♀ Dancing Jax 02 – Zwischenspiel (Robin Jarvis) [Rezension]

„Es ist keine Religion. Es ist eine
Pforte zu einem besseren Lebensverständnis, eine Brücke zu einer weit
farbenfroheren und aufregenderen Existenz.“
(S. 27)

 

 

Die NBC-Reporterin Kate berichtet live
aus Großbritannien und erhält sogar ein Interview, oder wohl eher eine Audienz
beim Ismus. Dieser huldigt dem Buch in vollen Zügen und berichtet neutral und
dennoch werbend vom Inhalt und erzählt, dass das Buch in mehrere Sprachen
übersetzt wurde und kurz vor der Veröffentlichung steht.
Kate warnt die Zuschauer in den USA am
Ende ihres Berichtes vor dem Buch. Nach dessen Ausstrahlung drängt ein Mann vor
die US-Studiokamera, hält Dancing Jax in die Höhe und huldigt dem Ismus.
Kurz darauf werden alle übrigen
„abtrünnigen“ Kinder in Großbritannien in ein Camp gebracht. Auch Kate wohnt
der Pressekonferenz bei und ist anschließend Zeuge der Ankunft der zu
Umerziehenden. Doch es gibt auch für sie und ihren Kameramann Sam kein
Entkommen und so wird Kate zu Columbine, einer Küchenmagd, die sich nach Unerreichbarem
sehnt: dem Karobuben. So hat die böse Hexe Haxxentrot leichtes Spiel mit ihr.
In Mooncaster geht jedoch auch etwas
anderes um. Etwas Unsichtbares, das auch dem Ismus selbst Sorgenfalten auf die
Stirn treibt: Eines der Kinder im Camp ist der Castle Creeper, die größte
Bedrohung für Mooncaster und zugleich größte Hoffnung.
Der Ismus transferiert die Punchinellos, die Wächter von Mooncaster in unsere
Welt und einen Splitter seiner selbst als Spion in einen der Jugendlichen. Das
(Zwischen-)Spiel kann beginnen…

 

 

Der „Auftakt“ der Dancing Jax-Trilogie
konnte mich mit seiner Andersartigkeit überraschen. Das Ende sah nicht gut für
unsere Welt aus und so war ich gezwungen, weiterzulesen.
Und es ist viel passiert: Seit der
Veröffentlichung von „Dancing Jax“ ist einige Zeit vergangen. Martin Baxter,
für mich einer der herausstechendsten Charaktere in Band 1, kümmert sich um den
organisierten Widerstand, verblasst dann aber im Laufe des Buches zu einer
Nebenrolle.
Denn die Hauptrollen spielen die
Abtrünnlinge, jene Jugendliche, die sich auf keiner Ebene nach Mooncaster
ziehen lassen. Sie werden gedemütigt, misshandelt und aufgestachelt – mit einem
für den Ismus wichtigen Ziel: der Enttarnung des Castle Creepers.
Von genaueren Beschreibungen sehe ich auch bei diesem 2. Band ab. Die Fülle an
Charakteren kann es durchaus mit „Auftakt“ aufnehmen.
Was die Welt außerhalb der unseren
angeht, hat Herr Jarvis wieder außerordentlich Fantasie bewiesen und nicht nur
seltsame und blutrünstige Geschöpfe erschaffen, sondern auch seiner
erschaffenen Welt einen Feind gegeben, der den ein oder anderen Leser nach
Enttarnung erschrocken aufkeuchen lassen wird. Aber für Zartbesaitete ist „Dancing
Jax“ sowieso nicht geeignet. Getreu der Aussage des Autors in seiner Vita kommt
auch „Zwischenspiel“ nicht ohne Tote aus. Doch die Art des Todes ist alles
andere als „einfach“. Eine leicht „kranke“ Ader muss man dem Autor schon
andichten. Seine Art, die hingebungsvoll-gewalttätigen Punchinellos zu
beschreiben, überhaupt ihr gesamtes Auftreten, zeugt von Blutdurst.
Robin Jarvis hat auch in seiner
Fortsetzung wieder den gesellschaftskritischen und hinterfragenden Ton
angeschlagen: Meinungs-/Wahlfreiheit, Diskriminierung und Rollenverhalten
werden auf besondere Weise aufgegriffen und regen zum Nachdenken an.
Sein Schreibstil ist weiterhin
nüchtern und klar. Im auktorialen Stil gibt der Erzähler eine immense Anzahl an
Charakteren Tiefe, deren Masse zeitweise wieder auf so manchen Leser erdrückend
und überfordernd wirken könnte.
Die Episoden, die in der „Welt der
Dancing Jacks“ spielen, sind nicht mehr kursiv hervorgehoben, was eine
angenehmere Wirkung auf mich hatte. Kurze Zeichnungen, teils in Spielkartenform,
mit Beschreibungen lockern den Text auf und erleichtern die Vorstellung.
„Zwischenspiel“ zeigt auf
schockierende, brutale Weise menschliches Rollenverhalten. Das Camp erinnerte
mich zeitweise an „Das Experiment“. Auf grausame Weise hetzen die
vermeintlichen Seiten gegeneinander, verlieren stellenweise den wahren Gegner
aus den Augen. Die Camp-Anteile waren mir persönlich irgendwann zu viel, ich
hatte mir mehr Episoden aus dem „Königreich der Dancing Jacks“ oder auch dem
Rest „unserer Welt“ gewünscht. Dafür hat der Autor aber seiner Ikone Austerley
Fellows mehr Tiefe gegeben, indem wir einen kurzen Blick auf seine
Vergangenheit erhaschen dürfen.
Der Spannung taten auch die
Camp-Szenen keinen Abbruch. Ich fieberte gleich an mehreren Stellen mit, hatte
Fragen, nach deren Aufklärung ich brannte: Schafft es „Dancing Jax“ auch, in
den anderen Ländern Fuß zu fassen? Was wird aus den Kindern im Camp? Wer ist
der Castle Creeper? Warum hat der Ismus Angst vor ihm? Wer ist der Spion?

Meine Fragen wurden
beantwortet, doch das Ende bietet wieder einen fiesen Ausblick auf weitere
Kriege und ein „kämpferisches Pack“…

 

Man muss sich auf den
gewöhnungsbedürftigen Stil und die brutale, grausame Welt von Robin Jarvis
einlassen. Belohnt wird man dafür mit einer „verrückten“ und verzerrten Vision
der Übernahme des Bösen. Gesellschaftskritische Aussagen und ein allzu
verständliches Rollenverhalten in Stresssituationen geben der blutrünstigen
Geschichte zusätzlich Würze. Ich hätte mir neben den sehr ausführlichen Parts
über das Camp etwas mehr Fokus auf andere Handlungsstränge gewünscht, war aber
dennoch von Robin Jarvis „Zwischenspiel“ wieder gefesselt. Daher sehr sehr gute 4
Bücher für den zweiten Teil der „Dancing Jax“.
Ein Must-Read für all diejenigen, die sich der Faszination von Band 1 nicht entziehen konnten. Es geht noch brutaler, noch grausamer, noch blutiger.

 

1. Auftakt (Rezension)
2. Zwischenspiel
3. engl. Titel: Fighting Pax?

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