♀ Frozen Time (Katrin Lankers) [Rezension]

„Regel 1
Gesundheit, Glück und ein langes Leben
sind die höchsten Güter unserer Gesellschaft. Sie zu verfolgen und zu schützen
ist unser wichtigstes Ziel.“
(S. 9)
Das Jahr 2100. Nach der
Pockenepidemie, die große Teile der Bevölkerung Europas getötet hat, ist die
oberste Priorität der Vereinten Europäischen Nationen die Gesunderhaltung ihrer
Bürger. Nahezu alle Krankheiten sind in den 10 Metropolen ausgerottet.
Niedere Arbeiten werden von Robotern
erledigt, jeder Bewohner trägt seinen Teil zum Wohl der Gesellschaft bei.
Das System Familie wurde abgeschafft.
Der Staat kümmert sich um die „Produktion“ von Kindern (unter Verwendung der
besten Leihmütter, Eizellen- und Samenspenden), zieht sie auf, bildet sie aus
und lehrt sie einen Beruf.
Der Gesundheitszustand jedes einzelnen
wird mit Hilfe des Insignals am Handgelenk überwacht. Jeder Bewohner kann so
jederzeit und überall aufgefunden und kontrolliert werden.
Als besonderer Dank für besondere
Dienste an der Gesellschaft wurde das Cryo-Programm „Frozen Time“ ins Leben
gerufen – um später eine Verlängerung des bislang durchschnittlichen
130-jährigen Lebens zu ermöglichen.
Tessa erwacht im Nebel ihrer
verlorenen Erinnerungen. Alle medizinischen Versuche, sie nach einer „schwerwiegenden
Krankheit“ wiederherzustellen, misslingen.
Ihr medizinisches Fachwissen ist noch
da. Ebenso wie sämtliches Wissen über die Vereinten Europäischen Nationen oder die
Metropolen. Nur sind die Verknüpfungen mit ihrem eigenen Leben wie ausradiert.
Irgendwann kommen die Träume dieses
gutaussehenden Jungen, zu dem sie zu gehören scheint. Aber warum gehen mit
diesem so positiven Gefühl derartige Schuldgefühle einher?

Oder warum warnt sie eine andere
Amnesie-Patientin auf so seltsame Art und Weise?

„Frozen Time“ ist mir in der aktuellen
Vorschau des Imprints „Bloomoon“ gleich positiv ins Auge gefallen. Auch wenn
ich aufgrund des Klappentextes etwas anderes erwartet hatte, konnte mich Katrin
Lankers mit ihrem Entwurf des Jahres 2100 überzeugen.
Der Einstieg ging leicht von der Hand.
Gemeinsam mit der Protagonistin Tessa erwachte ich auf einer Intensivstation.
Da Tessa alle Erinnerungen an ihr eigenes Leben verloren hat, konnte ich mit
ihr gemeinsam auf die Suche danach gehen. So führte sie mich langsam in die
Welt im Jahre 2100 ein. Eine Welt, in der Gesundheit nicht länger theoretisch
sondern gesetzlich das oberste Gut ist und absolute Priorität hat. Eine Welt,
in der nahezu alles von Robotern erledigt wird, das Essen aus Foodprintern
stammt und alles andere in NanoConvertern erzeugt wird.
Ich hatte von Anfang an einen guten
Draht zu Tessa, die in Ich-Perspektive in Gegenwartsform erzählt. Tessa weiß
von Anfang an, dass etwas nicht stimmt. Nicht nur aufgrund der besonderen Erinnerung
an diesen Jungen, die mit solch unverständlichen Schuldgefühlen einhergeht.
Eine innere Stimme warnt sie so oft, erteilt ihr Ratschläge und lange wussten
weder Tessa noch ich, was es damit auf sich hat.
Ihr Memo-Trainer Milo, der mit Tessa
an ihren Erinnerungen arbeiten soll, war mir im ersten Moment mehr als
unsympathisch. Nur auf seine Karriere bedacht, sieht er Tessa als interessantes
Studien-Objekt, dass ihm das verdiente Prestige bringen kann. Aber im Ernstfall
konnte mich Milo überraschen.
Der Schreibstil von Frau Lankers ist
einfach und prägnant. Sie konnte ihren Entwurf der Zukunft mit allen
technischen Errungenschaften sehr gut präsentieren und nachvollziehbar machen.
Emotionen dagegen konnte ich nicht immer mitempfinden, was aber meinen Lesespaß
kaum beeinträchtigte.
Ich stürzte mich von Anfang an
begierig auf die Science-Fiction-gleiche Welt von Frau Lankers. Tessas
Schicksal gehörte zwar dazu, war irgendwie darin verwoben, der wahre Umfang wurde
aber erst im Laufe der Seiten deutlicher.
Wer den Klappentext (der beinahe schon
zu viel erzählt) gelesen hat, weiß um Tessas vermeintlicher „Beziehung“ zum
Projekt „Frozen Time“. Wie aber wirklich alles zusammenhängt, welch Überraschungen
Tessa erlebt, wurde von der Autorin grandios arrangiert.
Ich wurde von dem Setting derart
mitgerissen, dass ich den Charakteren erst wieder Beachtung schenkte, als diese
aus dem Schatten der Sci-Fi-Welt traten. Bis dahin hatte ich vermutet, ich könne
die Story absehen, doch die Autorin konnte mich überraschen. Eine neue Wendung
folgte der nächsten und Informationen – insbesondere medizinischer Natur –
flossen in großer Masse auf mich ein. Der Showdown (wie auch einige „komplizierte
Situationen“ zuvor) lief etwas zu glatt. Dem folgten dann aber ein sehr
gelungenes Ende und ein hoffnungsvoller Epilog.
Übrig bleibt die Frage, wie viel die
Gesundheit wert ist.

 

Gesundheit, Glück und ein langes Leben…
(Abschiedsformel der Bevölkerung)
Mit „Frozen Time“ konnte mich Katrin
Lankers überzeugen. Dieser Einzelband beinhaltet eine Science-Fiction-mäßiges
Setting, das fundiert durchdacht ist, interessante Charaktere und einen
rasanten Story mit einem visionären und sogleich schockierenden Verstehen von
Gesundheit. Der durch den Klappentext erwartete Fokus auf die
Beziehungsgeschichte blieb aus, dafür bekam ich eine utopische Welt, die sich
erst sehr sehr spät als Dystopie entpuppt. „Frozen Time“ ist nur ganz knapp an
der Höchstwertung vorbei geschrammt. Meinen außerordentlichen Lesegenuss
belohne ich mit sehr guten 4 Büchern.
Ein Muss für Fans gut durchdachter
zukünftiger Systeme, die auf überdetaillierte Darstellungen verzichten und
kleine Unebenheiten verzeihen können. Ich warte nun ganz gespannt auf den
Foodprinter und den NanoConverter und hoffe, dass ich die Pocken überleben
werde.

21 KOMMENTARE

  1. Jetzt, da ich weiß, was genau ich von dem Buch zu erwarten habe und lesen konnte, wie sehr es dir gefallen hat, werde ich es mir gleich mal bestellen 🙂

    Liebe Grüße
    Jenny

  2. Ohhh ohhh ohhh was hast du denn da wieder gemacht? :O Muss das denn immer sein mit diesen wundervollen und suuuuper überzeugenden Rezis? 😛

    Aaaalso ich werd das dann wohl auch mal zeitnah in Angriff nehmen. Bin ja jetzt schon mehr als neugierig!! 😀

    Haben Sie Dank für die tolle Rezension Frau Hasse! xD

    Küsschen und Umarmungen <3
    Becca

    • SCHNUUUUUCKEEEEEEEEEL :-)))
      Wenn du dir auch schon immer gewünscht hast, jegliches Essen "herzaubern" zu können und dasselbe mit allen möglichen anderen Dingen (Klamotten, SCHUHEEEEE) zu machen, dann wird dir die Idee gefallen 🙂

      Wenn du dann auch noch einer guten Geschichte der Protagonistin auf den Grund gehen willst, dann MUSST du es lesen <3

      Kuss :-)))

      Steffi

  3. Wie toll, das ist definitiv auch ein Buch für mich :))))

    Du hast mich mit deiner wundervollen Rezi wieder einmal mehr als überzeugt und total neugierig gemacht, danke <3

    dickes Küsschen, Ally

  4. Hört sich zwar gut an, aber ist wohl nicht so meins… und ich denke, dass mein SuB mich umbringt, wenn ich noch mehr Bücher kriege 😀

    Liebe Grüße
    Tabea

  5. Vom Cover hat mich das Buch nun weniger angesprochen, aber der Klappentext hatte mich gleich für sich gewonnen. Deine Rezi hat mich darin nur noch bestärkt. Scheint auch mal eine Dystopie mit einer relativ neuen Grundidee zu sein. Schön finde ich allerdings auch, dass es mal einen Einzelband gibt 🙂

    Lg Rina

    • Kann dir bei beidem nur zustimmen… Sogar allen drei Punkten – das Cover ist … naja, im Nachhinein kann ich es verstehen, aber vorab?!?! NAJA… 🙂

      Und Einzelband! Yeah!!!

  6. Der Klappentext hat mich ja schon ziemlich gespannt gemacht – und die Tatsache, dass es mal ein Einzelband ist, macht es noch ansprechender xD Und dir scheint das Buch ja auch wirklich gut gefallen zu haben, sollte wohl bald bei mir einziehen 😉

    LG Filo

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