♀☺ Stella Menzel und der goldene Faden (Holly-Jane Rahlens) [Rezension]

Stella Alisa Menzel besitzt eine
verzauberte Decke. Verzaubert nicht im Sinne von magisch, denn so etwas wie
Zauberer gibt es nicht. Dennoch besitzt diese Decke einen ganz eigenen Zauber –
nämlich die Geschichte von Generationen der Familie. Und da Stella Teil dieser
Familie ist, trägt auch sie ihren Anteil an dieser Geschichte.
Ich gebe zu, ich wusste nicht so
recht, was mit diesem Buch auf mich zukommt. Der Klappentext, sowie jetzt auch
meine Inhaltsangabe, erzählen von einer verzauberten Decke, dennoch ist es eine
„reale“ Geschichte, die so tiefgründig ist, dass ich während dem Lesen stets
dachte „es ist KEIN Buch für die angepeilte Altersgruppe ab 9“.
Denn Stellas Großmutter erzählt Stella
die Geschichte ihrer Kuscheldecke, die sie liebevoll „Schneestern“ getauft hat,
weil unzählige silberfarbene Schneeflocken und Sterne eingestickt sind. Und
diese Geschichte hat es in sich. Als Wandbehang 1919 von einer Mutter als
Geschenk an die Tochter gefertigt, die zur Zeit des Krieges einen besseren
Platz in Berlin an der Seite eines jungen Mannes gefunden hat. Ein
Abschiedsgeschenk, obwohl die Geschichte des blauen edlen Stoffes dann erst beginnt,
Jahre später dieses Stück Stoff einen weiteren Krieg erlebt, eine Flucht vor
den Nazis nach New York, dann später eine Rückkehr.
Dieses Kriegsthema stieß mir im ersten
Moment wirklich bitter auf und ich war mir sicher, dass es kein Buch für
9-jährige ist. Nun das große Aber
: Stellas Geschichte oder besser gesagt die
Geschichte des blauen Wandbehangs hat weit mehr zu bieten als diese „Geschichtsstunde“.
Denn mit jeder Reise, jeder Weitergabe an eine neue Generation, veränderte sich
das Stück Stoff. Aus dem Wandbehang wurde ein Vorhang im Kinderzimmer. Die Sterne
vor dem Fenster gehören zu den wichtigsten Kindheitserinnerungen von Josephine,
Stellas Großmutter.
Aus dem Vorhang wurde später eine
Tischdecke, wieder später ein Klaviermantel, der für Stellas Mutter Isabel zu
einem verhassten Stück Stoff wurde, da sie in Sachen Musik nur wenig talentiert
war. Daher ist es kein Wunder, dass Isabel etwas dagegen hat, als Josephine
Stella die „zerlumpte“ Decke schenkt. Als es dann zu einem Unglück mit Hunden
kam, die das zarte Stück Stoff in Stücke reißen, wandelt sich „Schneestern“
weiter, passt sich Stella an, prägt ihre Lebensgeschichte, während das, was von
ihm übrig ist, kleiner und kleiner wird.
Es ist so schwer zu beschreiben, wie
ergreifend diese Geschichte ist, was sie alles beinhaltet, wie tiefgründig
diese Familienchronik ist. Wie Generationen diesen Schatz verwahrt und
verändert haben, wie die Personen, von denen Großmutter Josephine erzählt,
älter und vielleicht krank werden, wie das Stück Stoff in irgendeiner Form
immer dabei war, bei Festen, bei Krankenhausbesuchen, bei Beerdigungen.
Die Erzählung von Stellas Großmutter endet zwar in Stellas Gegenwart, der Leser
jedoch erlebt seine Geschichte weiter und weiter, wie der ehemalige Wandbehang
kleiner und kleiner wird. Erlebt, wie Stella vom Kindergartenkind mit der
Kuscheldecke zu einem Teenager wird, wie sich die Freundschaft zu ihrem
Kindergartenfreund Mats währenddessen verändert, wie Eifersucht und andere
Emotionen ins Spiel kommen, wie die Mutter die Geschichte des Stoffes auch noch
zu schätzen lernt und all das in einem wirklich so genialen Ende
zusammenfindet, dass man vor Freude am liebsten weinen möchte.

 

Gesondert muss die wirklich
außergewöhnliche, wunderwunderschöne Gestaltung des Buches erwähnt werden.
Neben zahlreichen Farbillustrationen, die die Geschichte untermalen, findet man
auf JEDER Seite den silbernen und den goldenen Faden wieder. Doch nicht nur
hier kommt Farbe ins Spiel: Die Erzählung von Großmutter Josephine sind in
dunklem Blau gedruckt, die Gegenwart, Stellas Geschichte, in Schwarz. Auch die
äußere Aufmachung und das goldene Lesebändchen sind ein großes Lob wert – auch wenn
mir erst mit dem Ende der Geschichte die Augen geöffnet wurden…

 

Mit „Stella Menzel und der goldene
Faden“
erzählt Holly-Jane Rahlens auf wirklich außergewöhnliche Weise die
Geschichte von Generationen, flechtet nebenbei die Weltgeschichte ein und
beschreibt große Emotionen.
Meine ersten Vorbehalte, dieses Buch
könnte nichts für die empfohlene Altersgruppe ab 9 sein, lösten sich schnell. „Stella
Menzel“
ist absolut für dieses Alter geeignet, überfordert nicht und erzählt
eine wunderschöne Geschichte. Jungleser werden jedoch nie DIESE Tiefgründigkeit
erfahren, die ich als Erwachsene zwischen den Zeilen lese. Meine Empfehlung
daher: Schenkt das Buch euren Kindern und lasst es euch nicht nehmen, es selbst
zu lesen.
Volle 5 Bücher für Stella und ihren
goldenen Faden.

10 KOMMENTARE

  1. Wunderschöne Rezension Süße <3

    Ich habe dir ja schon erzählt, dass ich dank der Lesung von Holly-Jane auf der Buchmesse schon das Gefühl habe, das ganze Buch zu kennen, vielleicht werde ich es aber trotzdem noch irgendwann lesen. Die Aufmachung ist auf jeden Fall etwas ganz besonderes <3

    Viele Küsse

  2. Also das lege ich mir auf jeden Fall noch zu. Ich war schon auf der Messe ganz vernarrt in die Autorin und das Buch. <3 Jetzt wo du auch noch so begeistert bist MUSS das einfach einziehen. Ich ärgere mich nur echt, dass ich es nicht gleich mitgenommen habe. 🙁
    Eine wirklich tolle Rezension und ich stimme Jan mal zu. 😛 Auch wenn es mir schwer fällt. xD

    Küsschen Becca

    • Wenn du dann das letzte Kapitel liest wirst du um ein lautes Seufzen auch nicht herumkommen <3 Hach, wie wunderschön. Aber für mich reicht diese Emotionalität – auf zu vielen Seiten muss ich das nicht haben 🙂

      Küsschen zurück <3

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here