♀ Der Puls von Jandur (Mara Lang) [Rezension]

„Warum bin ich hier?“, wiederholte er
ungeduldig.
„Du bist der Erlöser“, sagte Lord
Nador langsam. „Der Lichtpuls.“
[…]
„Ich bin der Erlöser? Wen soll ich
erlösen?“
„Du wirst diesem Land den Frieden
bringen. Nach sechs Jahren Krieg ist es an der Zeit, dass Jandur zur Ruhe
kommt.“
(E-Book S. 56/455)
„Für einen Moment stand er wie
gelähmt. Der iPod. Das Schwert. Symbole zweier Welten. So nah und doch so
unendlich weit voneinander entfernt. Ungläubig griff er hinunter, drehte den
iPod in den Händen wie man einen Brief von einem Totgeglaubten betrachtet. Sein
Zorn war verraucht, stattdessen wollten Tränen aufsteigen.“
(E-Book S. 247/455)
Alles fängt damit an, dass der
15-jährige Matteo von seinem Schulkameraden Kiril gar nicht erst gegrüßt wird,
oder besser gesagt, dieser ihn total ignoriert. Da Kiril aber so gut wie nur an
Computer und Schach interessiert ist, denkt sich Matteo noch gar nichts dabei.
Als er im Unterricht dann aber aufgerufen wird, sich meldet und der Lehrer
dennoch fragt, wo er heute geblieben ist und die Klassenkameraden sich über
Matteo auslassen und lästern, ihn wie Luft behandeln, bemerkt er, dass etwas
ganz und gar nicht stimmt.
Mit der Tatsache, dass alle anderen
durch ihn durchlaufen können, kommt die Erkenntnis: Er muss tot sein. Den
Gedanken verwirft Matteo jedoch schnell, als er auf die grünhaarige Lith
trifft, die ihn hören und auch sehen kann und daraufhin Matteo erklärt, was
gerade mit ihm passiert: Sein Körper befindet sich in Jandur. Und sein Puls,
wie Lith die immer durchsichtiger werdende Erscheinung von Matteo nennt, muss
dringend zu seinem Körper gebracht werden, ehe er vollkommen verschwindet.

 

Lith bringt Matteo nach Jandur, wo das Abenteuer aber erst beginnt…

Das Cover ist mir sofort ins Auge
gesprungen. Der Klappentext tat sein Übriges und zuletzt gab die Autorin selbst
den Ausschlag, zu dieser Geschichte zu greifen. Ich mochte Mara Langs „Masken“,
mochte ihren Schreibstil und ihre Art zu erzählen. Daher war ich sehr neugierig
auf den „Puls von Jandur“ und wurde auch sehr schnell in die Geschichte
gezogen.
Nach einer kurzen Episode in der
realen Welt wird schnell klar, dass Matteo nach Jandur muss, um sich selbst zu
retten. Er folgt Lith durch die Weltenspirale und erwacht auf der Burg Shinjossa.
In einem fremden Körper, der seinem doch so ähnlich ist, im Angesicht Lord
Nadors, der Matteo sofort mit seiner Bestimmung vertraut macht: Nichts
Geringerem als die Rettung Jandurs. Doch was dafür notwendig ist, lässt Matteo
zweifeln und er ergreift gemeinsam mit Lith die Flucht.
Zusammen mit dem jungen Protagonisten
drang ich immer tiefer in die Welt von Jandur ein, flüchtete vor Lord Nadors
Truppen, lernte die Untaten der Quellbruderschaft kennen und traf auf die ein
oder andere „bekannte Legende“.
Matteo war mir anfangs allein durch
seine jugendlich-naive Art sympathisch. Das Bild, das seine Klassenkameraden
von ihm haben, zerstörte diese Sympathie beinahe. Matteo ist scheinbar ein
reiches, verwöhntes Kind in Trennung lebender Eltern und sein Selbstbewusstsein
scheint eher in Arroganz überzugehen. Dieses Bild hatte ich aber niemals vor
Augen, als ich gemeinsam mit Matteo durch Jandur zog. Ich hielt ihn eher für
etwas naiv und leichtgläubig.
Jedoch machte es ihm Lith auch nicht
leicht. Die Squirra, ein Wesen, das Pulse aufspüren kann, gab ihm nur sehr
spärliche Informationen, beeinflusste ihn aber im höchsten Maße. Aber kann
Matteo ihr blind vertrauen, oder widerspricht sie sich nicht teilweise selbst?
Matteo ist hin- und hergerissen, zwei
Charaktere vereinen sich in „seinem“ Körper, und so traf er manch eine
Entscheidung, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte.

Gut und Böse
waren in Mara Langs Werk aber auch lange Zeit nicht eindeutig
zuzuordnen. Die Geschichte lebt praktisch von dem inneren Kampf des Lesers, zu
wessen Seite er tendiert.
Ich war hin- und hergerissen, jeder
neue Hinweis über Vergangenes überschrieb mein Bild von den Charakteren und rückte
wieder alles in ein neues – manchmal ganz anderes – Licht.
Bis Matteo auf Sebastján trifft, der
Matteo hilft, zu verstehen. Mit seiner Erzählung der Legende über die
Entstehung Jandurs und der Splitterwelt konnte mich Mara Lang absolut
begeistern. Der Weltentwurf ist einfach wunderbar durchdacht, von der Schöpfung
bis zu den Vertretern der Elemente und der Degeneration einer ursprünglichen
Art Jandurs und deren „Merkmale“, die wir Menschen immer noch in uns tragen –
inklusive Seitenhiebe.
Die Autorin konnte mich mit ihrem
einfachen, leichtgängigen Schreibstil mitreißen und in Jandur fesseln. Matteos
humorvolle Gedanken, in dritter Person/Vergangenheit erzählt, taten ihr Übriges
und lockerten die Geschichte auf. Mara Lang beeindruckte mich stets aufs Neue,
warf Ideen und Entwicklungen ein, bot mir immer tiefere Einblicke in die Welt
von Jandur. Unterschwellig gibt sie dem Leser sogar eine „Moral von der
Geschichte“ mit auf den Weg, die mir durchaus gefallen hat. So entstand ein
stetes Bedürfnis, weiterzulesen und endlich hinter alle Geheimnisse zu kommen.
Die vorhandenen Spannungsspitzen wurden von leichteren Episoden abgelöst, die
Zeit für das Genießen der fremden asiatisch-orientalisch-anmutenden Welt
Jandurs
boten.
An dieser Stelle muss ich unbedingt
erwähnen, dass es sich „High-Fantasy-mäßiger“ anhört, als es ist – trotz Zwerge,
„Drachen“ und Co. Mara Lang beschreibt nicht in dem Maße, wie es in epischen
Werken meist die Regel ist. Dennoch kann man sich die andere Welt sehr gut
vorstellen, die fremdartigen Wesen hatte ich sofort vor Augen und genoss diese
fantastische Reise, ohne überfordert zu werden. Die Parallelen zu unserer Welt
vereinfachten mir die Vorstellung noch weiter und sind ebenfalls ein besonderer
Gedanke im „Puls von Jandur“, auf dessen weitere Entwicklungen ich in der
Fortsetzung sehr gespannt bin.

Dieser erste von zwei Teilen findet
vorerst zu einem runden Ende, der Haupthandlungsstrang ist aber noch offen
geblieben und macht es mir unmöglich, NICHT zu „Das Herz von Jandur“ zu
greifen, das im Januar erscheinen wird.

Mit der Idee von Jandur und den
Splitterwelten, dem Puls und den Entwicklungen konnte mich Mara Lang
begeistern. Ich folgte Matteo begierig durch die fremde Welt und konnte so über
den ein oder anderen fragwürdigen Charakterzug hinwegsehen. Belohnt wurde ich
mit einer mitreißenden Geschichte, die sich die 5 Bücher ganz knapp erkämpft
hat.

Für Leser, die nicht unbedingt ein hohes
Spannungsniveau brauchen, um sich von einer Geschichte mitreißen zu lassen,
eine absolute Empfehlung! Wer ein kurzweiliges Leseerlebnis in einer
fantastisch durchdachten Welt sucht, sollte unbedingt zu „Der Puls von Jandur“
greifen!

1. Der Puls von Jandur
2. Das Herz von Jandur
(Erscheinungstermin: Januar 2014)

 

7 KOMMENTARE

    • Mein Gewinnexemplar habe ich weitergegeben… Die Blogtour hat mich so neugierig gemacht, ich wollte mich nicht allein auf die Glücksfee verlassen 🙂

      Umso mehr freue ich mich auf den tollen Charm-Anhänger <3

      Ganz viel Spaß in Jandur! Ich hoffe, dich kann es auch so überzeugen 🙂

      lg
      Steffi

  1. Klingt wirklich sehr gut und interessant :). Wenn es die Bücher je als TB gibt, werde ich sie bestimmt auch lesen.

    Deine Rezi ist wie immer sehr mitreißend und wundervoll geschrieben :D. Ich kann mir alles so richtig schön bildlich vorstellen.

    ganz viele Küsschen <3

  2. Halli hallo
    Ich habe den Monat mit " Days of" ( fünf Sterne) begonnen und dieses Buch ist mein Highlight geblieben aber nur ganz knapp vor " die Verschworrenen" welches auch fünf Sterne gekriegt hat.

    Insgesamt habe ich wieder 14 Bücher gelesen und die meisten davon hatten doch so im Schnitt um die 450 Seiten.

    Enttäuscht war ich von " Sam und Emily, kleine Geschichte…" das Cover fand ich so schön herbstlich aber der Schreibstil war einfach so gar nicht mein Ding!

    Also dann auf in den Nov…
    Ich wünsche dir neben der Arbeit ganz viele Momente zum lesen!
    Hast du dich schon wieder etwas eingelebt?

    Liebe Grüsse Bea

    • Bin mittlerweile wirklich umorganisiert 🙂 Ist schon seltsam so nach 3,5 Jahren 🙂
      Den größeren Stress hat aber Kay, weil er an den Tagen wirklich extrem lange arbeiten muss, weil er die Kinder wegbringt 🙁

      Dein Monat war also auch ein voller Erfolg! 14 Bücher 😮 Wahnsinn!

      Liebe Grüße

      Steffi

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