♂ Rebellen der Ewigkeit (Gerd Ruebenstrunk) [Rezension]

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„Es kam ihr so unwirklich vor, was sie
gerade erlebt hatte. Vielleicht auch deswegen, weil es so schnell und
unkompliziert gegangen war. Und sie hatte zehn Jahre ihrer Lebenszeit verkauft!“
(S. 35)
„In den vier oder fünf Stockwerke
hohen Gebäuden klafften leere Fensterhöhlen, die Gehsteige waren mit
Glassplittern, gebrauchten Heroinspritzen und Kondomen bedeckt, und in
zahlreichen Nischen und Toreinfahrten lagen zerknickte große Kartons, die
vielen Menschen in dieser Umgebung wahlweise als Schlafunterlage oder Bettdecke
dienten.“
(S. 121)
Die Erfindung ist gigantisch. Nun sind
Dinge möglich, an die man bisher nicht einmal denken mochte. Doch Amanda und
Ricardo sind sich nicht einig, wie sie weiter damit umgehen sollen. Und dann
wird der Eine vom Anderen gelinkt und das Schicksal nimmt seinen Lauf…
18 Jahre später finden Valerie,
Karelia und Willis durch eine Aneinanderkettung von Zufällen zueinander.
Valerie hat gerade erst 10 Jahre ihrer Lebenszeit an die Firma Tempus Fugit verkauft.
Auf dem Heimweg wird sie von einem Auto angefahren.
Karelia, eine Privatdetektivin und
Fahrerin des Pick-up, der Valerie überrollt hat, steckt mitten in einem Auftrag
von Tempus Fugit und erwartet für ihren aktuellen Gerichtsprozess hochwichtiges
Material, das nicht zu spät kommen darf.

Willis, ein Fahrradkurier, versucht
rechtzeitig am Gerichtsgebäude zu sein, um eine wichtige Sendung abzuliefern. Doch
er wird daran gehindert, wird Zeuge eines Mordes und letztendlich sogar
verfolgt. Die Ereignisse überschlagen sich… 

„Rebellen der Ewigkeit“ von Gerd
Ruebenstrunk kommt für mich in einem wunderbaren Design mit orangefarbenem
Buchschnitt daher, so dass mir das Buch sofort ins Auge gefallen ist. Nachdem
das Buch damit, auch wegen des interessant klingenden Klappentextes, mehr als
lesenswert erschien, konnte es natürlich nicht lange ungelesen in meinem Regal
stehen.
Die Einleitung machte schon mal
definitiv Lust auf mehr. Den Gedanken mit der Erfindung, die ich bis dahin noch
nicht kannte, weckte eindeutig meine Neugier. Ich war gespannt auf die Reise,
auf die der Autor mich offensichtlich mitnehmen wollte. Der Anfang für ein
spannendes Leseerlebnis war somit eindeutig bereitet.
Die weiteren Seiten ließen mich auch
weiterhin auf schöne Lesestunden hoffen. Doch was war denn nun passiert…? Das
zufällige Zusammentreffen der Charaktere hatte ich ja akzeptiert. Nur bei den weiteren
Zufällen im Fortlauf der Geschichte musste ich dann doch mehrfach den Kopf
schütteln und die Augen rollen, weil es für mich ganz einfach zu „gewollt“
gewirkt hat.
Wann immer ich auch den Eindruck
hatte, dass der Plot vorankommt, wurde diese Hoffnung recht schnell von den Handlungen
der Charaktere zunichte gemacht. Die Charaktere insgesamt wurden sehr flach
gehalten und ihre Gedanken waren für mich oftmals nicht zu verstehen.
Auf der einen Seite haben wir Valerie.
Der Charakter war mir definitiv am sympathischsten. Nur konnte Valerie nicht
wirklich zur Entwicklung der Geschichte beitragen. Irgendwie empfand ich sie
eher als Hemmnis denn als Inspiration. Insofern hätte man auf Valerie durchaus
verzichten können. Schmückendes Beiwerk ist sie aber auf jeden Fall.
Willis kommt sozusagen als Underdog
daher. Seine Vergangenheit, seine Kindheit… Alles spricht dafür, dass er der
geborene Looser ist. Aufgewachsen ist er ohne Eltern. Diese haben ihn kurz nach
der Geburt ins Waisenhaus abgeschoben. Ein Looser, der mehr aus seinem Leben
machen will. Und das gelingt ihm auch recht gut. Bis er auf die anderen trifft.
Plötzlich und unerwartet wächst er über sich hinaus. Nichts scheint ihn
aufhalten zu können. So richtig verstanden habe ich die Entwicklung nicht. Auch
wenn ich nun mehr über ihn weiß…
Eine richtige Enttäuschung für mich
war Karelia. Hatte sie anfangs noch sämtliche Spielfäden in der Hand, wird sie
mehr und mehr zur Randfigur mit urbanen Bedürfnissen degradiert. Eine
Entwicklung, die weder der Geschichte noch ihr selbst gut tut. Sie hätte so
viel bewirken können. Aber das war ihr nicht vergönnt…
Ein richtig großes Manko aus meiner
Sicht bestand in den sich extrem schnell entwickelnden zwischenmenschlichen
Interaktionen. In der Realität habe ich noch nie Menschen erlebt, die dermaßen
schnell ein so festes fundamentales Vertrauen zu bis dato fremden Menschen entwickeln,
dass man strengstens gehütete Geheimnisse verrät. Dass Karelia ihr Wissen, von
dem mehr oder weniger ihre gesamte Existenz abhängt, mit Valerie und Willis
teilt, Menschen, die sie erst kurz vorher kennengelernt hat, halte ich dann
doch von zu weit hergeholt.
Ein roter Faden selbst war für mich an
der Geschichte leider auch nicht zu erkennen. Dieser wurde mehr oder weniger
von der geheimnisvollen Erfindung gezogen, die jedoch erst im weiteren Verlauf
entsprechend dargestellt wird. Wichtige Eckpfeiler für eine fesselnde
Geschichte standen somit aus meiner Sicht mehr als genügend zur Verfügung.
Warum wurden diese denn nicht genutzt?
Auch wenn ich kein Fan großer
Detailtiefe bin. Hier hätte sie an der einen oder anderen Stelle garantiert gut
getan. So befand ich mich oftmals „schwebend beobachtend“ in der Geschichte,
ohne zu wissen, was oder wer mir die Richtung weist.

Zum Ende hin lässt Herr Ruebenstrunk
sein Werk nach einem aufflackernden Spannungshoch befriedigend ausklingen und
mich somit beruhigt zurück. Potential beinhaltet dieser Plot deutlich mehr als
so manches aktuell auf dem Markt befindliche Buch. Leider hat es aus meiner
Sicht an der mitreißenden Umsetzung und dem Bezug zum Leser allgemein gefehlt.

„Rebellen der Ewigkeit“ entführt in
eine denkbare Zukunft, die durchaus Angst einflößend sein kann. Die grandiose
Grundidee lenkt leider nicht von den vorhandenen Schwächen der Geschichte ab. Allein
ihr ist es zuzuschreiben, dass ich das Buch nicht zur Seite legen konnte. Für
die Lesestunden mit den Rebellen vergebe ich an dieser Stelle 2 Bücher.
Für alle Genießer, die vorausschauend
lesen möchten, kurze Spannungen dabei nicht ausschließen und eine geniale
Grundidee zu schätzen wissen.

Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.

11 KOMMENTARE

  1. Hallo Anja,

    das Buch wird mit Sicherheit seine Fans finden. Dafür ist die Idee viel zu gut, als dass es unbeachtet bleiben würde. Ich fand das ungenutzte Potential halt zu verschwendet und die Zufälle in der Geschichte wurden mir irgendwann zu viel…Gefallen könnte es dir aber schon 🙂

    LG

    Kay

  2. Oh je 🙁 und dabei klang es wirklich so gut…ich denke ich werde es nicht lesen und weiter verschenken.

    Nichtsdestotrotz ist deine Rezi natürlich toll geschrieben, as always <3

  3. Hallo Ally,

    das Potential der Geschichte ist echt unglaublich! Vielleicht findest Du doch mehr Ansatzpunkte als ich 😉 Würde mich schon interessieren, ob nur die Geschichte und ich nicht zusammen gepasst haben oder ich vielleicht doch nicht so falsch liege. Also schenk es nicht weg und sag mir dann Deine Meinung 🙂

    LG

    Kay

  4. Das Buch liegt auch auf meinem SuB. Ich bin gespannt, ob ich die Meinung teilen werde, oder ob ich es (hoffentlich) besser finde. Danke für die sehr gut begründete Rezension!
    LG
    Yvonne

  5. Aber Kay :O Ne, kleiner Scherz xD Mich hat ja immer interessiert, ob das Buch dem Film "In Time" ähnelt, weil ich echt der Meinung bin, die Idee ist *hust* geklaut O.o Ich hätte das letztens aus reiner Neugier bei den weißen Buchwochen sogar fast gekauft. Gut, dass ich es nicht getan habe. Wenn einer von euch mal eine etwas schlechtere Wertung gibt, dann ist das Buch nicht mehr zu retten 😛

  6. Hi Tanja,

    ich fand alles etwas zu vorhersehbar und gewollt, ohne jetzt Vergleiche ziehen zu können. Die Geschichte wird mit Sicherheit ihre Fans finden, weil die Idee grundsätzlich ja klasse ist. Eigentlich schade…

    LG

    Kay

  7. Ach du lieber Himmel 🙁 Ich habs ja anscheinend nicht so mit dem Schenken. xD Jan fand sein Geschenk ja auch so Kacke und nun noch eines…wuuuäääähhhh…
    Naja jedenfalls wird das wohl jetzt noch länger in meinem Regal stehen. Sieht ja wenigstens hübsch aus.
    Deine Rezi ist trotzdem wie immer sooo toll! <3 Leider zu toll, denn so muss ich glauben, dass es auch für mich nicht wirklich was ist. :/

    Liebste Grüße
    Becca

    • Aussehen tut es ja echt gut – wir haben es auch dabehalten 🙂
      Und ich fand dein Geschenk für Jan ja ebensogut wie du. Jan ist nur Dystopie-müde 😛
      Mach dir keinen Kopf – ich fand dein Geschenk ganz ganz (fast perfekt) toll – hast du ja eben gelesen <3

      Dickes Bussi

      Steffi

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