch an dieses
seitengewaltige Meisterwerk!
In „Die Zwölf“ erhielt ich Antworten
auf viele meiner Fragen, musste erzwungen tatenlos so manche Entwicklung
beobachten, fühlte und fieberte mit den Charakteren und hatte mit diesen sowohl
komplexen als auch genial durchdachten Handlungen ein riesiges Lesevergnügen.
Alles andere als 5 Bücher wäre ein absoluter Frevel an dieser einmaligen
Geschichte!

 

Alle, die kein Blut sehen können,
sollten die Finger von dieser Geschichte lassen! Für die anderen, die sich
Herausforderungen stellen, Leiden ertragen können und mitgerissen werden
wollen, führt kein Weg an dieser Reihe vorbei.
1. Der Übergang (Rezension)
2. Die Zwölf
3. Originaltitel: The City of Mirrors
(voraussichtlicher Erscheinungstermin 2014)

 

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25 KOMMENTARE

  1. Also wenn ich Deine Rezi jetzt lese, frag ich mich echt ob ich es noch mal mit dem ersten Band versuchen sollte.
    Ich habs wirklich abgebrochen weil es mich absolut nicht packte. Sehr weit kam ich damit aber auch nicht.
    Mal sehn, ich lass es einfach mal liegen und vielleicht schnapp ich es mir 2014 doch noch mal 🙂
    LG Ela

    • Hallo Ela,

      wenn man über einem bestimmten Punkt bei dem Buch ist, fängt die Geschichte an, wirklich Sinn zu machen. Einen Versuch wäre es bestimmt nochmal wert. Wenn du viel Zeit und den Kopf für so eine Geschichte frei hast 🙂

      LG

      Kay

    • Hallo Ela und Carigos,

      vielleicht kam das Buch bei euch auch zum falschen Zeitpunkt? Auf jeden Fall muss man sich wirklich viel Zeit für die Bücher nehmen und möglichst auch ohne große Unterbrechungen lesen. Ich selbst war erstaunt, wie sich der zugegebener Maßen schwierige Anfang doch in so viele interessante und komplexe Handlungsstränge verzweigt ist, die dann auch noch logisch aufeinander zu geführt haben. Aber man muss Komplexität mögen 🙂

      LG

      Kay

    • Da ich recht vielseitig lese, glaube ich nicht das es der falsche Zeitpunkt war. Ich kann mich eigentlich immer recht gut auf Geschichten einlassen. Hier kam ich aber einfach nicht an diesen Punkt.
      Mal sehen vielleicht sollte ich es mal als Hörbuch versuchen, falls es das gibt.
      LG Ela

    • Hi Ela,

      dann ist das Buch vielleicht wirklich nicht dein "Ding". Durch eine Geschichte durchquälen macht ja auch keinen Spaß. Wie weit bist du denn im ersten Buch gekommen?

      LG

      Kay

    • …ah, also warst du wirklich noch in der absoluten Entstehungsgeschichte mit Amys Mum. Da wurden mehr oder weniger noch die Grundlagen gelegt. Später wird es dann schon spannender 😉

  2. Eine tolle Rezi (:
    Ich war sowohl von Band 1 wie 2 absolut begeistert und konnte die Bücher kaum aus der Hand legen und war extrem schnell damit durch obwohl sie doch eine beachtliche Länge haben!
    Ich fand die Wandlung die Amy in diesem Buch durchmacht auch sehr interessant wobei mir in dem Band vorallem der erste Teil gefallen hat – besonders Lila. Ich fand es so verrückt das sie das alles verdrängt hat.
    Ich freu mich schon auf den nächsten Band (:
    Liebe Grüße, Jasi

  3. Hallo Jasi,

    ja, die Entwicklungen der Charaktere insgesamt hat mich gepackt. Lila, Amy, Alicia…Freue mich total auf den dritten Teil, auch wenn wir da ja noch eine ganze Weile warten müssen…Leider.

    LG

    Kay

  4. Ich habe "Der Übergang" auch geliebt, war aber ein bisschen enttäuscht von dem zweiten Band. Für mich hat sich der zweite Band ein bisschen gezogen (das war noch irgendwo am Anfang) und in diesem Teil mochte ich die Charaktere auch nicht ganz so doll.
    Aber danach fand ich den zweiten Teil auch wieder total super!:)
    Am Anfang war ich auch schockiert, als es hieß der und diejenige sind gestorben. Ich hätte nicht erwartet, dass Justin Cronin so etwas einfach auslässt.^^
    Eine sehr ausführliche Rezension!:)

    Liebe Grüße,
    Lynn

  5. Hallo Lynn,

    ich bin ja auch ein bisschen skeptisch an die Reihe gegangen. Zum Glück hielten sich die Längen trotz der hohen Seitenzahl ja wirklich in erträglichen Maßen und nachdem der Autor die Basis für seine Geschichte geschaffen hatte, konnte ich mich kaum noch von den Seiten lösen. Wer waren denn deine Lieblinge aus dem ersten Teil?

    LG

    Kay

    • Ja, man denkt kaum, dass es Justin Cronin schafft mit so einer einfachen Handlung eine Trilogie mit drei echt dicken Bänden zu schreiben! (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der dritte Teil genauso lang wird;))
      Mhm … die Charaktere sind alle so toll, aber Peter und Alicia sind echt toll. Amy mochte ich im ersten Teil auch noch, aber im zweiten Teil ist sie mir echt unheimlich geworden O.O
      Carter hat mich von allen der Zwölf am meistens mit seinem Schicksal berührt, da er ja eigentlich nichts dafür kann, dass er da gelandet ist.
      Wie sieht es denn bei dir aus mit Liebelingscharakteren?^^

      Liebe Grüße,
      Lynn

    • Hi Lynn,

      im ersten Band war Mausami mein absoluter Lieblingscharakter. Kann aber nicht einmal sagen, warum 😉 Einfach so ein Bauchgefühl. Die Entwicklung von Wolgast fand ich auch richtig klasse! In "Die Zwölf" hing mein Herz irgendwie total an Alicia <3

      Und du hast recht. Amy würde immer undurchschaubarer und unheimlicher. Trotzdem ein toller Charakter 🙂

      LG

      Kay

  6. Das Buch war leider nix für mich, trotzdem tolle Rezi!
    Ich liiiebe diesen Blog – er ist soooooooo hübsch *seufz* da werde ich glatt neidisch 🙂

    Wir haben euch getagt!
    LG
    summi von schlunzenbuecher.blogspot.de

  7. Ach herrje ich hänge schon wieder tausende von Beiträgen hinterher. 🙁
    Also erstmal deine Rezi…hach ich werd nicht mehr…wie du das immer machst! :'( Gaaanz ganz toll!!! Es klingt auch unglaublich genial und hat ja auch nicht ganz so viele Seiten wie Teil 1. xD Na ich werde mal irgendwann, wenn ich erfinde, wie man dem Tag mehr Zeit gibt, damit anfangen. 🙂

    Suuuuuper geniale Rezi mein Kaychen <3

    Liebe Grüße Becca

  8. Huhu Becca,

    wenn du die Formel für mehr Zeit am Tag gefunden hast, gib mir bitte gleich Bescheid 😉 Danke für die lieben Worte! Du weißt ja aber auch, wie gern ich deine supertoll geschriebenen Rezensionen lese 🙂

    Liebste Grüße

    Kay

  9. Hach, ich habe gerade "Der Übergang" zu einem meiner Jahreshighlights 2013 gekürt und werde fast verrückt, weil das Ende so fies war!!!! Ich muss UNBEDINGT bald "Die Zwölf" lesen!!!

    LG
    Kathi

  10. Ich habe gerade die Rezension von dir zu "Die Zwölf" entdeckt und musste schon etwas kichern, weil neben mir meine Freundin sitzt, die – wie wir beide – ein großer Fan vom ersten Teil war. Im Gegensatz zu mir hat sie Teil 2 schon angefangen und nachdem selbst ein Zeitstrahl, den sie sich erstellt hatte, aber der Hälfte des Buches nicht mehr half, liegt es jetzt bei ihr irgendwo im Schrank herum. Ich habe vor Angst vor kleinen Spoilern die Rezension nur überflogen, aber der Teil mit der Seitenzahl brachte uns beide sehr zum Lachen. Mal schauen, wann ich dann endlich die Chance habe, irgendwie an das Buch zu kommen.

    Liebe Grüße,
    Elli

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