♂ Ich blogg dich weg! (Agnes Hammer) [Rezension]

„Meine Mutter hoffte wohl, dass ich
hier endlich vernünftig werden würde, meine schwarzen Klamotten ablegte, meine
Schminke abputzte und brav mein Abitur machte.“
(S. 22)
„Irgendwo dort oben war etwas
Bedrohliches, wartete auf mich, und ich konnte es nicht erkennen.“
(S. 49)
„Bis jetzt waren die Tage immer in
eine helle und eine dunkle Hälfte aufgeteilt gewesen. Das war nun vorbei. Nun
war die Dunkelheit überall.“
(S. 59)

 

 

Julie, ihr Bruder Noah sowie die
Zwillinge Jasmina und Sebastian spielen gemeinsam in der Cover-Band Jase Noju.
Noah wird für einige Zeit ins Ausland gehen. Deshalb braucht die Band einen
neuen Schlagzeuger. Nach der Abschiedsparty für Noah suchen die verbliebenen
Bandmitglieder Ersatz für ihn.
Das Vorspielen führt zu dem Ergebnis,
dass sie sich zwischen Lisa, einer Außenseiterin an ihrer Schule, und Marek,
dessen Vater Inhaber einer Marketingagentur ist, entscheiden müssen. Nachdem
die Wahl eigentlich auf Lisa gefallen ist, wird notgedrungen doch Marek neues
Bandmitglied.
Kurz darauf erhält Julie mysteriöse
E-Mails, die schlimme Beleidigungen gegen ihre Person enthalten. Absender:
Stüpp7. Was will dieser anonyme Stüpp7 erreichen? Julie kennt niemanden, der
annähernd für diesen Namen in Betracht käme.
Aber es kommt noch schlimmer!
Plötzlich taucht dieses diskriminierende Fake-Profil von Julie im Internet auf.
Julie ist dem Verzweifeln nahe. Wer steckt hinter diesem Cyber-Mobbing?
Bestätigt sich ihr erster Verdacht?

 

 

Eigentlich hatte ich dieses Buch nicht
auf meiner Liste der unbedingt in nächster Zeit zu lesenden Geschichten. Durch
Zufall fand „Ich blogg dich weg“ von Agnes Hammer aber doch zu mir. Nachdem ich
nun die letzten Seiten hinter mir habe, muss ich unzweifelhaft gestehen, dass
ich von diesem Buch sehr überrascht wurde. Und das meine ich eindeutig im
positiven Sinn!
Der Schreibstil der Autorin ist
einfach und verständlich gehalten, wobei man jedoch ständig von der fortlaufend
spannenden Handlung mitgerissen wird. Unterstützend setzt Frau Hammer hier
ständige Perspektivwechsel ein, die dem Plot einen zusätzlichen Drive verleihen
und die Geschichte stetig und zielstrebig vorantreiben.
Viel eingebaute wörtliche Rede mit
entsprechenden Inhalten brachte mir die Charaktere näher, wobei die Autorin mir
immer noch genügend Freiraum für Eigeninterpretationen zu den Personen gelassen
hat. Genau das ist auch wirklich gut an diesem Buch! Bei zu vielen
Ausschmückungen wäre diese rätselhafte Stimmung sicherlich nicht durchgehend
erhalten geblieben. So konnte ich meine Verdachtsmomente Teilchen für Teilchen
zusammenfügen, musste dennoch oftmals von vorn mit meinem „Täterpuzzle“
beginnen.
Die Darstellung der Protagonisten
gefiel mir sehr gut. Mehr oder weniger handelt es sich um Menschen, wie man sie
an jeder Schule, in jeder Stadt und in jedem Landstrich antreffen kann. Und
diese vermeintliche Normalität zeichnet die Geschichte letztendlich aus. Denn
hier wurde mir deutlich vor Augen geführt, dass auch in normalen Verhältnissen
außergewöhnliche und nicht planbare Situationen entstehen können.
Natürlich hat z. B. Julie hier ein
besonderes Gesangstalent  und Lisa stellt
die typische Außenseiterin dar, die von allen gemieden wird. Dies wurde jedoch
wunderbar in die Geschichte eingewoben und setzt die gewissen Akzente. Man kann
sich seiner Position halt wirklich nie sicher sein…
Im Endeffekt konnte mir die Autorin
eindrucksvoll die Gefahren sozialer Netzwerke und der damit verbundenen
gelegentlich vorkommenden Naivität bei der allgemeinen Präsentation eigentlich
persönlicher Daten und Informationen aufzeigen. Und es zeigt einmal mehr: Wenn
ein Stein erstmal ins Rollen gebracht wurde, ist er meistens schwer wieder zu
stoppen…
Auf eines muss ich definitiv noch
hinweisen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei diesem Buch kaum zu toppen.
Auch wenn es sich um eine überschaubare Anzahl von Seiten handelt, bekommt man
für den Preis unwahrscheinlich viel Geschichte mit entsprechendem Tiefgang
verknüpft mit Nachdenken über das tägliche Online-Handling geboten. Ein
wirklich tolles Buch zum kleinen Preis für zwischendurch!

 

 

Ich habe bei „Ich blogg dich weg“
nicht wirklich etwas gefunden, an dem ich etwas auszusetzen hätte. Ich fühlte
mich durchgehend gut unterhalten und spürte mich von der Autorin definitiv
mitgenommen. Für diesen schönen Lesegenuss vergebe ich deshalb eindeutige 5
Bücher
!
„Ich blogg dich weg“ ist ein Buch für
alle, die sich den bestehenden virtuellen Gefahren noch nicht wirklich bewusst
sind, diese jedoch auch nicht verdrängen wollen. Ein Must-Read für alle, die
fesselnde Geschichten lieben und Hinweisen auf eigene Unzulänglichkeiten bei
der Internetnutzung offen gegenüberstehen. Dieses Buch lohnt sich!

 

19 KOMMENTARE

  1. Jetzt hast du meine Aufmerksamkeit umso mehr auf dieses Buch gelenkt. Ich hatte es schon im Blick, aber nach deiner hervorragend begründeten positiven Beurteilung hat sich mein Fokus noch ein Stück mehr verschärft. Gelungen!

    Liebe Stöbergrüße,
    Kora

  2. Irgendwie spricht mich da Buch leider gar nicht an. Ich finde dieses Thema ist mehr für jüngere Leute geeignet, weil sich "Erwachsene" darüber bewusst sind, oder? Sollte man zumindest meinen. Also ich bin mir darüber bewusst und für mich wirkt das Buch wie ein Aufklärungsbuch mit netter Geschichte ringsherum.

  3. Ich blogg dich weg liegt schon auf meinem SUB! Die Geschichte hat mich einfach sofort angesprochen, als ich den Klappentext gelesen habe 🙂 Ich werde es wohl bald lesen müssen…Deine Rezi hat mich wirklich neugierig gemacht^^

    Lg Rina

  4. Gnaaa -.- Mich spricht das Buch so gar nicht an und ich hab erst zehn Seiten oder so hinter mir xD Ich kann mich nicht dazu bringen weiter zu lesen, dabei sind die Eindrücke hier so richtig positiv und alles :/ Nur 160 Seiten, nur 160 Seiten xDD Ich hoffe, ich schaffe es, das zu Ende zu lesen 😛

    • Dass alle so begeistert von dem Buch sind, hätte ich auch nicht erwartet 🙂
      Dennoch bin ich froh, dass Kay es gelesen hat *ggg* Irgendwie macht es mich nämlich auch nicht an

      Halt durch!

      Lg
      Steffi

  5. Das klingt ja richtig gut, ich hatte da ja jetzt eher eine Teeniestory mit etwas Spannung erwartet. Na mal gucken, vllt. landet es ja doch noch auf meiner Wunschliste 😉

  6. Hallo Svenja,

    habs schon gesehen 😉 Ich fand, es war genau das Richtige für zwischendurch. Und da ich eigentlich keine Erwartungen an das Buch hatte, war ich auch überrascht.

    LG

    Kay

  7. ich lese das buch in der schule und finde es sehr langweilig. Dass könnte aber auch daran liegen, das ich einfach eine schlechte lehrerin erwischt habe.

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