♀ Mythica 04 – Göttin des Frühlings (P. C. Cast) [Rezension]

„Er hatte vergessen, welche Macht und
überwältigende Anziehungskraft göttliche Schönheit besaß. Seine Reaktion auf
Persephone war animalisch, sein Verlangen wild. Er spürte, wie sich seine
vergrabene Leidenschaft rührte. Begierden, die er vor Äonen verdrängt zu haben
glaubte, begannen sich zu regen.“
(S. 134)
„Wie du weißt, habe ich viel Erfahrung
mit den Gelüsten des Körpers. Ich spüre Verlangen und stille es. Aber Liebe?
Diese am schwersten zu fassende Emotion? Ich habe gesehen, wie sie einen
siegreichen Krieger in die Knie zwang und einer einzelnen Jungfrau mehr Kraft
verlieh als Herkules, aber ich kann nicht behaupten, dass ich sie jemals
wahrhaft gespürt habe.“
(S. 339)

 

 

Demeter ist der Meinung, der Unterwelt
fehle eine Göttin. Doch ihre Tochter Persephone ist zu unbesonnen. Das Leben unter
den Göttern habe ihr nie gezeigt, wie es ist, eine Frau zu sein. Doch es gibt
einen Ort, an dem sich das ändern könnte…
Lina Santoro betreibt eine besondere
Bäckerei. Aber das Pani della Dea, das „Brot der Götter“, steht aufgrund einer
Fehlkalkulation ihres Beraters kurz vor der Insolvenz.
Sie beschließt, die letzte Chance auf
die Rettung ihres Lebenstraumes zu ergreifen: Die Erweiterung ihres Angebotes.
Im Antiquariat „The Book Place“ sucht sie nach einem ganz besonderen
Back-/Kochbuch.
Als sie sich zuhause durch die alten
Bücher arbeitet, findet sie ein außergewöhnliches Rezept, das gleichzeitig der
Göttin Demeter huldigt. Während des Abschlusses des Rituals findet sich Lina
plötzlich in einem anderen Körper – der Göttin der Ernte von Angesicht zu
Angesicht. Demeter unterbreitet ihr einen Vorschlag: Lina soll in Gestalt
Persephones in die Unterwelt, die dringend weibliche Führung benötigt. Während
dieser Zeit bringt die echte Persephone den Frühling und damit frischen Wind in
Linas Unternehmen.
Nach einem kurzen Hin und Her stimmt Lina zu. Als sie jedoch in der Unterwelt
eintrifft, fühlt sie sich nach kürzester Zeit übers Ohr gehauen. War alles, was
Demeter ihr erzählt hat, nur eine Lüge?
Hades jedenfalls gleicht nicht der
Person, die Demeter mit abfälligen Worten beschrieb. Er ist eher… interessant
und sehr gutaussehend.

 

 

Nachdem mein letzter Ausflug in die
Hades/Persephone-Thematik ein absolutes Fiasko war, griff ich guten Gefühls zur
„Göttin des Frühlings“. Bislang konnte mich die Mythica-Reihe sehr gut
unterhalten und ich freute mich auf das Buch. Endlich hatte ich meinen Unmut
darüber, den Ausgang und Teile des Inhalts bereits zu kennen (vom deutschen
Verlag wurde die Reihenfolge gewechselt und der deutsche Band 3 „Göttin des
Lichts“ spoilerte ziemlich), überwunden und konnte mich voll und ganz auf die
Unterwelt einlassen.
Zuvor jedoch bekam ich wie gewohnt einen
kurzen Einblick in die Menschenwelt des „Königreichs Tulsa“ und die Probleme
der Protagonistin Lina.
Lina ist eine erfolgreiche
Geschäftsführerin einer kleinen schnuckeligen besonderen Bäckerei. Besonders,
weil sie stark italienisch angehaucht ist und zu den Backwaren Wein serviert
wird. Lina ist 33 und überzeugter Single, der die Enttäuschung über die
Männerwelt nach ihrem Ex-Mann nicht gelindert wurde. Sie lebt für ihren
Lebenstraum und würde alles für dessen Rettung tun. So gerät sie in Gestalt der
jungen Göttin Persephones in die Unterwelt. Entgegen aller Erwartung ist Hades
nicht mürrisch und unansehnlich, sondern sehr sexy und alles andere als
langweilig. Da beginnt auch schon das Problem: Lina ist schließlich nicht in
die Unterwelt gekommen, um einen Mann zu suchen, sondern um ihr eine Göttin zu
liefern. Allen guten Vorsätzen zum Trotz spürt Lina, dass hinter Hades‘ rauer
Fassade ein ganz besonderer Gott steckt.
Im Gegensatz zu Lina fand ich Hades
gerade am Anfang interessant. Zug um Zug hat die Idee der Autorin jedoch überhandgenommen
und Hades ist teilweise zu einem „Weichei“ mutiert, das ich am liebsten in den
Tartarus geschickt hätte. Natürlich passt diese Charakteristik in Frau Casts
Interpretation des Mythos. Sie zeigt Hades als zurückgezogenen, von allen
anderen Unsterblichen gemiedenen Gott, der sich von der Oberflächlichkeit der
anderen Götter abgewandt hat, weil er weiß, was wahre Liebe bedeutet. Auch wenn
das romantisch klingt, so war es für mich nicht immer authentisch.
Mein Liebling der Geschichte war Eurydike,
die von der Autorin ebenfalls mit einer kompletten Neuinterpretation ihrer
Lebensgeschichte versorgt wurde. Ihr Charakter brachte mich ein ums andere Mal
zum Schmunzeln und ihr Schicksal rührte mich zutiefst.
P.C. Casts Schreibstil ist wie immer
gewohnt locker und leicht. Mit teils sehr bildhaften Vergleichen ließ sie die
Unterwelt in meinem Kopf entstehen, führte mich über den beeindruckenden Palast
von Hades zu einem Spaziergang im Elysium.
Die Geschichte wird in dritter Person
aus Sicht von Lina und Hades in Vergangenheit erzählt, jedoch finden sich ein
ums andere Mal auch kurze Seitenblicke in die Nebencharaktere.
Mit der Interpretation der
Götter-Sterbliche-Thematik hatte ich dieses Mal ein kleines Logikproblem, das
auch der Versuch einer Erklärung seitens „Demeter“ nicht aus meinem Kopf
verbannt werden konnte. Doch je mehr ich mit Hades und Lina/Persephone
mitfieberte, geriet es immer mehr in den Hintergrund.
Nun zum erotischen Teil der
Geschichte, die bei den „Mythicas“ nunmal dazugehören: Bevor man aber zu den
Ü18-Szenen kommt, muss man erst einmal gut die Hälfte des Buches lesen. Dann
aber packt einen die kribbelnde Atmosphäre. Frau Cast beschreibt auch diese wie
immer sehr feinfühlig und genau im richtigen Maße anrüchig.
Die Message der Autorin ist die der
anderen Teile: Erwecke die Göttin in dir und lebe deine Weiblichkeit aus! Zu
dieser gesellt sich in der Unterwelt natürlich die Frage, was Liebe bedeutet: Liebt
man den Körper oder die unsterbliche Seele des Menschen?
Nach einem mal romantischen, mal
zickigen oder auch sehr erotischen Hin und Her war das Ende einfach göttlich
und ich konnte das Buch mit einem lauten „Hach!“ zuklappen.

 

 

Auch dieser vierte Band von P.C. Casts
„Mythica“-Serie konnte mich wieder sehr gut unterhalten. Ihre sexy Neuinterpretation
des Mythos rund um Hades und die „Göttin des Frühlings“ Persephone konnte mich mitreißen und ich fieberte
bis zuletzt mit den Protagonisten. Für die gelungene Unterhaltung gibt es trotz
kleiner Fragen knappe 4 Bücher.
Ein Muss für die Fans der Vorgänger.
Die Göttin des Frühlings kann zwar vom Humor nicht ganz mit meinem Liebling „Göttin
der Liebe“ mithalten, kommt jedoch in Sachen Prickeln und Lesespaß wieder
beinahe an diese heran.
Wer erotisch angehauchte Geschichten
mag und der Mythologie wohlgesonnen ist, sollte sich die Mythica-Serie genauer
anschauen.

 

1. Mythica – Göttin der Liebe (Rezension)
2. Mythica – Göttin des Meeres (Rezension)
3. Mythica – Göttin des Lichts (Rezension)
4. Mythica – Göttin des Frühlings
5. Mythica – Göttin der Rosen
6. Mythica – Göttin des Sieges
7. Mythica – Göttin der Legenden

8 KOMMENTARE

  1. Ich denke, ich werde die Reihe auch noch irgendwann lesen. 🙂 Vielleicht finde ich sie ja mal irgendwo gebraucht günstiger.

    Klingt auf jeden Fall interessant! Und ich lese P.C. Cast ja allgemein recht gerne. <3

  2. Ich bin bis jetzt erst in der Hälfte des Buches, doch Ich denke überhaupt nicht so.
    Mir scheint die Darstellung zu kitschig und unrealistisch, Ich hätte mir gewünscht, das es nicht gleich so offensichtlich wäre, das den Beiden eine "ach so schöne und romantische" Beziehungskiste bevorsteht. Ehrlich, er ist der Gott der Unterwelt, in sich zurückgezogen und mürrisch. Klar, auch ein Gott hat seine weichen Seiten und kann ein "Weichei" sein (wie du so treffend sagtest), selbst wenn er Hades ist!
    Doch alleine schon wie er sich sofort in sie verliebte und sie ja so interessant fand und sich ihrem Zauber kaum zu entziehen vermochte, liess in mir einen unheimlichen Drang entstehen, dieser P.C Cast an die Gurgel zu springen.
    Es ist einfach viel zu offensichtlich und vorhersehbar, dazu schrie alles in mir "Mary Sue, Mary Sue! Renn weg!", auch wenn sie auf den ersten Blick gar keine Mary Sue zu sein scheint.
    Das Einzige was Ich an der Geschichte mag, sind Eurydike und Iapos. Ansonsten kann Ich mich nur mit Mühe dazu überwinden, dieses Buch weiter zu lesen, was bei mir schon was heisst, da Ich es für selbstverständlich halte, es fertig zu lesen, da es sich gegen Ende immer noch verbessern kann. Doch hier… Naja, mal schauen.

    Dennoch danke Ich dir für deine Rezension und respektiere deine Meinung, denn wir sind ja alle verschieden! Ich will damit auch keinem die Freude am Buch nehmen, nur mir persönlich gefällt es überhaupt nicht.

    • Danke für deine ausführliche Meinung. Ich kann diesen Drang, jemanden zu schütteln (oder ihm zuzuschreien) durchaus verstehen – geht mir bei so manch anderen ebenso.
      Aber die ganze Reihe war für mich recht offensichtlich und vorhersehbar und mit dem "Liebe auf den ersten Blick" war ja auch nicht das einzige Mal so. Ist kitschig und übertrieben, aber manchmal mag ich das so <3
      Kann dich natürlich ebenso gut verstehen – mir ging es zuletzt ganz extrem mit einer anderen Hades-Geschichte so (die unsterbliche Braut), die auch so viele Fans hat und für mich das Ende der Trilogie bedeutete 🙂

      Liebe Grüße und ich wünsche dir Durchhaltevermögen

      Steffi

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