♀ Gelöscht (Teri Terry) [Rezension]

„Und wenn ich gar kein neuer Mensch
bin, ist das, was ich getan habe, immer noch da. Es ist immer noch ein Teil von
mir, irgendwo tief in mir versteckt.“
(S. 168)
„Ich will es nicht wissen, aber ich
höre die Stimmen aus meiner Vergangenheit in meinem Kopf. Und sie verschwinden
nicht.“
(S. 331)
Nach der Bankenkrise und dem
Zusammenbruch der Wirtschaft in Europa hat sich Großbritannien von der EU
getrennt und die Grenzen geschlossen.
Handys wurden verboten, um zu
versuchen, die Studentenproteste einzudämmen. Die Gegenwehr und Krawalle wurden
immer schlimmer.
Aus der endlosen Debatte über Ursachen
und mögliche Konsequenzen von jungen Straftätern ging das Slating hervor.
Um die geslateten Jugendlichen zu
überwachen, wurde die Levos erfunden, ein Überwachungssystem der Emotionen und
des Aggressionspotentials.
Heute wird Kyla entlassen. Nach 9
Monaten voller „erster Male“, Sprechen und Bewegungen erlernen, wird sie auf
ihre Familie treffen – alles unbekannte Menschen, die sie trotzdem überzeugen
muss, neu und „gut“ zu sein.
Kylas Erinnerungen wurden gelöscht.
Jetzt soll sie bei ihrer neuen Familie, Mum, Dad und Amy, die ebenfalls
geslatet wurde, leben.
Kyla muss immer noch vieles lernen –
und ständig kommen diese Albträume dazwischen, die für sie tödlich enden
könnten – sollte ihr Levo-Wert auf 2 fallen.
Die Albträume können nicht wahr, keine
„Erinnerung“ sein – schließlich wurden diese alle gelöscht. Aber Kyla ist
anders.

 

WIE anders, muss sie jedoch erst noch herausfinden…

Der Klappentext und die Leseprobe
machten mich neugierig und ich MUSSTE zu „Gelöscht“ greifen.
Der Einstieg gelang mir leicht.
Aufgrund der Ich-Perspektive im Präsens wurde ich sofort in Kylas Gedankenwelt
hineingezogen. Auffallend waren ihr Verhalten und ihr „Andersdenken“. Durch das
Löschen all ihrer Erinnerungen gleicht sie eher einem Kleinkind, kann manche
Dinge nicht wissen, manche Konsequenzen nicht erahnen. Ich fieberte mit ihr und
sie rief den Beschützerinstinkt in mir wach. Ich wollte sie anbrüllen, sich nicht
diesem oder jenem anzuvertrauen, weil ich mir den weiteren Verlauf denken
konnte… Aber auch ich hab mich teilweise getäuscht.
Die Protagonistin Kyla war mir nicht
direkt sympathisch, sondern ich konnte sie verstehen. Sie ist nicht übermäßig
nett, sondern zu distanziert, kann schwer Verbindungen aufbauen, hat genug mit
sich selbst zu tun. Sie ist eine Kämpfernatur und lernt schnell. Nicht nur was
es heißt, auf die falschen Leute zu setzen und dass man nie dem ersten Eindruck
trauen darf.
Was Kyla insgesamt durchgemacht hat,
um überhaupt so weit zu kommen, verrate ich euch natürlich nicht. Ich war tief
beeindruckt von dieser Wendung und fiebere der Fortsetzung entgegen.
Ben, ein weiterer Slater, war mir
wirklich sympathisch. Er hegt Gefühle für Kyla, will sie beschützen, kommt aber
nicht um die Kontrolle durch sein Levo herum. Und als „normaler“ Slater kann er
sich dem Druck von außen nicht widersetzen. Wie kann er dieser Zwickmühle
entfliehen?
„Gelöscht“ lebt von dem Gedanken und
der Überlegung, wem man trauen kann und wem nicht. Schon nach kurzer Zeit war
mein Misstrauen gegenüber allen Charakteren so stark, dass ich selbst den Guten
Niedertracht und Spitzelarbeit zugetraut hätte.
Der Schreibstil von Frau Terry ist
einfach und beinahe emotionslos. Somit trägt sie Kylas Inneres nach außen,
schließlich kann ihre Protagonistin Gefühle (noch) gar nicht zuordnen. Diese
müssen erst erlernt werden. Die Autorin schmeichelt auch nicht und umschreibt
brutalere Szenen. Insbesondere die Traumszenen machen Kylas Angst greifbar.
Die Idee der Autorin fand ich sehr
interessant. Leider erfuhr ich nur sehr wenig und sehr spät genauere Details
über die Vergangenheit mit den ganzen Gangs und Krawallen und darüber, wie es
überhaupt so weit kommen konnte. Umso schwerer war es, sich vorzustellen, dass
man 2054 Kindern die Erinnerung nimmt, um ihre Aggressivität in den Griff zu
bekommen und sie so zu „zähmen“.
Der Spannungslevel war konstant auf
mittlerem Niveau. Ich brannte darauf, zu erfahren, wie es mit Kyla weitergeht.
Dieser Wunsch zog mich auch durch die kleineren Längen zwischendurch, sodass
ich nie das Interesse oder meinen Lesespaß verlor.
Das Ende sollte vermutlich Erwähnung
finden: Kurz vor Schluss jagt eine Erkenntnis die nächste, ich war mit Haut und
Haar im Buch… und dann kam der Satz „Ende des ersten Bandes“.

 

Es ist kein ultrafieser Cliffhanger,
ich MUSS aber unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Frau Terrys „Gelöscht“ ist nicht
spannungsgeladen oder detailreich ausgestaltet. Das muss es aber auch gar
nicht. Denn „Gelöscht“ lebt von der Entwicklung seiner Protagonistin Kyla und
ihrem Nervenkitzel, ihrer Angst, ihrer zarten Liebe und nicht zuletzt ihrer
Wut. Trotz kleinerer Längen und dem Wunsch nach mehr Informationen zu dieser
Zukunftsvision ging mir mein Spaß am Lesen nie verloren. Daher gibt es 4 Bücher
für Kyla und ihre gelöschten Erinnerungen.

Eine klare Empfehlung für alle
Dystopie-Fans, die sich auch mit einer langsamen, aber stetigen Entwicklung der
Protagonistin anfreunden können und tiefergehendes Wissen auf die nächsten
Bände verschieben können.

1. Gelöscht
2. Zersplittert
(Frühjahr 2014)
3. engl. Titel: Shattered
(Frühjahr 2014)

36 KOMMENTARE

  1. Ich war schon neugierig auf das Buch durch die Leserunde bei lovelybooks. Leider hab ich es da nicht geschafft. Aber ich muss das Buch lesen! Tolle Rezension!

  2. Vielleicht lese ich das Buch erst, wenn Teil 2 erschienen ist. Ich warte so ungern. 😀
    Schöne Rezi, das Buch kommt jetzt auf meine WuLi! <3

  3. Halli hallo

    Ach das hört sich schon wieder nach einem Buch für mich an!!
    Ich mag es ja total gerne, wenn man sich so auf die Suche machen muss was eigentlich genau passiert ist:
    Auch die Leseprobe hat mich sehr angesprochen!
    Mein Dilemma, wenn es so offen aufhört, ob ich da vielleicht doch lieber warte? Denn im Sommer und Herbst kommen doch auch noch sooo viele Bücher raus, die ich haben muss!!!
    Liebe Grüsse
    Bea

  4. Ui das klingt ja wirklich gut, und mal nach was anderem 🙂 ich mag langsame Entwicklungen, das ist manchmal viel authentischer als schnelles hin und her. Ab auf die Wunschliste 🙂

    Einen wunderschönen Wochenstart! ♥

  5. Uuuund wieder eine Neuerscheinung, die fluchs rezensiert ist. Wahnsinn, wie flink ihr immer seid! *.*
    "Gelöscht" ist ein WuLi-Buch. Mir gefallen solche rätselhaften Geschichten.

    Herzliche Grüße,
    Sandy

  6. Deine Rezi klingt um einiges überzeugender als Jan´s, sodass ich doch wieder denke, das ich "Gelöscht" haben MUSS. Vor allem die Idee insgesamt hört sich so gut an, tolle Rezi Süße <3

  7. Mhmmmm ich hatte es eigentlich schon abgeschrieben, weil da so einer meinte :D, dass es überhaupt nicht spannend ist und das wäre dann ja gaaaar nichts für mich, noch dazu Emotionslosigkeit. :/

    Trotzdem bin ich jetzt, dank dir, irgendwie neugierig geworden. Klingt ja schon recht vielversprechend.
    Die Begriffe finde ich jetzt ein wenig befremdlich aber sonst…ich werde nochmal drüber nachdenken, vielleicht auch einfach auf Band 2 oder so warten, vor allem, weil da so ein fieser Cliffhanger ist. 😀

    Liebste Grüße
    Becca <3 <3

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