♂ Die Macht des Schmetterlings (Matt Dickinson) [Rezension]

„Es war ein dunkles, schönes Geschöpf,
nahezu vollkommen schwarz in diesem ersten Augenblick der Enthüllung, die
sonstige Oberfläche seiner spitz zulaufenden Flügel schien das Licht
einzufangen.“
(S. 7)
Er wand sich in etwas, das nach Todeszuckungen
aussah, das Blut strömte unaufhaltsam aus einer klaffenden Wunde in seiner
Flanke, und seine Augen rollten vor Schrecken.“
(S. 49)
Alles beginnt, als an diesem kühlen
Junitag ein Schmetterling aus seinem Kokon schlüpft. Nichts deutet in diesem
Moment auf die Verkettung von Ereignissen hin, die durch diesen Schmetterling
angestoßen werden.
Menschen werden von Menschen
beeinflusst, die sich nicht einmal kennen, geschweige denn, auf dem gleichen
Kontinent wohnen. Das Schicksal lässt ihre Wege kreuzen, Entscheidungen haben
Auswirkungen auf Unbekannte. Und so mehrt sich die Anzahl derer, die durch ein
unscheinbares Ereignis zu unmittelbar Betroffenen werden. Der sogenannte
Schmetterlingseffekt ist nicht aufzuhalten…
Nachdem ich vor kurzem durch Zufall
auf „Die Macht des Schmetterlings“ gestoßen war, bin ich neugierig auf dieses
Buch geworden. Lange habe ich überlegt, ob mir das Buch gefallen könnte. Die
Idee zu dieser Geschichte, basierend auf der Chaostheorie und damit verbunden
dem allseits bekannten Schmetterlingseffekt, schien mir sehr gut zu sein. Die
Entscheidung wurde mir abgenommen und ich habe das Buch geschenkt bekommen. Da
war es natürlich keine Frage, dass ich es nicht lange liegen lassen würde!
Die Geschichte beginnt relativ
unspektakulär. Doch bereits mit diesem für uns denkbar unscheinbaren Ereignis
der Geburt eines Schmetterlings spürte ich eine unheilvolle Atmosphäre
aufglimmen. Ab diesem Zeitpunkt war ich immer auf der Hut vor vermeintlich
ungefährlichen Entwicklungen, die möglicherweise doch zu einer mindestens
mittleren Katastrophe führen könnten.
Matt Dickinson erzählt seine
Geschichte in Vergangenheitsform. Ein personaler Erzähler mit verschiedenen
Blickwinkeln der Protagonisten lenkte mich zielsicher durch das Geschehen. Der
Schreibstil des Autors war sehr angenehm zu lesen, mehr noch, diese fesselnde
Art und Weise seiner Beschreibungen ließ mich das Buch an einem einzigen Tag
durchlesen.
Eine tiefe Beschreibung seiner vielen Protagonisten
hat Matt Dickinson vermieden. Er beschränkte sich auf grobe Angaben, so dass
der verbleibende Raum gut mit eigenen Gedanken aufgefüllt werden konnte. Eine
Charaktertiefe ist für diese Geschichte allerdings auch gar nicht erforderlich.
Die Protagonisten werden in „Die Macht des Schmetterlings“ aus meiner Sicht eher
als schmückendes Beiwerk für das große Ganze benötigt. Denn eines zeigt der
Autor deutlich auf: Kleine Veränderungen und Abweichungen im Lauf der Dinge
führen mitunter zu Entwicklungen, die nicht vorherseh- oder beeinflussbar sind,
eben genau der Schmetterlingseffekt! Daher verzichte ich auch auf die nähere
Beschreibung der Charaktere.
Wer wissen möchte, wie ein Taschendieb
an einem Londoner Flughafen Einfluss auf eine Bergsteigerin am Mount Everest nehmen
kann, welche Wechselbeziehungen zwischen zwei pubertierenden Teenagern und
einer Pilotin bestehen – hier seid ihr genau richtig! Die Geschichte ist nie
vorhersehbar, auch wenn man beim Lesen bereits so seine eigenen Gedanken hat.
Oftmals kommt es dann doch anders, als man gedacht hat…
Die einzelnen Kapitel wurden sehr kurz
gehalten, keines übersteigt mehr als zwei Buchseiten. So war definitiv
sichergestellt, dass ich immer auf dem Laufenden gehalten wurde und das Buch
natürlich kaum zur Seite legen konnte. Herr Dickinson hat so erreicht, dass ich
immer wissen wollte, welcher Handlungsstrang wie fortgeführt wird und ob meine
erwartete Entwicklung eintrifft bzw. der Autor mal wieder innerlich über mich
lächelt, weil er die Handlung dann doch in eine völlig andere Richtung gelenkt
hat. Dabei wirkte keine Szene gewollt oder gestellt; die Handlung war jederzeit
nachvollziehbar und nah an der möglichen Realität.
Interessant fand ich auch, dass der
Autor viele Erlebnisse seines bisherigen Lebens in diesem Buch verarbeitet hat.
Und seine Begeisterung für die Chaostheorie merkt man ihm beim Lesen seiner
Geschichte förmlich an.
Zum Ende der Geschichte hin steigert
sich der Plot in einen wahren Showdown, der die aufgestaute Spannung wie durch
ein Ventil entließ. Insgesamt hat es der Autor geschafft, mich mit seinem Werk
zu fesseln und mir schöne Lesestunden verschafft.
„Die Macht des Schmetterlings“ ist
eine Geschichte, die auf alltäglichen Zufällen und ungeplanten Abweichungen von
der Norm basiert und damit jederzeit tatsächlich so passieren kann. Für die
schönen Lesestunden und eine hervorragende chaostheoretische Geschichte vergebe
ich deshalb 5 Bücher.
Für Fans realistischer Geschichten,
die sich von den komplexen, jedoch unvorhersehbaren Entwicklungen des täglichen
Lebens fesseln lassen können, Überraschungen nicht ausschließen und sich
zielsicher durch Handlungen leiten lassen können.

 

27 KOMMENTARE

  1. "der Autor innerlich über mich lächelt" tolle Idee, darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht.
    Deine Rezi ist echt toll geschrieben! Wenn das Buch nicht schon auf meiner WL wäre, würde ich es JETZT draufschreiben!

    lg. Tine =)

  2. Richtig tolle Rezi!!! <3 Ich empfand das sehr ähnlich und auch ich habe es an einem Tag durchgelesen. xD Es liest sich aber wahrscheinlich auch schnell. 🙂

    Liebste Grüße
    Becca

  3. "Die Macht des Schmetterlings" ist mein Weihnachtswunschbuch, weil ich, obwohl es nicht soo bekannt ist, verhältnismäßig viel davon gehört habe und dabei bisher die positiven Meinungen überwiegen. Wie könnte ich da nicht neugierig sein?

    Lieben Gruß

    Rica

    Btw: Schöne Rezi, Kay! Da kriegt man glatt noch mehr Lust auf das Buch 😀

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